Exerzitien mit P. Pius

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Heilige Nacht

(Predigt in der Christmette 2006)

Diese Nacht ist uns Christen heilig.

Seltsam: Die Nacht, in der Jesus verraten wurde und in der die Eucharistie ihren Ursprung hat, nenne wir nicht heilig, noch nicht einmal die Osternacht.

Diese Nacht: die Weih-Nacht, die Nacht, in die hinein Jesus geboren wurde, das ist für uns die Heilige Nacht!

 

Diese Nacht ist eine besondere: es ist eine der längsten, tiefsten Nächte des Jahres. - WINTERSONNENWENDE:

Jetzt werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer.

 

Was hat die Christen bewogen, die Gottesgeburt in dieser Nacht zu feiern?  Geschieht das von ungefähr?

 

Gott kommt in der schwärzesten Nacht zur Welt. - Wäre er einer von uns, wenn er diesen Tiefpunkt gescheut hätte?

Gott schaut nicht kurz bei Tageslicht herein.

Er setzt an der dunkelsten Stelle an.

Er sucht uns in der Nacht auf.

„Das Licht leuchtet in der Finsternis.“

 

HEILIGE NACHT! - Was verbinden wir damit?

Ein frommes Spiel der Liturgie?

Nachtromantik mit Kerzenschein und Krippenidylle?

Ist hier Nacht nur Kulisse? Oder ist sie Erfahrung?

Wissen wir, was wirklich Nacht ist: Dunkelheit, Undurchsichtigkeit, Kälte und Verlorenheit?

 

Fragen wir uns: Wo erfahre ich Nacht?

Schlaflose Nächte, die nicht zu Ende gehen wollen, nicht nur im Alter? - Die Nacht der Einsamkeit, des Krankseins ,die Nacht der verlorenen Lebensfreude, Hoffnungslosigkeit und Enttäuschung, die Nacht des Zweifels und der Anfechtung, die Nacht der Trauer und Angst? Die Nacht des Verlustes eines lieben Menschen, der von einem weggegangen ist oder den Gott – vielleicht viel zu früh – zu sich gerufen hat und der doch für einen das ganze Licht des Lebens war.

 

Fragen wir uns: Wo tappe ich im Dunkeln?

Wo sieht’s bei mir finster aus? Oder grau in grau.

Man lebt so vor sich hin, ohne Lichtblick?

 

Fragen wir uns: Kenne ich die SCHATTENSEITEN des Lebens?

Konflikte, die das Miteinander in der Ehe, in der Familie, im Beruf überschatten. Spannungen, die Beziehungen lähmen. Sorgen um den Arbeitsplatz. Unverständnis und Ablehnung, durch die eine Wand der Apathie und Gleichgültigkeit entsteht.

 

Was machen wir mit den Nachtseiten unseres Lebens?

Nehme ich sie wahr? Oder verdränge ich sie? Weiche ich aus? Oder decke ich die Nachtseiten zu mit Geschäftigkeit, mit Routine, mit Lärm, mit allerlei oberflächlichem Getue?

 

Weihnachten lädt uns ein, uns den Nachtseiten und Dunkelheiten unseres Lebens zu stellen. Gerade in sie hinein ist ER ja geboren. ER ist in den Abgründen, in den Tiefenschichten, in den Finsternissen bei uns. „Das Licht leuchtet in der Finsternis.“

 

In einer Nacht, in dieser Nacht, hat es doch begonnen.

Mitten in dieser Nacht ist Gott selbst aus seinem Licht und Glanz herausgetreten und zu uns gekommen.

 

ER hat angefangen, wo auch wir anfangen: ganz gefährdet, ganz wehrlos, ganz arm und klein. Diese Zärtlichkeit, mit der Gott auf uns zukommt, in der Gestalt eines Kindes, das berührt mich an Weihnachten jedes Jahr neu. Gott, ein kleines Kind! Dieser Welt ausgeliefert - wie jeder von uns!

ER der Schöpfer des Alls, ER der Herr der Welt, ER die unendliche Zukunft - ER ist gekommen! ER ist einer von uns geworden, unser Bruder.

ER durchlebt und durchleidet Höhen und Tiefen - wie wir.

ER erfährt Freuden und Schmerzen - wie wir.

ER lässt sich vom Leid der Erde treffen und verwunden.

ER empfindet unsere Angst und Not.

Und schließlich stirbt er unseren Tod.

 

Es gibt keine Nacht, die ER nicht kennt, keinen Abgrund, der IHM nicht vertraut ist. Am Anfang der Stall - am Schluss der Galgen.

In allem teilt ER unser menschliches Leben.

ER geht ganz in unser menschliches Leben hinein, wo wir weinen und leiden, wo wir enttäuscht sind und verlassen, verbittert und verzweifelt und in Schuld verstrickt.

 

Weihnachten heißt: Gott ist gekommen.

ER sieht nicht bloß von außen her auf unser zerrinnendes Leben. ER schaut dem Lauf der Dinge nicht von oben herab zu.

ER selbst wird Mensch.

Das, liebe Schwestern und Brüder!, finde ich, ist das Aufregende und Bewegende der Weihnacht: Gott selbst wird Mensch! ER erfährt das Los des Menschen. ER nimmt auf sich unser Schicksal.

 

Liebe Christen!

