Exerzitien mit P. Pius

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Ist nach dem Tod alles aus?

(32. Sonntag - Lesejahr C; Lk 20, 27 - 38)

 

„Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

 

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

Aus allen Sternen in die Einsamkeit.

 

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andre an:

Es ist in allen.

 

Und doch ist einer, welcher dieses Fallen

Unendlich sanft in seinen Händen hält.“

 

(Rainer Maria Rilke)

 

Der Monat November wird vielfach als Totenmonat bezeichnet. Mit seinen Grautönen, den leergefegten Bäumen, dem Nebel, der früh einbrechenden Dunkelheit erinnert er uns an die Vergänglichkeit des Lebens. Und mit seinen Gedenktagen – Allerseelen, Totensonntag, Volkstrauertag – weist er hin auf Sterben, Grab und Tod.

 

Das heutige Evangelium passt wie gerufen zu diesem Monat.

Die Frage ist: Was erwartet uns nach dem Tod? Ist es vorbei mit Licht und Leben? Wo sind unsere Freunde und Verwandten? Ist nur noch Dunkelheit und Schweigen?

Seitdem es Menschen gibt, ist der Tod für sie wie eine dunkle, hohe Mauer, die jedem Weg ein Ende setzt und keine Wiederkehr erlaubt.

 

Wir wissen nicht viel von dem, was uns nach dem Tod erwartet.

Aber wir wissen das Entscheidende. „Kein Auge hat es gesehen, und kein Ohr hat es gehört, und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ (1 Kor 2, 9)

Die Heilige Schrift sagt nur, dass wir leben werden, dass uns Gott zu sich ruft, uns heimholt und dass wir bei ihm leben werden für immer. – „Himmel“ ist einer der Namen der Bibel für Gott selbst. Er ist der Himmel. Er ist unsere Hoffnung.

 

Alles, was uns die Bibel über das Wie des Bei-Gott-Seins aussagt, sind nur Umschreibungen. Sie spricht vom ewigen Leben, immerwährendem Heil, Frieden ohne Qual, von Licht und Ruhe. Oder sie braucht Bilder wie Tischgemeinschaft mit Gott, Wohnung Gottes, ewiges Hochzeitsmahl. Es sind Versuche, das Unsagbare sagbar zu machen.

 

Im Evangelium heute konstruieren die Sadduzäer, die selbst nicht an die Auferstehung glauben, eine Geschichte und wollen Jesus damit aufs Glatteis führen.

Sieben Männer warten in der Ewigkeit auf ein und dieselbe Frau. Wie soll das geschehen? Wem soll sie gehören?

Eine verrückte Szene: eine siebenfache Witwe. Wo gibt’s auch so was? – Jesus wird provoziert. Er ist herausgefordert. Er muss Stellung beziehen.

Treffsicher und geschickt wehrt Jesus die Angriffe seiner Gegner ab. Was als sichere Falle geplant war, wendet er zur Chance und nützt es zur Verkündigung einer viel größeren Wahrheit: Nicht das „Wie“ des ewigen Lebens ist entscheidend, sondern das „Dass“.

 

Der Leugnung an ein Weiterleben nach dem Tod schiebt Jesus einen Riegel vor: „Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Für ihn sind alle lebendig.“ In diesen wohlformulierten Satz mündet heute das Evangelium. Es ist ein befreiender Satz.

 

Gott ist nicht allein der Gott der Lebenden auf dieser Welt. Er ist auch der Gott, in dem jene leben, die durch den Tod gegangen sind. Für ihn sind, wie es heute im Evangelium heißt, alle lebendig. Unsere Toten sind für ihn lebendig. Und auch wir werden leben. Denn nicht der Tod wird das letzte Wort sprechen, sondern ER, der Lebendige. In ihm und durch ihn allein ist Zukunft und Leben über alle Zeit hinaus.

 

Hinter unserem Leben steht einer, der weiß um unseren Hunger nach Leben, um unsere Sehnsucht nach Freude, um unser Verlangen nach Glück. Und er wird es erfüllen!

 

Der Satz unseres Glaubensbekenntnisses: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben der kommenden Welt“, ist keine Phrase. Er ist vielmehr die letzte, sichere Konsequenz aus allem, was wir Christen glauben.

 

Die Präfation für die Verstorbenen drückt es so aus:

„Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.“

 

Der Tod ist von unserem christlichen Glauben her gesehen nicht Ende, sondern Wende, keine unüberwindliche hohe Mauer, sondern Durchgang und Tor, nicht Schlusspunkt, sondern alles verheißender Doppelpunkt, nicht Finale, sondern Ouvertüre.

 

Gott schenkt im Ende die Vollendung: Leben in seinem Licht, Leben in seinem Frieden, Leben in seiner Freude, Leben in seinem Glück, Leben in seinem Leben.

 

„Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen. – Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“

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