Exerzitien mit P. Pius

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Nachfolger, nicht Mitläufer

(23. Sonntag - Lesejahr C; Lk 14, 25 - 33)

 

Nicht wahr, liebe Schwestern und Brüder, das ist heute wieder einmal ein Evangelium, bei dem es uns schwer fällt, auf den Ruf „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus“ mit „Dank sei Gott“ zu antworten und dann auch noch ein frohes „Halleluja“ zu singen.

Was mutet Jesus uns da zu?

 

  • „Wer nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet“, (wörtlich heißt es sogar „hasst“), „der kann nicht mein Jünger sein.“

  • „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“

  • „Wer nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet, der kann nicht mein Jünger sein.“

Jünger und Jüngerin Jesu möchten wir doch alle sein, nicht wahr?

Aber wer hat angesichts der radikalen Forderungen, die Jesu im heutigen Evangelium stellt, überhaupt eine Chance, Jünger und Jüngerin zu sein bzw. es zu werden?

Legt Jesus die Messlatte für Jüngerschaft nicht wahnsinnig hoch, für uns zu hoch?

 

Bei aller Liebe und bei allem guten Willen!

Wer kann diesem ungeheuren und kompromisslosen Anspruch, den Jesus stellt, auch nur einigermaßen gerecht werden?

Geht das nicht über unsere Kräfte?

 

Wer darf sich da noch mit gutem Gewissen „Christ“ nennen?

Ja, ist das überhaupt umsetzbar, machbar und lebbar?

Widerspricht das, was Jesus hier verlangt, nicht elementarsten menschlichen Gefühlen?

 

Will er z.B. tatsächlich, dass wir die Eltern und Geschwister, einschließlich uns selbst, ablehnen, um seine Jünger sein zu können?

Hat Jesus nicht selbst den auferweckten Jüngling von Nain seiner Mutter zurückgegeben (Lk 7, 15)?

Hat er nicht selbst dem Besessenen von Gerasa nach seiner Heilung befohlen, in sein Haus zurückzukehren (Lk 8, 39)?

Und hat er nicht dem Gesetzeslehrer, die Liebe, auch die Liebe zu sich selbst, als Weisung zum Leben bestätigt (Lk 10, 27 - 28)?

 

Wie also umgehen mit diesem Evangelium, das uns hoffnungslos zu überfordern scheint?

 

Meines Erachtens kann uns der Zusammenhang, in dem der Text steht, den Weg weisen und uns Hilfe zum Verständnis sein.

Es heißt da: „Viele Menschen begleiteten Jesus.“

 

Jesus hat eine Menge Anhänger, Bewunderer. Heute würden wir sagen: Sympathisanten, Fans.

 

Aber sind sie auch seine Jünger? Ist es ihnen Ernst mit der Nachfolge, die auch immer Kreuzesnachfolge sein und werden kann?

Oder ist die Bewunderung und Begeisterung der vielen, die mit Jesus gehen, nur Strohfeuer, ein Strohfeuer, das schnell verlischt, wenn es ernst wird, wenn sich Nachfolge unter Umständen zur Kreuzesnachfolge wandelt?

 

Jesus schont die vielen nicht, die ihn begleiten.

Die Menge der Leute ist ihm eher Anlass, beängstigend deutlich zu werden.

Er möchte nicht, dass Menschen sich Illusionen hingeben.

Darum sagt er unverblümt: Nachfolge bedeutet nicht, in der Menge mitzulaufen.

Jesus nachfolgen, sich ihm anschließen, den Weg mit ihm gehen, das ist kein Spaziergang.

Jesus nachfolgen das bedeutet vielmehr, sich von Gott in Besitz nehmen zu lassen, und zwar mehr als von allen und allem anderen!

 

Liebe Mitchristen!

Eine ähnliche Situation erlebten die frühchristlichen Gemeinden, an die Lukas sein Evangelium richtet.

Einerseits breitete sich das Christentum aus, die Gemeinden wuchsen, die Zahl der Christen nahm ständig zu.

Andererseits war das Martyrium stets eine drohende Realität.

Sowohl in der Situation der frühen Christen als auch in der Situation, in der viele Menschen Jesus begleiteten, ist eines gefordert, nämlich Entschiedenheit.

