Exerzitien mit P. Pius

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Sebastian

(Predigt zum Patrozinium der Pfarrgemeinde Neuthard / Baden)

In Deutschland braucht man um das Gedächtnis des heutigen Tagesheiligen nicht besorgt sein.

Grünewald malte ihn auf den Isenheimer Altar.

 

Der Einsiedler und Mönchsvater Antonius wurde Mitte des dritten Jahrhunderts, also um 250, geboren. Über das genaue Geburtsjahr gehen die Ansichten auseinander. Jedenfalls stand seine Wiege in Mittelägypten. Sein Heimatort war das heutige Keman bei Heraclea.

 

20 jährig starben ihm beide Eltern und hinterließen ihm ein großes Vermögen. In einem sonntäglichen Gottesdienst hörte er das Evangelium vom reichen Jüngling und den Bericht der Apostelgeschichte über die arme Gemeinde in Jerusalem. Seine vom Tod der Eltern erschütterte Seele wurde vom Wort Gottes zutiefst getroffen. Es war das Wort Jesu an den reichen Jüngling: „Willst du vollkommen sein, verkaufe, was du hast...“. Dazu kam in einer Predigt ein zweites Jesuswort: „Suchet zuerst das Reich Gottes!“

 

Nun warf Antonius alle Reichtümer von sich.

Er verschenkte Hab und Gut, verließ Elternhaus und Besitz und strebte nach einem ganz auf Gott ausgerichtetes Leben.

 

Er wurde Eremit. Er zog in die Einsamkeit der Wüste.

Fern der Welt und allein mit Gott begann er ein strenges, asketisch Leben.

 

Sein erster Aufenthaltsort war eine Felsengrabkammer am Rande der Wüste.

Später lebte er für etwa zwanzig Jahre lang in einem unbewohnten Wüstengebirge.

 

Antonius wurde zu einem Gottesmann besonderer Prägung.

Alles, was im gewöhnlichen Leben wichtig scheint, wurde ihm unwichtig.

Einem einzigen galt sein Interesse: Gott.

Ihn suchen, ihm gehören, in ihm sein, sein Leben auf ihn ausrichten, konsequent, zielstrebig, diszipliniert.

 

Heute würde Antonius vielleicht sagen: man muss Prioritäten setzen.

Gott absolut den Vorrang einräumen.

Erstwichtig ist Gott.

„Solo dios basta“, wird Teresa von Avila später sagen.

Und Franziskus wird Gott sein höchstes Gut nennen, aller Reichtum zur Genüge.

 

Doch das ging auch bei Antonius nicht ohne Kämpfen und Entsagen.

Viele Versuchungen und Verlockungen teuflischer Art suchten ihn heim.

Dämonische Bedrohungen und Selbsttäuschungen bedrängten ihn.

Es war ein tägliches Ringen.

 

Aber Antonius blieb nicht allein. Um ihn sammelten sich Jünger, eine immer größer werdende Schar von Mönchen, denen er Ratgeber, Lehrer und Vorbild war. Viele blieben bei ihm, schlossen sich ihm an. Eine geistliche Gemeinschaft entstand.

 

Antonius wurde so zum Begründer einer bis dahin unbekannten Lebensform: der Einsiedlergemeinde.

 

Auch sonst fanden viele Menschen, die Rat suchten, Seelenführung wünschten, sich Heil und Kraft erhofften den Weg zu ihm in die Wüste.

Darunter auch Fürsten, Bischöfe und Könige. Viele richteten auch Briefe an ihn.

 

So wurde Antonius zum Lehrer für viele - freilich ganz anders als die anderen Lehrer der Kirche.

Seine Worte redeten scheinbar von Unwichtigem.

Inhalt seiner Reden: Demut, Schweigen, Beten, Arbeiten.

Und immer wieder: Standhalten in Versuchung.

 

Nur zweimal verließ Antonius seine Einsiedlergemeinde in der Wüste. Als die letzte, blutige Christenverfolgung wütet, da sieht man den Sechzigjährigen einige Monate in den Straßen von Alexandria und in den Kerkern der Christen als einen, der ermahnt und tröstet, aufrichtet und anspornt. Er selbst entkommt den Häschern, die auch ihn ergreifen wollen.

 

Ein zweites Mal war er als Fünfundachtzigjähriger in Alexandria auf Bitten seines Freundes, des Patriarchen von Alexandria und späteren Kirchenlehrers, Athanasius und hielt eine flammende Rede gegen die arianische Irrlehre.

 

Die letzten Lebensjahrzehnte des Mönchsvaters ragen in eine Zeit, da die Kirche Staatsreligion wurde, öffentlich anerkannt war und im politischen Leben immer mehr Einfluss gewann.

Gerade in dieser Zeit wurde dieser Mann in der Wüste ein mahnendes Korrektiv.

Er erinnerte die, die anfingen die großen Gotteshäuser zu bauen und diese mit goldenen Mosaiken zu schmücken an die Vergänglichkeit und dass wir Fremdlinge sind in der Welt.

 

Antonius wurde zur Symbolfigur und gleichzeitig zu einer Kontrastgestalt für eine Kirche, die dabei war, sich hinzugeben ins große gesellschaftliche Leben und sich mit den Mächtigen und Staatsgewalten zu arrangieren.

 

Gegen alle Entschärfung des Evangeliums machte das Leben dieses Mönches und Einsiedlers eines deutlich: Wir sind nur Gast auf dieser Erde, denn unsere Heimat ist im Himmel, beim Herrn, der gesagt hat: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

 

Als Antonius um 356, im Alter von 105 Jahren starb, gehörte er zu den einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit.

Eine großartige Gestalt, ein wahrer Gottesmann.

Weder Dämonen noch Irrlehrer konnten ihn besiegen.

 

Bald nach seinem Tod erhielt Antonius den Beinamen „der Große“.

Unter seinem Namen werden 38 Dikta = Worte, Weisungen überliefert.

 

Eines davon lautet:

„Ich sah alle Schlingen des bösen Feindes über die Erde ausgebreitet. Da seufzte ich und sagte: Wer kann ihnen entgehen? Da hörte ich eine Stimme, die zu mir sagte: die Demut.“

 

Einem Besucher, der ihn fragte: „Was soll ich tun? gab er einmal folgende Antwort - und die ist so etwas wie die Quintessenz seines Lebens:

„Hab kein Vertrauen auf deine eigene Gerechtigkeit.

Deinem Leib und deiner Zunge setze Mäßigkeit.

Meide den Müßiggang. Und sei nicht traurig um ein vergangen Ding.“

 

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