Exerzitien mit P. Pius

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Nimm alles von mir! (Nikolaus von der Flüe - 25.09.)

16. Oktober 1467. Flüeli bei Sachseln, in der Schweiz.

Ein Mann auf der Höhe seines Lebens, Vater von zehn Kindern – das jüngste ist gerade geboren – verlässt Frau und Kinder, Haus und Hof.

 

Es ist Nikolaus von Flüe, ein 50 jähriger Bauer, der hohes Ansehen bei seinen Mitbürgern genießt und eine Reihe führende Ämter in der Öffentlichkeit bekleidet.

Er zieht aus und verlässt seine Heimat, um als Einsiedler zu leben.

Jahre hat er mit sich gerungen. Schon lange zieht es ihn in die Einsamkeit.

Jetzt hat auch Dorothee, seine Frau, ihr Einverständnis gegeben.

 

Eigentlich schwebte Niklaus vor, das Leben eines wandernden Pilgers zu führen.

Er machte sich auf den Weg zu den „Waldbrüdern“ im Elsass.

Doch kurz vor Basel folgte er einer inneren Eingebung und kehrte zurück in seine Heimat.

 

Erst hatte er seine Einsiedelei auf der Klüsteralp bei Melchtal.

Doch schließlich ließ er sich im Ranft nieder, tief unten in der Melchaschlucht.

 

Wie er dort lebte, kann man heute noch sehen, denn seine Einsiedlerklause ist uns erhalten geblieben.

In ihr konnte er nicht aufrecht stehen, es gab keinen Tisch, kein Bett, kein Kochgeschirr.

In der kleinen an die Klause angebauten Kapelle feierte der Kaplan von Sachseln immer wieder die hl. Messe.

Der Tabernakel barg den Leib des Herrn.

 

Schon immer fühlte sich Niklaus zum Gebet hingezogen.

Jetzt hatte er Zeit zum Beten, Tag und Nacht.

 

Ein Gebet ist uns überliefert:

„Mein Herr und mein Gott!

Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir!

 

Mein Herr und mein Gott!

Gib alles mir, was mich fördert zu dir!

 

Mein Herr und mein Gott!

Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir!“

 

Die einzige Stärkung, die Bruder Klaus zu sich nahm war die hl. Kommunion.

Man verdächtigte ihn deswegen und unterstellte ihm Betrügerei.

Über einen Monat lang umzingelten Wächter die ganze Ranftschlucht, um ihn zu beobachten und zu bewachen.

Doch einzig der „Leib des Herrn“ diente ihm als Nahrung.

 

Man könnte sagen, sein Leben bestand seit 1467 darin, sich auf die heilige Kommunion vorzubereiten und für den Empfang der heiligen Kommunion zu danken.

Jesus begegnen zu dürfen, war für ihn das größte Glück.

 

Er fühlte sich wie der Apostel Thomas, der dem Auferstandenen begegnen durfte. Als dieser Jesus mit seinen verklärten Wunden sah, als der Herr ihn einlud, mit seinem Finger die Nagelwunde zu betasten und seine Hand in die Seitenwunde zu legen, da fiel er nieder und konnte nur noch staunend und glaubend stammeln: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20, 28).

Das veranlasste den auferstandenen Herrn zu sagen:

„Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben“. (Joh 20, 29)

 

Bruder Klaus wollte mit Thomas vor Jesus glaubend niederknien:

Ich glaube, dass du in der Brotsgestalt gegenwärtig bist.

Ich glaube, dass du dich mir schenkst im Brot des Lebens.

Ich glaube, dass du in heiliger Kommunion bei mir einkehrst.

 

Oft und oft, immer wieder hat Bruder Klaus wohl die Worte, die aus dem zweifelnden Thomas einen glaubenden Thomas machten, nachgesprochen, nachgebetet: „Mein Herr und mein Gott!“

Sie sind ihm zum Herzensgebet geworden.

 

Später fügte er hinzu:

„Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir!“

 

Was kann den Menschen nicht alles hindern, um Gott entgegen zu gehen! Im Schuldbekenntnis der hl. Messe bringen wir es auf den knappen Nenner: „Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken.“

Die Gedanken können uns hindern, auf Gottes Wegen zu gehen.

Es sind Gedanken, die nur um das Ego kreisen. Es sind Gedanken der Eifersucht, des Neides und der Schadenfreude, Gedanken des Stolzes, der Gier und des Geizes.