Nicht nur Mitläufertum, sondern klares Bekenntnis, treues Stehen zu Jesus, mit allen Konsequenzen, die da heißen können Kreuz und Martyrium.

 

Jede Entscheidung aber braucht zuvor nüchterne Prüfung, ein genaues Abwägen und gutes Kalkulieren.

 

Und genau darum geht es in den beiden Gleichnissen, die Jesu erzählt:

von einen Mann, der vorhat, einen Turm zu bauen und von einem König, der gegen einen anderen in den Krieg ziehen will.

Es gilt sorgfältig zu prüfen und die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.

 

Reichen die Mittel? Reichen die Kräfte?

Kann ich den „Turmbau“ wagen? Kann ich den „Feldzug“ riskieren?

Ruhig überlegen, sachlich prüfen einerseits, dann aber auch, sich klar entscheiden andererseits.

Und das hat immer auch mit Loslassen und mit Prioritäten-Setzen zu tun.

 

Um eindeutige Prioritäten geht es Jesus auch heute im Evangelium.

Nichts ist in seinen Augen so wichtig wie das Reich Gottes.

Dieses gilt es zuerst und vor allem zu suchen.

 

Erstwichtig ist Gott.

Und die Nachfolge Jesu gilt es allem anderen vorzuziehen:

dem Besitz, den Familienbindungen, den Sicherungen des Lebens…

Jünger sind eben „Nachfolger“ und nicht nur Mitläufer und Sympathisanten.

Jesus will nicht nur Bewunderer, sondern Nachfolger. Er will den Menschen ganz.

Ein bisschen nachfolgen oder eine bequeme „Schaun-mer-mal“ Einstellung ist zu wenig.

Ganz oder gar nicht, vor diese Wahl stellt uns Jesus heute.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Härte des Anspruchs bleibt. Glattbügeln lässt sich dieses Evangelium nicht. Gott sei Dank!

 

Jesu Wort ist und bleibt ein unbequemes, ein herausforderndes.

Es erschöpft sich nicht darin, unser Leben zu verzieren.

Es stellt vielmehr Fragen an unseren Lebernstil, an unsere Einsatzbereitschaft, an unseren Bekennermut, an unsere Treue.

Und es stellt uns in Frage in unsere Trägheit, in unseren Hang zur Bequemlichkeit, in unsere Ängstlichkeit und in unsere Menschenfurcht.

 

Auch ich muss mich fragen und jede und jeder von uns:

  • Wonach richte ich mein Leben aus?

  • Wo und wie setze ich die Prioritäten?

  • Welchen Stellenwert hat Gott in meinem Leben?

  • Hat er bei mir das Sagen?

  • Gebe ich seinem Willen Vorfahrt?

Und was mein Weg mit Jesus betrifft, meine Jüngerschaft:

  • Stehe ich wirklich in seiner Nachfolge mit allem, was dazu gehört?

  • Bin ich ernsthaft und in der Tat Jünger und Jüngerin Jesu? Oder bin ich doch bloß mehr Mitläufer, Sympathisant, Bewunderer?

Lasse ich mich wirklich ganz und ohne Vorbehalt auf Jesus ein?

Ist mein Glaube nur Sonntagsglaube oder prägt er auch meinen Alltag?

Wie viel meiner Energie investiere ich in Dinge, die mich von dem, wozu Jesus mich ruft, ablenken?

Heiße ich nur Christ oder bin ich es wirklich?

Merkt man etwas von meinem Christsein in der Familie, in der Nachbarschaft, im Verein, am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit?

Welche Werte leiten mich in meinen Alltagsentscheidungen?

 

Nicht auf jeden Topf passt ein Deckel. Nicht jede Predigt braucht ein „Amen“.

Lassen wir einfach dieses Evangelium in seiner ganzen Ernsthaftigkeit und Härte auf uns wirken.

Lassen wir uns von den Predigtgedanken zur Besinnung anregen!

Und nehmen wir die Impulsfragen, als Anstoß, um zu schauen und wahrzunehmen, wie mein Christsein aussieht und wie es um meine „Nachfolge Jesu“ bestellt ist.

Vielleicht ist auch Umkehr gefordert, wenn ich erkenne, wo ich mich wieder mehr, konsequenter, radikaler nach dem Wort und Beispiel Jesu ausrichten sollte.

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