Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Besondere Anlässe Die Aussendung der Zwölf

Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit
   Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

Die Aussendung der Zwölf

(Exerzitienpredigt; Donnerstag der 14. Woche im Jahreskreis; Mt 10, 7 - 14)

 

EVANGELIUM                                                                                                   

Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben

 

+Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:

7Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.

8Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen  aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

9Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel.

10Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.

11Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst.

12Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.

13Wenn das Haus es wert ist, soll der Friede, den ihr ihm wünscht, bei ihm einkehren. Ist das Haus es aber nicht wert, dann soll der Friede zu euch zurückkehren.

14Wenn man euch aber in einem Haus oder in einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg, und schüttelt den Staub von euren Füßen.

 

Das soeben gehörte Evangelium hatte für den jungen Franziskus in seinem Suchen und Fragen eine große, ja entscheidende Bedeutung.

Als er es während einer Messfeier in der kleinen Portiunkulakapelle hörte, ging er hinterher in die Sakristei und fragte den Priester, ob er ihm dieses Evangelium erklären könne. Als dieser es getan hatte, klatschte Franziskus in die Hände und sagte: „Das ist es, was ich will, das verlange ich zu tun aus ganzem Herzen!“

Sofort und mit frohem Herzen setzte er, so gut er konnte, das Gehörte und Erkannte in die Tat um. Thomas von Celano kommentiert: „Er war ja kein tauber Hörer des Evangeliums.“

 

Was sagt uns heute dieses Evangelium?

Wie können wir es auf uns hin deuten und anwenden?

 

Mir fällt als erstes auf:

Es sind Fischer und Zöllner, die Jesus sendet, Menschen wie du und ich. Menschen mit Schwächen, mit bisweilen ungestümem Temperament, nicht frei von Angst; Menschen, weder besonders tugendhaft, noch besonders gescheit, allesamt Laien, keine Schriftgelehrten, keine theologischen Experten. Da ist nichts Professionelles. Anscheinend sind andere Dinge wichtiger.

 

Als zweites klingt mir noch das „Geht“ in den Ohren

„Geht!“ Es klingt wie ein Fanfarenstoß. Geht zu den Menschen!

Das heißt: Wartet nicht bis die Leute zu euch kommen! Geht zu ihnen hin! Seid offen für das, was die Menschen bewegt, für ihre Fragen und Sorgen, ihre Nöte und Ängste, ihre Hoffnungen und Freuden!

Nicht „Komm-her-“, sondern „Geh-hin-Seelsorge“!

 

Als drittes fällt mir auf:

Jesus schickt die Jünger zu zweit aus.

Sie sollen einander unterstützen, miteinander die Lasten ertragen,

Strapazen aushalten, gemeinsam Krisen meistern und Gefahren bestehen.

Zu zweit kann man sich auch austauschen, Probleme besprechen, sich gegenseitig anspornen. Gemeinsamkeit verleiht Stärke und Kraft.

 

Mindesten zwei: das heißt, meines Erachtens auch: es geht um gelebte Gemeinschaft. Sie sollen nicht nur durch Worte predigen, sondern durch ihr Beispiel. Es soll anschaubar werden, wie es geht, miteinander Leben und Glauben zu teilen, Liebe zu üben, Geduld zu haben, verzeihen zu können.

 

Das sagt uns: Christen, und erst recht Ordenschristen, sind keine Einzelkämpfer, keine Solisten. Tuchfühlung ist angesagt, sich einhaken, Solidarität, Geschwisterlichkeit, Weggemeinschaft.

Der Versuchung zum Alleingang gilt es auch heute zu widerstehen.

Das Gemeinsame suchen, im Gespräch bleiben, gemeinsam Wege suchen, einander stützen und stärken.

 

Als viertes fällt auf:

Die Jünger sollen nichts mitnehmen. Nur das Allernotwendigste. Warum das? Ich denke, die Jünger sollten erfahren, wie es ist, sich ganz auf die Güte der Menschen zu verlassen und letztlich auf die Vorsehung Gottes zu vertrauen. Es gibt überall gute Menschen. Und vor allem: Gott ist gut!

 

„Nehmt nichts mit!“ - Für mich heißt das:

Geh so zu den Menschen, so wie du bist. Sei einfach! Sei einfach! Sei du selbst! Gib dich selbst! Sag, was du glaubst! Sprich von deinen Erfahrungen! Da brauchst du keinen Doktortitel, keine Propagandamittel, keinen unnötigen Ballast. Das alles ist es nicht und bringt es nicht.

Weniger kann mehr sein. Weniger an Sachen, Hilfsmittel, Institution, Bürokratie. Mehr an Freiheit, Unabhängigkeit, Beweglichkeit. Weniger an Haben, mehr an Sein. Ob das nicht auch für die Kirche heute und auch für die Orden eine Zielvorgabe ist?

„Nehmt nichts mit!“ - Für mich heißt das auch: Komm nicht protzig daher! Pflege nicht dein eigenes Image! Profilier dich nicht selbst! – ER muss wachsen! Sein Reich, seine Herrschaft, sein Wort die Herzen der Menschen erreichen. – Reichtum und Macht, Prestige und Prunk, Ehrsucht und Erfolgshunger sind keine Kategorien des Evangeliums. Das alles kann sogar zur Fessel für die Botschaft werden.

