Exerzitien mit P. Pius

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Bei Gott ist Trotz und Heil

(14. Sonntag - Lesejahr C; zu Jes 66, 10 - 14c [1. Lesung])

 

Ein Kind weint. Es ist hingefallen und hat sich weh getan. Weinend läuft es zu seiner Mutter. Diese nimmt das Kind liebevoll in den Arm, streicht ihm zärtlich über den Kopf, drückt es fest an sich und spricht ihm verständnisvoll zu. Schnell beruhigt sich das Kind. Bei der Mutter findet es Geborgenheit und Trost.

 

Dieses Bild, liebe Schwestern und Brüder, ist mir beim Lesen und Meditieren der alttestamentlichen Lesung gekommen.

Da heißt es: „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch!“

 

Welch ein Wort! Welch ein kühnes Bild von Gott!

Gott tröstet so, wie eine Mutter tröstet!

 

Dieses Wort und dieser Abschnitt der Lesung stammen aus dem dritten Teil des Jesajabuches, dem so genannten Tritojesaja.

Der Prophet spricht in eine Zeit, die von großer Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet ist.

Eine kleine Gruppe Gefangener durfte aus dem babylonischen Exil heimkehren. Aber ihre Lage ist trostlos: große wirtschaftliche Not, politische Unsicherheit, das Land weithin verödet und von Fremden ausgebeutet, Jerusalem verwüstet. Symbol der Enttäuschung ist der zerstörte Tempel.

 

Doch der Prophet teilt nicht die Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit des Volkes. Er sieht weiter. Er glaubt an eine Wende. Und so versucht er, aufzurichten und zu trösten.

 

Natürlich ist er nicht blind. Er weiß, wie die Gegenwart aussieht: ganz schlimm, äußerst miserabel. Das Volk muss vieles durchlei­den. Aber der Prophet sieht die Zukunft positiv, weil sie Gottes Zukunft ist, Zukunft des Gottes der mächtig, verlässlich und treu ist. Ihm ist das Schicksal seines Volkes nicht gleichgültig. Gott wird wenden Not und Leid.

 

Ja, der Prophet wagt sogar, ein Jubellied anzustimmen und zur Freude aufzurufen: „Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt! Seid fröhlich, die ihr traurig wart!“

 

Ein ganz eindringlicher Aufruf zur Freude, obwohl – objektiv gesehen – die Lage völlig desolat ist und das Volk nichts zu Lachen hat.

Doch der Prophet ist gewiss:

Es gibt Zukunft und Hoffnung. Gott gibt Zukunft und Hoffnung.

 

Die zukünftige Wende, das neue Heil, ist derart, dass nur Bilder es beschreiben können: Bilder der Freude und des Überfluss. Kraftvolle Bilder, die die Verzagten und Deprimierten aufrütteln sollen. Sie sollen bei allen Schwierigkeiten, die es zweifellos gibt, das Gute nicht vergessen, z. B. das Wunderbare der Heimkehr aus der Gefangenschaft. Und sie sollen an die Verheißungen Gottes glauben.

 

Bilder der Freude, Bilder des Überfluss:

Jerusalem als Mutter, an deren Brust ihre Kinder, die Judäer, trinken und überreich satt werden.

Der kommende Friede, das kommende Heil: ein breit dahinfließender Strom.

Der Reichtum der Völker: ein rauschender Bach, der Juda bewässert.

Und die noch in Babel Gefangenen werden herbeigebracht; die in der Zerstreuung lebenden Judäer werden aus den Völkern zurückgeführt – nicht unter Zwang, sondern zärtlich.

Wie Kinder, sagt der Prophet, wird man sie auf den Armen tragen und auf den Knien schaukeln.

 

Überfließende Liebe, überströmende Güte spricht aus all diesen Bildern, die Hoffnung wecken wollen.

 

Das alles aber ist Tat Gottes, Tat eines Gottes, der sich – wie eine Mutter – zärtlich den Seinen zuwendet und sich liebevoll um sie kümmert.

