Exerzitien mit P. Pius

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Von der engen Tür

(21. Sonntag - Lesejahr C; Lk 13; 22 - 30)

 

Ein Kapuziner kommt in den Himmel. Petrus weist ihn an, vor der Himmelstür Platz zu nehmen und zu warten, bis er eingelassen wird. – Er wartet und wartet. – Auf einmal treten die Heerscharen der Engel auf, ein Posaunenchor und ein Streichorchester, Chöre der Cherubin und Seraphin, Erzengel mit Fahnen und ein roter Teppich wird ausgerollt.

„Sicher ist der Papst gestorben oder ein Kardinal“, denkt der Kapuziner. Aber weder noch, ein einfacher Pfarrer ist es, der so festlich abgeholt und in feierlicher Prozession durch die Himmelstür Einzug hält.

„Was soll denn dieser Aufwand“, fragt der Kapuziner später den Petrus. „Ich warte hier schon eine halbe Ewigkeit und dieser Pfarrer kommt schnurstracks in den Himmel – und dann noch mit einem Riesenaufgebot. Ist das nicht ungerecht?“

„Weißt du“, antwortet ihm Petrus, „Kapuziner kommen hier alle Tage an, aber Pfarrer nur alle Schaltjahr mal einer.“

 

Es gibt eine ganze Reihe Witze, die sich mit dieser Thematik befassen, dem Hineinkommen in den Himmel bzw. dem Warten vor der Himmelstür. Irgendwie scheint die Sache zu interessieren.

 

Auf einer Geburtstagsfeier sagt eine Frau: „Wenn ich nicht in den Himmel komme, dann kommen die meisten andern auch nicht rein.“ Meint ihr Mann: „Du kommst ganz sicher rein.“ „Wieso?“ „Drachen steigen. Und außerdem hält ’s bei dir kein Teufel aus.“

 

Kommen wir alle in den Himmel, weil wir so brav sind?

Gibt es das ewige Leben so einfach und billig wie in diesem Karnevalsschlager?

Ist Hoffnung für alle? Oder für viele? Oder werden nur wenige gerettet?

Mir scheint: der Mann, der diese Frage im Evangelium stellt, meint es ehrlich. Diese Frage berührt und interessiert ihn ganz existentiell.

 

Und wir? Beunruhigt uns diese doch wichtige Frage überhaupt noch? Oder ist unser Leben randvoll gepackt mit tausend anderen Fragen und Dingen, so dass für die Frage, wie wir einmal vor Gott dastehen, gar kein Platz mehr ist?

 

Jesus gibt auf die Frage: Sind es nur wenige, die gerettet werden, keine direkte Antwort. Er sagt nicht: Es sind wenige oder es sind viele.

Er lenkt die Frage in eine andere Richtung. Er spielt den Ball zurück und antwortet mit einem Aufruf:

„Müht euch mit allen Kräften durch die enge Tür zu gelangen!“

 

Damit sagt Jesus: Spekuliert nicht! Fragt nicht nach den anderen! Schaut auf euch selbst!

Ob jemand gerettet wird und wer gerettet wird, das hängt von jedem selber ab. Ihr selbst habt es in der Hand.

Gott will das Heil für alle. Er will, dass sie vom Norden u. Süden, vom Osten u. Westen kommen und in seinem Reich zu Tisch sitzen.

Aber es liegt an jedem einzelnen. Ob einer glaubt und seinen Glauben auch lebt, dass einer nicht nur getauft ist und Christ heißt, sondern es auch wirklich ist, ob man davon was im Leben merkt, darauf kommt es an!

Das Tun des Wortes Gottes, die Lebenspraxis ist ausschlaggebend für die endgültige Zukunft bei Gott.

Jesu Worte ermahnen, sie rütteln auf. Sie rufen zum Handeln hier und jetzt.

 

Eingeladen sind alle. Aber Rettung geschieht nicht automatisch.

Der Mensch kann die Einladung Gottes ausschlagen.

Er kann an seiner eigenen Engherzigkeit u. Hartherzigkeit scheitern.

Seine eigene Lieblosigkeit und Selbstsucht kann ihm im Weg stehen.

 

Das verdeutlicht sehr gut folgende Erzählung von Dostojewski:

Es lebte einmal eine alte Frau, die war sehr böse und starb.

Diese Alte hatte in ihrem ganzen Leben keine einzige gute Tat vollbracht. Da kamen denn die Teufel, ergriffen sie und warfen sie in den Feuersee.

Ihr Schutzengel aber stand da und dachte: „Kann ich mich denn keiner einzigen guten Tat erinnern, um sie Gott mitzuteilen?“

Da fiel ihm etwas ein. Und er sagte zu Gott: „Sie hat einmal in ihrem Gemüsegärtchen ein Zwiebelchen herausgerissen und einer Bettlerin geschenkt.“

Und Gott antwortete ihm: „Nimm dieses Zwiebelchen und halt es ihr in den See, so dass sie es zu ergreifen vermag. Und wenn du sie daran aus dem See herausziehen kannst, so möge sie ins Paradies eingehen. Wenn aber das Pflänzchen abreißt, so soll sie bleiben, wo sie ist.“

Der Engel lief zu der alten Frau und hielt ihr das Zwiebelchen hin: „Hier“, sagte er zu ihr, „fass an, wir wollen sehen, ob ich dich daran herausziehen kann!“ Und er begann vorsichtig zu ziehen – und hatte sie beinahe schon ganz herausgezogen. Aber da merkten es die anderen Sünder im See. Und wie sie das sahen, klammerten sie sich alle an die Frau, damit man auch sie mit ihr zusammen herauszöge.

