Exerzitien mit P. Pius

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Der barmherzige Samariter

(15. Sonntag - Lesejahr C, Lk 10, 15 - 37)

 

Was wäre eigentlich noch zu sagen zu diesem bekannten Evangelium, das Sie, liebe Schwestern und Brüder, nicht schon wissen?

Dass auch heute noch viele Menschen „unter die Räuber fallen“?

Wem wäre das neu? Wir wissen doch, wie es zugeht im Leben! Wir hören, sehen oder lesen doch jeden Tag, was los ist in der Welt, wie Menschen Opfer von Gewalt und Verbrechen werden.

Wahrlich, die Lebenswege unserer Zeit sind nicht sicherer geworden – und die Räuber nicht barmherziger.

 

Eine andere Frage: Wo ist unser Platz in dieser Geschichte?

Gehören wir zu den Räubern, die andere rücksichtslos und brutal ausplündern, um so an Geld und Reichtum zu kommen? Gewiss nicht! Jedenfalls nicht in dieser krassen Form. Solche Leute gehen sohl kaum sonntags in die Kirche Die sitzen eher im Gefängnis.

Allerdings, man braucht nicht erst körperliche Gewalt anzuwenden, um einen niederzuschlagen oder fertig zu machen. Oft genügt auch schon eine Lüge, um jemanden klein zu kriegen, ein hartes Wort oder ein hämisches Grinsen. Oft sind es die kleinen, subtilen, verdeckten Gehässigkeiten, Gemeinheiten, Zynismus, die einen in die Nähe der Räuber bringen. Ich nenne nur das Stichwort „Mobbing“. Es ist noch nicht lange her, da habe ich bei Einzelexerzitien von zwei Fällen gehört, die man durchaus als „Mobbing im Kloster“ bezeichnen kann.

 

Wo ist unser Platz in dieser Geschichte?

Bei denen, die vorübergehen wie der Priester und der Levit?

Nein, es wäre ungerecht, einfach pauschal zu behaupten, wir kümmern uns nicht um die Not in der Welt. Gibt es nicht bei Erdbeben, Überschwemmungen und anderen Katastrophen große Spendenaktionen? Haben wir nicht „Misereor“, „Adveniat“, „Brot für die Welt“? Haben wir nicht eine gut organisierte Caritas, das Rote Kreuz, die Malteser, den Samariterbund, Amnesty International, Unicef... Na bitte! Außerdem: wir haben Wärmestuben für Nichtsesshafte, Essensausgaben für Wohnsitzlose, Therapieplätze für Drogensüchtige. Wir haben Heime für Pflegebedürftige, Hospize für Aidskranke und Beratungsstellen für in Not Geratene verschiedenster Art...

Wir haben ein soziales Netz, das Arme und Schwache auffängt. Nein, wir lassen keinen liegen, der unter die Räuber gefallen ist. Alles ist geregelt, die Zuständigkeiten geklärt, das Krisenmanagement funktioniert. – Können wir uns also zufrieden zurücklehnen in den Lehnstuhl unseres guten Gewissens?

 

Folgende Geschichte kann uns nachdenklich machen:

Die Hölle war total überfüllt, und noch immer stand eine lange Schlange am Eingang. Schließlich musste sich der Teufel selbst herausgehen, um die Bewerber fortzuschicken. „Bei mir ist alles so überfüllt, dass nur noch ein einziger Platz frei ist“, sagte er. „Den muss der ärgste Sünder bekommen. Sind vielleicht ein paar Mörder da?“ – Und nun forschte er unter den Anstehenden und hörte sich deren Verfehlungen an. Was auch immer sie ihm erzählten, nichts schien ihm schrecklich genug, als dass er dafür den letzten Platz in der Hölle hergeben mochte. – Wieder und wieder blickte er die Schlange entlang. Schließlich sah er einen, den er noch nicht gefragt hatte. „Was ist eigentlich mit Ihnen, dem Herrn, der da für sich allein steht? Was haben Sie getan?“

„Nichts“ sagte der Mann, den er so angesprochen hatte. „Ich bin ein guter Mensch und nur aus Versehen hier. Ich dachte, die Leute ständen hier um Zigaretten an.“