 

Was auffällt, liebe Schwestern und Brüder:

Fast alle Bilder, die der Prophet verwendet, haben fraulich-mütterliche Züge. Auch das Bild für Gott!

Ganz deutlich und unbefangen lässt der Prophet Gott sprechen: „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch!“

 

Gott als Mutter, mit weiblichen, mütterlichen Eigenschaften!

Welch kühnes Bild! Und dieser mütterlich-tröstende Gott wird nicht für irgendwann angekündigt. Er ist hier und jetzt erfahrbar.

 

„Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch!“

Diesem Wort ganz nahe steht ein anderes, ebenfalls bei Jesaja:

„Zion sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen. Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht!“ (49, 14 - 15)

 

Gott ist da und liebt und sorgt wie eine gute Mutter!

Gottes Einsatz für Israel, Gottes Stehen zu Israel, Gottes Sich-Kümmern übersteigt sogar noch die Liebe einer Mutter.

 

„Gott ist Vater, und mehr noch, er ist Mutter!“

So hat es Papst Johannes I. während seines 30-tägigen Pontifikates in einer Ansprache ausgedrückt. Ein Wort, das aufhorchen ließ.

 

Auch Jesus scheut sich nicht, für sich ein Bild mütterlicher Zuwendung zu wählen: „Wie oft wollte ich deine (Jerusalems) Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt!“ (Mt 23,37)

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Ein Wesenszug Gottes ist seine Mütterlichkeit.

Es ist gut und es ist an der Zeit, dass wir Christen uns diesem Aspekt der Gottesoffenbarung wieder öffnen!

 

„Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch!“

Die mütterliche Zuwendung Gottes zu seinem Volk bewirkt Freude und Jubel. Und gleichzeitig – zusammen mit Freude und Jubel – Hoffnung, neues Leben, neue Vitalität: „Wenn ihr das seht, wird euer Herz sich freuen, und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras.“ Wie verdurstende Pflanzen wieder frisch werden, wenn sie Wasser bekommen, so wird das Volk unter dem Trost Gottes aufleben.

 

Liebe Mitchristen!

Wie oft gleichen wir dem Kind, das sich weh getan hat und bei der Mutter Trost und Hilfe sucht.

Bei uns sind es nicht die kleinen Wehwehchen, die mit einem „Heile, heile Gänschen“ schnell vergehen und alles ist wieder gut. Wir Erwachsene kennen ja auch anderes, was entsetzlich schmerzt und weh tut, Sorgen Nöte, Ängste, Bedrängendes und Bedrückendes, Schlimmes, Tragisches, Schicksalhaftes, Dinge, die ganz arg zusetzen und schwer zu schaffen machen.

 

Aber auch wir können und dürfen uns an Gott wenden, der wie ein guter Vater ist und wie eine liebende Mutter.

„Wir heißen Kinder Gottes und sind es.“

Wir dürfen bei ihm Zuflucht, Schutz und Hilfe suchen.

Und können Trost und Heil erfahren.

 

Das Gottesbild und die Botschaft des Tritojesaja ermutigen uns dazu. Es ist das Bild eines zärtlichen Gottes, es ist die Botschaft eines Gottes der Liebe, der wie eine Mutter da ist und sich um sein Volk und jeden einzelnen sorgt.

 

„Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch.“

 

Das ist Frohe Botschaft, Botschaft, die Mut macht und Hoffnung weckt! Hoffnung aber schenkt Freude! Und Freude ist das Glück des Lebens.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wie jetzt im Sommer die Sonne wärmt und ihr Licht der Seele gut tut, wie die Natur wächst, blüht und gedeiht, wie die Farbenpracht das Auge beglückt, so können wir unsere Seele in die Sonne der Liebe Gottes halten, uns an dieser Liebe wärmen, uns davon durchdringen und erfüllen lassen, so sehr, dass es sogar abfärbt, ansteckend wirkt, übergreift und überströmt auf andere.

 

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