 

Bruder Klaus war nicht frei von solchen Anfechtungen. Deshalb spricht er die Bitte aus:

„Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir!“

 

Vieles, was den Menschen auf dem Weg zu Gott behindert, hat Bruder Klaus mit seiner Entscheidung für die Einsiedelei mutig abgelegt. Er hat buchstäblich alles verlassen, um Christus nachzufolgen; Haus und Äcker, Frau und Kinder.

Diese letzte Radikalität hat Jesus auch von seinen Aposteln gefordert und ihnen verheißen: Wer so handelt wird das Hundertfache erhalten und schließlich das ewige Leben. (Mt 19, 29)

 

Bruder Klaus gibt nicht nur. Er möchte auch empfangen:

„Mein Herr und mein Gott! Gib alles mir, was mich fördert zu dir.“

 

Das ist allerdings alles andere als ein billiger Tauschhandel nach dem Motto: „Ich gebe dir etwas, damit du mir etwas gibst.“

 

Zum Beispiel: Ich gehe jede Woche einmal werktags in die Kirche, wenn ich die Prüfung bestehe.

Oder: Wenn unsere Mannschaft aufsteigt, mache ich eine Wallfahrt nach Altötting.

Oder: Wenn ich wieder gesund werde, spende ich 1000 Euro.

 

So versteht Br. Klaus sein Gebet nicht.

Er legt alles Gott in die Hände: Gesundheit und Krankheit, Freud und Leid.

Gott möge ihm geben, was ihn näher zu ihm hinführt.

Gott möge ihm schicken, was ihm hilft, in den Himmel zu kommen.

Gottes Wille soll an ihm geschehen.

 

Manches hatte der Einsiedler Bruder Klaus zu erdulden.

Man hat ihn verleumdet. Man hat ihn verspottet. Man hat ihn für einen Heuchler gehalten.

Man hat ihn in der Einsamkeit gestört und seine Sehnsucht nach Stille und Schweigen nicht geachtet.

Er hat es ebenso geduldig ertragen wie seine körperlichen Leiden.

 

Wer sich wie Bruder Klaus ganz Gott hingibt, sich ihm übergibt, der kann schließlich beten:

„Mein Herr und mein Gott! Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir!“

 

Paulus drückt den gleichen Gedanken einmal so aus: „Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir“. (Gal 2, 20)

 

Bruder Klaus, der im Ranft fast 20 Jahre ohne Speise und Trank lebte, den allein die heilige Kommunion nährte und stärkte und am Leben erhielt, wollte ganz christusförmig werden. Und er ist dies geworden.

 

Seine Nachfolge Jesu bestand im Kreuztragen und im Gebet.

Nicht zuletzt aber auch darin: Zweifelnden recht zu raten, Trauernde zu trösten, Lästige zu ertragen, Streitende zu versöhnen und für den Frieden einzutreten.

 

Unvergessen ist seine Intervention bei der Tagsatzung von Stans am Vierwaldstätter See, als man sich nicht einigen konnte, als man sogar mit einem Bürgerkrieg rechnen musste und der Verfall der Schweiz zu befürchten war.

32 Konferenzen hatten bereits stattgefunden und die 33. drohte zu scheitern.

Da brachte sein Gebet und seine Botschaft innerhalb einer Stunde die Einigung und bewahrte das Land vor Spaltung und Krieg.

Im ganzen Land läuteten an jenem 22. Dezember 1481 die Freudenglocken von den Kirchtürmen.

Ihm, dem Einsiedler, verdankt die Schweiz es, dass sie in Europa über Jahrhunderte ein Hort des Friedens wurde und es bis in unsere Zeit geblieben ist.

 

Das Gebet des Bruders Klaus ist ein Jesusgebet.

Es nimmt dreimal das gläubige und anbetende Bekenntnis des Apostels Thomas auf.

 

Wer dieses Gebet andächtig, innig und vertrauensvoll betet, richtet seine Gedanken und seine Aufmerksamkeit auf Jesus.

Er lässt sich von seinem Geist erfüllen und von seinem Licht, seiner Kraft und seiner Liebe durchdringen.

Er lässt sein Herz von Jesus formen und umgestalten.

Er wird immer mehr eins mit IHM.

 

Es ist ein Gebet, das einem nicht ganz leicht über die Lippen geht, wenn man bedenkt und wirklich erfasst, worum man da bittet, zu was man sich da bereit erklärt und auf was man sich dabei einlässt.

Vor allem das „Nimm mich mir“ ist etwas vom Schwersten und wohl eine lebenslange Aufgabe.

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