 

Ein weiterer Aspekt in der Aussendungsrede Jesu ist das Bleiben!

Jesus schickt die Seinen nicht nur los mit leichtem Gepäck. Sie sollen auch mit ihrer Unterkunft und Verköstigung zufrieden sein. Sie sollen bleiben, wo sie Quartier gefunden haben. Es könnte sonst Neid und Eifersucht und manches Gerede entstehen wegen des Wechselns in bequemere Unterkünfte. Sie sollen sich nicht heute hier und morgen dort mit dem Besten verwöhnen lassen. Sie sollen keine Ansprüche stellen. Sie sollen zufrieden sein mit dem, was sie vorfinden und was gute Menschen ihnen geben.

 

Noch etwas ist bedeutsam im heutigen Evangelium, nämlich: „Heilt die Kranken! Treibt Dämonen aus!“

Es fällt auf, dass die Jünger von Jesus nicht nur den Auftrag zur Verkündigung erhalten. Sie sollen die Gottesherrschaft nicht nur mit Worten ausrufen, Jesus gibt ihnen vielmehr auch die Vollmacht, Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben. – Die Dämonen, die Abergeister, haben viele Gesichter: Süchte, Zwänge, Ängste, so vieles, worunter Menschen leiden. Und manchmal ganz entsetzlich leiden.

Sehen Sie: Es geht Jesus nicht nur um das Seelenheil, sondern um den ganzen Menschen, um das Heil für Seele und Leib. Und das war und ist Sendung und Auftrag der Kirche bis heute. – Es geht auch heute noch darum, die Menschen heil zu machen, sie zu befreien, von dem, was sie bedrückt, fesselt, krank und kaputt macht. – Es geht darum für die Menschen da zu sein. Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Das gleiche gilt auch und erst recht für die Orden und geistlichen Gemeinschaften.

 

Ein weiterer Aspekt im heutigen Evangelium: der Friedensgruß!

Die Jünger sollen, wenn sie in ein Haus kommen, den Frieden wünschen. Auch diese Weisung hat der hl. Franziskus wörtlich genommen und seine Brüder immer wieder dazu aufgefordert.

Dieser Friedensgruß ist mehr als eine Höflichkeit. Er ist Gabe, Gottesgabe. Auch dieser Gabe gegenüber kann man offen sein oder abweisend, dankbar für dieses Geschenk oder sich verschließen.

 

Noch etwas fällt mir auf:

Jesus weiß: nicht überall werden die Boten mit offenen Armen empfangen. Jesus sieht das ganz realistisch. Die Jünger werden auch – wie er selbst – auf Ablehnung stoßen und Hass erfahren. „Haben sie mich verfolgt, dann werden sie auch euch verfolgen.“ – Da, wo solches geschieht, sollen sie sich nicht aufreiben und keine Zeit vertun, sondern sollen einfach weiterziehen und den Staub von den Füßen schütteln. Vielleicht kommt die Zeit später, vielleicht kommt die Zeit nie. Gott weiß es.

Sie sollen die Frohe Botschaft mit ganzer Kraft verkünden, säen, säen und nochmals säen. Jeder soll die Botschaft vernehmen. Alle sind eingeladen, den Glauben kennen zu lernen. Aber keinem darf er aufgezwungen werden. Die Frohe Botschaft soll nicht aufgedrängt werden. Mit Druck und Zwang bringt man den Menschen Gott nicht näher. – Ob und wie das Reich Gottes Fuß fasst, liegt in der Freiheit des Menschen. Gott respektiert diese Freiheit. Annahme oder Ablehnung entzieht sich letztlich der Verfügung und dem „Machen“ des Jüngers. Die Aussaat ist unser, die Ernte ist des Herrn.

 

Ein letztes fällt mir auf:

„Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben!“

Umsonst, gratis. In gratis steckt das lateinische Wort gratia, d.h.: Gnade. Wichtig ist, zu erkennen, dass ich selbst Empfangender bin, Beschenk­ter. Das macht demütig. Und zu erkennen, wie sehr ich beschenkt bin, wie groß die Gabe, die Gnade ist, das macht noch demütiger. Und es macht dankbar.

„Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben!“

Nichts ist uns gegeben nur für uns selbst, sondern zum Weitergeben, und zwar wie wir es vom Geber aller Gaben empfangen haben, gratis, umsonst.

„Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben!“

Empfangen und Geben, das prägt und bestimmt ganz auch unser Leben.

Wir können nicht immer nur geben. Wir müssen auch schöpfen und aufnehmen. Nur der Beschenkte kann ein Schenkender sein:

 

Vielleicht können auch die Exerzitien wieder Brunnentage sein, wo wir Licht und Kraft, Freude und Zuversicht schöpfen. Das wünsche ich uns allen, um dann auch wieder weitergeben zu können, was wir selbst empfangen haben, gratis, freudig, großzügig, wie Ihr Gründer…………… und unser Ordensvater, der hl. Franziskus. Amen

 

 

   Druckansicht

 

Seitenanfang