In dieser Nacht hat es begonnen. Da hat er der ganzen Welt und den Menschen aller Zeiten kundgetan, was er auch heute einem jeden von uns sagt:

 

Ich bin da! Ich bin bei dir! Ich bin dein Leben!

 

Ich bin in der Düsternis deines Alltags. Willst du nicht versuchen, sie zu ertragen?

Ich weine deine Tränen. Weine du die deinen mit mir!

Ich bin deine Freude. Fürchte dich also nicht, froh zu sein!

Ich bin in deiner Not. Denn ich habe sie selbst erlitten.

 

Selbst wenn du die Hoffnung schon aufgegeben hast, wenn du dir selber zum Rätsel geworden bist, wenn du die Welt nicht mehr verstehst, wenn Missmut und Enttäuschung dir zu schaffen macht, wenn Traurigkeit dich lähmt, wenn Ungerechtigkeit dir zusetzt, wenn du Demütigungen und Beschämungen erduldest, wenn dir trotz gutem Willen Misstrauen entgegenschlägt und du Ablehnung einstecken musst, dann wisse:

Ich bin da. Ich bin bei dir. Ich geh mit dir.

Glaube, dass meine Liebe unbesiegbar ist.

 

Wenn Freunde dich verlassen. Wenn beste Beziehungen zerbrechen, wenn du einen lieben Menschen verloren hast, wenn du ohne Arbeit bist, wenn Krankheit dir zu schaffen macht oder du sonst wie an Grenzen stößt, wenn die Beschwerden des Alters auf dein Ende hinweisen, wisse:

 

Ich bin da. Ich bin bei dir. Ich geh mit dir.

Glaube, dass meine Liebe unbesiegbar ist.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Kann Gott mehr seine Liebe zeigen als dadurch, dass er Mensch wird? - Kann Gott mehr seine Liebe zeigen als dadurch, dass er selbst uns entgegenkommt, zu uns kommt und in allem uns gleich wird, außer der Sünde? - Kann Gott mehr an unsere Seite treten und den Menschen annehmen, kann er ein deutlicheres JA sagen zu jedem von uns als er es getan hat in dieser Nacht, der Weihnacht, in dem Kind von Bethlehem?

 

Ja, es ist Liebe, nichts als Liebe, die Gott so handeln lässt.

Aus Liebe geht Gott diesen Weg.

Darum ist diese Nacht die Heilige Nacht, weil Gott da

 - wie Karl Rahner es einmal gesagt hat – „sein letztes, tiefstes und schönstes Wort gesprochen hat, das Wort, das er nie mehr rückgängig machen kann, weil es Fleisch geworden ist in Jesus.“  In Ihm spricht er zu jedem einzelnen von uns: Ich liebe dich, Mensch!

 

Die Liebe Gottes, liebe Christen, ist das Geheimnis, das Wunder dieser Nacht. Die Liebe Gottes, seine Heilstat in Jesus Christus, sein Wille uns zu erlösen, macht diese Nacht zur Heiligen Nacht.

 

Gott liebt uns Menschen.

Das ist der Urgrund von Weihnachten. Das ist die Botschaft und die Freude der Heiligen Nacht. Gott liebt uns Menschen, jeden einzelnen von uns. Er liebt mich und nimmt mich an in all meinen Grenzen und Schwächen und Nöten.

 

Und was er durch seine Geburt der ganzen Welt gesagt hat, das sagt er heute, in dieser Nacht, jedem von uns:

 

Ich bin da. Ich bin bei dir.

Und ich geh nicht weg von dir.

 

Was immer dir geschieht, durch welches Dunkel dein Weg dich führt, welche Nächte du durchlebst und durchleidest, glaube:

 

Ich bin in deinem Leben. Ich bin dein Leben.

Glaube, dass meine Liebe unbesiegbar ist.

 

Dann ist auch für dich Weihnacht. Dann ist auch deine Nacht Heilige Nacht. Dann lasst die Lichter scheinen, lasst hell die Kerzen brennen. Sie haben mehr recht als alle Finsternis.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

  • Preisen wir heute den gnädigen Gott!

  • Preisen wir ihn für seine Güte und Treue!

  • Preisen wir ihn für seine große Liebe!

Und danken wir ihm für das Wunder dieser hochheiligen Nacht!

 

Beten wir mit den Hirten von Bethlehem den an, der in dieser Nacht zu uns gekommen ist, in unsere Welt, in unsere Zeit, in unsere Niedrigkeit, in unser Leben.

 

Und singen wir aus dankbarem und frohem Herzen die Lieder der Weihnacht. Denn: „Christ, der Retter ist da!“ „Für uns und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen.“

 

Vergessen wir aber auch nicht - angesichts der Liebe Gottes - selber die Liebe zu üben und - angesichts des unendlichen Erbarmens Gottes – selber gütig und barmherzig zu sein.

Liebe will Antwort. Liebe will Gegenliebe.

 

„Wenn Gott uns so geliebt hat“, sagt der Apostel Johannes, „dann müssen auch wir einander lieben.“

 

Nicht mehr: Wie du mir, so ich dir, sondern: Wie Gott mir, so ich dir! Die Alltagsform der Liebe ist die Geduld, die Höchstform das Verzeihen.

 

Wo aber Güte ist und Liebe, da ist Gott.

Wo Gott ist, da ist Freude und Frieden!

 

(Bei dieser Predigt verdanke ich einige Ideen, Gedanken und Formulierungen dem Bischof von Limburg, Franz Kamphaus)

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