„Aber sie müssen doch etwas getan haben“, sagte der Teufel. „Jeder Mensch stellt etwas an.“ - „Ich sah es wohl“, sagte der gute Mensch, „aber ich hielt mich davon fern. Ich sah, wie Menschen ihre Mitmenschen verfolgen, aber ich beteiligte mich niemals daran. Sie haben Kinder hungern lassen und in die Sklaverei verkauft. Sie haben auf den schwachen herumgetrampelt und die Armen zertreten. Überall um mich herum haben Menschen von Übeltaten jeder Art profitiert. Ich allein widerstand der Versuchung und tat nichts.“

„Absolut nichts?“ fragte der Teufel ungläubig. „Sind Sie sich völlig sicher, dass Sie das alles mitangesehen haben?“ – Vor meiner eigenen Tür“, sagte der „gute Mensch“. – Und nichts haben Sie getan?“ wiederholte der Teufel. – „Nein!“

„Komm herein, mein Sohn, der Platz gehört dir!“

Und als er den „guten Menschen“ einließ, drückte sich der Teufel zur Seite, um mit ihm nicht in Berührung zu kommen.

 

Wochenlang wird in der Nachbarschaft ein Kind misshandelt. Viele hören die Hilfeschreie. Keiner der Anwohner tut etwas. Auch ich kann sagen: Was geht mich das an? Nur keine Scherereien! Doch es geht mich an. Ich kann der Nächste sein für diese Kind.

 

In meiner Straße gibt es Aussiedler oder Asylanten. Sie hoffen auf Verständnis und Akzeptanz. – Bin da nicht auch ich gefragt?

 

Ein Ehepaar mit vier Kindern sucht eine Wohnung. Natürlich gibt es dafür Ämter und zuständige Stellen. – Aber bin nicht auch ich gefragt? Und wenn es nur mein Zuhören ist, mein Mittragen ihrer Not, mein Mutmachen zum Dranbleiben und Weitersuchen.

 

Ein anderes Beispiel: Was nützt einem schwer Gehbehinderten seine Rente und alle offizielle Fürsorge, wenn er vor einer Treppe steht und nicht allein hinauf oder hinunter kommt? – Da bin ich gefragt!

 

Man kann eine ganze Litanei aufzählen. Immer geht es um mein Eingreifen, um meine kleine Tat, um meine Aufmerksamkeit, um den Erweis meiner Barmherzigkeit und helfenden Güte, um meine schlichte Zuwendung zum anderen in konkreter Stunde, dass ich mich stören lasse, dass ich mich einfühle und mitempfinde, dass ich mich betreffen lasse von fremder Not und dem Schicksal des anderen, dass ich mir Zeit nehme, dass ich tut, was ich vermag, dass ich helfe, wo Hilfe nötig ist.

Mein Nächster ist immer der, der gerade meiner bedarf. Da brauchen wir nicht lange suchen oder bis Weihnachten oder Ostern zu warten.

 

Noch etwas ist mir in letzter Zeit sympathisch und bedeutsam geworden bei dieser Geschichte vom barmherzigen Samariter. Beispielhaft und beeindruckend finde ich nämlich nicht nur, was der Samariter tut, sondern auch was er bleiben lässt:

  • Er lässt sich von seiner Reise nicht abhalten. Er unterbricht sie. Er leistet erste Hilfe. Er tut, was er tun kann. Dann setzt er seinen Weg aber auch fort.

  • Er hält sich nicht für den einzigen, der wirklich helfen kann. Nachdem die akute Not gelindert ist, bringt er den Verwundeten in eine Herberge und betraut einen anderen mit der Pflege, der besser und langfristig helfen kann.

  • Er gibt Geld für die weitere Betreuung, reist dann aber ab und verspricht auf der Rückreise rein zu schauen, sich nach dem Befinden zu erkundigen und gegebenenfalls mehr zu geben.

Es geht um das Wahrnehmen der eigenen Grenzen und Möglichkeiten. Jemand hat mir einmal gesagt:

„Tu, was du kannst, mit dem, was du hast, dort, wo du bist.“

Das ist es. Nicht mehr, und nicht weniger. Ich fand das sehr hilfreich. Auch das gehört zum: „Geh hin und handle genauso!“

 

Amen

 

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