Aber die Frau war böse, sehr böse und fing an zu strampeln und stieß die anderen mit ihren Füßen zurück und schrie: „Nur mich allein soll man herausziehen, nur mich und nicht euch. Es ist mein Zwiebelchen und nicht eures.“

Wie sie aber das ausgesprochen hatte, riss das kleine Pflänzchen entzwei. Und die Frau fiel in den Feuersee zurück und brennt dort noch bis auf den heutigen Tag. Der Engel aber weinte und ging davon.

 

Das Zwiebelchen hätte die Frau retten können. Gott will, dass alle gerettet werden. Jesus hat sogar dem reumütigen Schächer am Kreuz noch das Paradies geöffnet.

Aber wir werden nicht automatisch vor’ s Himmelstor geschwemmt nur weil wir getauft sind oder jeden Sonntag in die Kirche gehen.

 

Thomas von Kempen schreibt in seiner „Nachfolge Christi“ von einem Freund, der unbedingt wissen wollte, ob er zu den Erwählten gehört: „Und wenn du es wüsstest, was würdest du dann tun? – Was du alsdann tun würdest, tu es jetzt! Und du wirst sicher zum Ziel kommen.“

In einem modernen Kirchenlied heißt es: „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.“

 

Das Vorzeigen des Taufscheins genügt nicht. Das Bezahlen der Kirchensteuer genügt nicht. Die „religiösen Pflichten“ abhaken genügt nicht. Auch fromme Reden und Lippenbekenntnis bringen es nicht.

Im Gegenteil: „Nicht jeder der zu mir sagt ‚Herr, Herr’ wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters erfüllt.“

„Ihr seid meine Jünger“, sagt Jesus in den Abschiedsreden, „wenn ihr tut, was ich euch aufgetragen habe.“

Und was hat er uns aufgetragen? „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!“

Nicht: „wie du mir so ich dir“, sondern, „wie ich euch, so ihr einander!“

„Seht, wie sie einander lieben“, hat man von den ersten Christen gesagt.

Das war ihr Erkennungszeichen: die Liebe. Das ist auch der Prüfstein des Glaubens heute. Am Schluss unseres Lebens werden wir nach der Liebe gefragt. Allein die Liebe zählt.

Die Alltagsform der Liebe ist die Geduld, das Einander-Ertragen, das Sich-gegenseitig-Annehmen. Die Höchstform der Liebe ist das Verzeihen.

Es geht darum, an dem Platz, an dem ich stehe, die Güte und Liebe Gottes widerzuspiegeln und so die Gegenwart Gottes zum Leuchten zu bringen.

 

Die Rede von der engen Tür findet meines Erachtens eine Interpretation und Ergänzung durch zwei andere Jesusworte.

Das eine ist eines der schönen und großartigen „Ich-bin-Worte“ im Johannesevangelium. Da sagt Jesus: „Ich bin die Tür. Wer durch mich eintritt, wird gerettet werden“ (Joh 10, 9).

Das macht Mut und gibt Zuversicht.

 

Das andere Wort Jesu ist überliefert im Zusammenhang der Begegnung eines reichen Mannes mit Jesus (Vgl. Mk 10, 17 - 27).

Der Mann ist von der Frage bewegt: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“

Aber er bringt es nicht fertig, alles zu lassen und vorbehaltlos, den Sprung ins Vertrauen wagend dem Ruf Jesu zu folgen. Betrübt wendet er sich ab.

Nachher sagt Jesus zu den Jüngern: „Wie schwer ist es, (nicht nur für einen der reich ist, sondern überhaupt) in das Reich Gottes zu kommen!“

Die Jünger erschrecken und fragen: „Aber wer kann dann überhaupt gerettet werden?“ – Jesus schaut sie an und sagt: „Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott, denn für Gott ist alles möglich!“

 

Über das Unvermögen des reichen Mannes, alles zu lassen und vorbehaltlos den Weg Jesu mitzugehen und über die Angst bzw. das Erschrecken der Jünger („wer kann da noch gerettet werden?“), stellt Jesus die Gnade Gottes.

Gottes Gnade ist größer als unsere Armseligkeit. Seine Barmherzigkeit ist größer als all unsere Schwachheiten und Unzulänglichkeiten. Gottes Liebe ist größer als alle Schuld.

„Für Gott ist nichts unmöglich.“ Das ist trostreich und hoffnungsvoll.

 

Gott sinnt Gedanken der Rettung, nicht des Verderbens. Er will unser Glück und unser Heil. Er will, dass wir „das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10, 10).

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