Exerzitien mit P. Pius

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Albert der Große

(15. November)

 

Kann ein frommer Mensch gescheit sein und ein gescheiter fromm? Durchaus! Das eine schließt das andere nicht aus.

 

Niemand braucht, wenn er fromm sein will, das Denken an der Kirchentür abgeben. Niemand braucht als gläubiger Mensch seinen Denkapparat, den Verstand, der uns ja auch von Gott gegeben ist, ausschalten.

 

Ein Beispiel dafür ist Albert der Große. Er hat Glauben und Denken verbunden. Er hat Wissenschaft und Weisheit verknüpft.

 

„Doctor universalis“ haben ihn schon seine Zeitgenossen voll Hochachtung und Staunen genannt. Albert war wirklich ein Universalgelehrter, ein „doctor universalis“ auf Grund seiner vielfältigen Begabungen und wegen seiner umfassenden Geistesbildung. Er beherrschte das gesamte Wissen seiner Zeit, was manch einem nicht nur phänomenal, sondern fast unheimlich vorgekommen sein mag.

 

Albert befasste sich nicht nur mit Philosophie und Theologie, sondern auch mit den verschiedenen Naturwissenschaften, besonders mit der Tier- und Pflanzenkunde. Er gilt als der bedeutendste Naturforscher des Mittelalters und war wohl der erste moderne Naturwissenschaftler überhaupt.

 

Während seine Zeitgenossen sich in Sachen Naturkenntnis – wie damals eben üblich – auf die Lehren der Vergangenheit verließen, begann er – ganz ungewöhnlich - die Natur genau zu beobachten und mit ihr zu experimentieren. Dabei bediente er sich als erster ganz systematisch der Methoden, die Jahrhunderte später in der Naturwissenschaft ausgebaut und verfeinert wurden.

 

Albertus Magnus gab sich auch nicht mit dem überkommenen theologischen Lehrgebäude zufrieden. Er spürte, dass sich in Europa eine neue Art des Denkens ausbreitete, das an den christlichen Glauben neue Fragen stellte. Er griff dieses Denken, die bis dahin vernachlässigte Philosophie des Aristoteles, entschlossen auf und suchte sie für die Theologie nutzbar zu machen.

Damit geriet er in Konflikt mit der kirchlichen Tradition, bereitete aber den Weg für die großartige theologische Leistung seines Schülers Thomas von Aquin, der den Aristotelismus in sein Denksystem einbaute und das religiöse Denken bis in unsere Zeit entscheidend geprägt hat.

 

In aller philosophisch-theologischen und naturwissenschaftlichen Forschung ist der hochintelligente und supergescheite Albertus Magnus ein tieffrommer Mensch, für den alle Wissenschaft zur tieferen Erkenntnis Gottes führen soll.

Von ihm ist der Satz überliefert: „Die vornehmste Kraft des Menschen ist die Vernunft. Das höchste Ziel der Vernunft ist die Erkenntnis Gottes.“

Immer noch besteht in vielen Kreisen die Meinung, moderne Naturwissenschaft und christlicher Glaube stünden sich unvereinbar und unversöhnt gegenüber. Aber gibt es nicht zahlreiche Biologen, Physiker und Chemiker, die gerade durch die Ergebnisse ihrer Forschung zur Erkenntnis Gottes hingelangt sind, „moderne Wissenschaftler“, die – wie Albert der Große – gläubige Menschen waren oder sind?

 

Gewiss für Albert mag es leichter gewesen sein, für ihn war es gleichsam selbstverständlich, in den Wundern und Geheimnissen der Natur die Größe Gottes zu erkennen und seine Herrlichkeit zu bewundern. Denn er lebte – wie der mittelalterliche Mensch überhaupt – aus einer selbstverständlichen religiösen Schau.

 

Für uns Menschen von heute ist es schwieriger, weil wir in einer Umwelt leben, wo der selbstverständliche „religiöse Blick“ auf die Welt weithin verlorengegangen ist.

Ob wir aber diesen Blick nicht neu einüben müssten, damit all unser menschliches Forschen und Denken tiefer ins Geheimnis Gottes hineinführt und uns hilft –wie Albert sagt - „Menschen nach dem allerliebsten Willen Gottes zu werden“?

 

„Mensch nach dem allerliebsten Willen Gottes werden!“ Dieser Ausspruch von Albert zeigt, dass er sich nicht zufrieden gab mit der bloßen Erkenntnis Gottes. Er ist sich vielmehr bewusst, dass der Mensch Gott nur ernst nimmt, wenn er sein Leben nach Gott ausrichtet. Gott erkennen ist das eine, von Gott ergriffen werden, Gott lieben und ehren das andere. Und das galt Albert als das Wichtigste. Deshalb betete er immer wieder: „O Herr, ich wollte, ich wäre ein Mensch nach deinem allerliebsten Willen.“

 

In diesem Wort, in diesem Gebet drückt sich eine tiefe Sehnsucht aus, ein innige Bitte, ein großes Verlangen. „O Herr, ich wollte, ich wäre ein Mensch nach deinem allerliebsten Willen!“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Ist das nicht ein sehr schönes Gebet, ein Gebet, das sich jeder, der sich bemüht, als gläubiger Christ zu leben, zueigen machen und aus ganzem Herzen sprechen kann? Ein Mensch nach dem allerliebsten Willen Gottes zu sein, ist das nicht unbedingt erstrebenswert?

 

Mir fällt auf, dass Albert nicht einfach betet: „O Herr, ich wollte, ich wäre ein Mensch nach deinem Willen“, auch nicht nach deinem allerheiligsten Willen, sondern „nach deinem allerliebsten Willen“.

 

Noch ein anderes Wort von Albert dem Großen hat es mir angetan. Es lautet: „Wer sich mit göttlichen Dingen beschäftigt, wird nach ihrem Bilde umgestaltet.“ Das stimmt.

Die Frage ist nur: Womit beschäftige ich mich? Woran orientiere ich mich? Was treibt mich um? Was bestimmt mich? Und was prägt in Folge dessen mein Denken und Sinnen, meine Einstellung, mein Handeln? Sind es göttliche Dinge? Ist es das Wort Gottes? Sind es seine Weisungen? Ist es das Leben Jesu, sein Beispiel, sein Beten, seine Demut, seine Güte, sein Erbarmen, seine Erlösungstat?

„Wer sich mit göttlichen Dingen beschäftigt, wird nach ihrem Bild umgestaltet.“ – Es geht letztlich um die Umgestaltung in Christus, Zug um Zug ihm ähnlich werden. Immer mehr seine Konturen annehmen. Verwandelt werden in sein Bild.

 

In einem Lied heißt es: „Im Anschauen deines Bildes…da werden wir verwandelt in dein Bild. Im Hören deines Wortes… da werden wir verwandelt in dein Bild. Im Gehen deines Weges… da werden wir verwandelt in dein Bild…

 

Am Herz Jesu Freitag heißt eine sehr wesentliche und ganz eindrückliche Bitte:„Bilde unser Herz nach deinem Herzen!“

 

Lassen wir uns vom Geist Jesu Christi berühren, ergreifen, durchströmen. Bitten wir, dass wir Stück für Stück und immer mehr in der Kraft des Geistes umgestaltet und geheiligt werden, dass wir zu Menschen werden nach dem Bilde unseres Herrn Jesus Christus.

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