Exerzitien mit P. Pius

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Nachfolge ohne Wenn und Aber

(13. Sonntag - Lesejahr C; Lk 9, 51 - 62)

 

Wer das Evangelium dieses Sonntags ohne Bauchschmerzen liest oder hört, muss ein dickes Fell haben.

Wie Jesus da mit drei Männern umgeht, die ihm nachfolgen wollen oder sollen, ist schon sehr eigenartig, anstößig, ja geradezu erschreckend hart, um nicht zu sagen rigoros und kompromisslos.

 

Doch zunächst verhält sich Jesus noch ganz so, wie wir ihn kennen und es von ihm erwarten: nämlich duldsam, friedlich und gelassen.

Ein samaritisches Dorf will ihn und die Seinen nicht aufnehmen. Juden und Samariter standen sich feindlich gegenüber. Man verweigert ihnen die Gastfreundschaft, weil sie auf dem Weg sind nach Jerusalem.

 

Da sind es Jakobus und Johannes, die – wegen ihres aufbrausenden und ungestümen Wesens – auch „Donnersöhne“ genannt werden, die voll Wut am liebsten Feuer vom Himmel fallen lassen würden, um dieses Dorf samt seinen Einwohnern zu vernichten.

Doch Jesus weist die beiden scharf zurecht. Das feurige Dreinschlagen und der kurze Prozess, sich rächen und vergelten, sind nicht seine Sache.

 

Haben auch die Propheten, z. B. Elija, Gewaltanwendung nicht gescheut, der Weg Jesu ist ein anderer.

Der Menschensohn ist nicht gekommen, um zu strafen und zu vernichten, sondern um aufzurichten und zu retten.

„Selig“ nennt Jesus in der Bergpredigt diejenigen, „die keine Gewalt anwenden.“

 

So gelassen und tolerant Jesus im ersten Teil des Evangeliums hinsichtlich der feindselig gesinnten Samariter reagiert, so fordernd und radikal zeigt er sich im zweiten Teil des Evangeliums, wo es um „Nachfolge“ geht.

 

An drei Beispielen wird das im heutigen Evangelium deutlich:

Da ist als erster ein Mann, der von sich aus Jesus folgen will.

Er ist bereit mit Jesus zu gehen, wohin auch immer.

Ein hochherziges Angebot von einem, der hochmotiviert ist.

 

Nun geschieht das Sonderbare: Jesus freut sich nicht über so viel Idealismus und Bereitschaft, sondern antwortet ernüchternd: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“

Jesu Antwort impliziert die Frage: Kannst du das, willst du das: ganz einfach leben, ohne Komfort, arm, heimatlos, ständig auf Achse?

 

Nachfolge Christi ist keine Traumreise und kein Spaziergang. Nachfolge Christi ist nichts für Warmduscher und First-Class-Bucher. Von wegen Gemütlichkeit, Wellness, 5 Sterne Hotel.

Wir sind nur Gast auf Erden. Wir sind Pilger. Unsere Heimat ist im Himmel. Das vergessen wir oft, machen uns sesshaft, richten uns ein und halten fest.

 

Den zweiten Mann fordert Jesus selbst auf, ihm zu folgen.

Dieser ist auch bereit, bittet aber um Aufschub. Er würde vorher gern noch seinen Vater begraben.

Keine Nebensache, vielmehr eine sittliche Pflicht im Judentum damals, und auch heute noch ein Werk der Barmherzigkeit. Wer von uns hätte da nicht Verständnis?

Jesus jedoch duldet kein Zögern, kein „Aber“ und kein „Erst noch“.

„Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“

Nicht wahr, da muss man schon schlucken, wenn man das hört!

Aber Jesus geht es nicht darum, menschliche Pietät in Frage zu stellen. Ihm geht es darum, klar zu machen, was Priorität hat.

Wer sich auf Jesus einlässt, der darf ihm nichts anderes vorziehen.

Wer mit dem Reich Gottes zu tun haben will, der darf nicht geteilt sein. Zu meinen „erst mal die Sachen erledigen, die mir wichtig sind, dann vielleicht, schaun´ wir mal…“ Das geht in Jesu Augen nicht. Das wird nichts. Diese Einstellung taugt nicht.

„Sucht zuerst das Reich Gottes“, sagt Jesus an anderer Stelle.

Der Apostel Paulus wird später von sich sagen: „Seinetwegen (um Jesu willen) habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein….Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt. Das Ziel vor Augen jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Jesus Christus schenkt.“ (Phil 3, 8.13 - 14)

 

Ein dritter Mann erklärt sich wiederum von sich aus bereit, in die Nachfolge Jesu einzutreten. Zuerst aber will er noch von seiner Familie Abschied nehmen. Verständlich, oder?

Doch auch hier ist Jesus unnachgiebig. „Keiner, der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, taugt für das Reich Gottes.“

 

Jesus erwartet eine Nachfolge ohne Wenn und Aber, keine Halbheiten, ganz oder gar nicht.

Er fordert von denen, die seinen Weg mitgehen wollen Entschiedenheit, so wie er selbst seinen Weg hinauf nach Jerusalem entschlossen in den Blick nimmt und ihn entschieden geht (siehe Lk 9, 51), obwohl dort Leid, Kreuz und Tod auf ihn warten.

 

Wie die drei Männer aus dem Evangelium reagiert haben, was sie gemacht und wie sie sich verhalten haben, wird nicht überliefert.

Haben sie es gewagt, alles auf eine Karte zu setzten, sich ganz und ohne Vorbehalt auf Jesus einzulassen, oder doch nicht? War anderes für sie vorrangig, dringlicher, wichtiger? Wir wissen es nicht.

 

Jedenfalls, liebe Schwestern und Brüder, die Berufungsworte Jesu im Evangelium klingen eher wie Jünger-abweisungs-sprüche, denn als Einladung und Werbung. Und man kann schon fragen: Ist das noch der gütige, verständnisvolle und barmherzige Heiland?

Warum hat Jesus gutwillige Menschen derart vor den Kopf gestoßen? Stehen seine radikal erscheinenden Forderungen nicht im Widerspruch zu dem Jesus, wie wir ihn kennen, der das geknickte Rohr nicht bricht und den klimmenden Docht nicht auslöscht und der wie ein gütiger Arzt Verständnis hat für die Armen und Kranken und ein Herz für die Ausgestoßenen und die Sünder?

 

Seien wir ehrlich: Die Worte Jesu, seine Bedingungen für die Nachfolge, die Radikalität seiner Forderungen machen uns zu schaffen. Und es ist auch nicht damit getan, ihren Geltungsbereich einzuschränken z: B. auf die Wandermissionare in der frühen Kirche, die Wüstenväter im 3. und 4. Jahrhundert, oder Mönche und Nonnen heute.

 

Es ist wohl kein Zufall, dass bei den Berufungsszenen weder Ort, noch Zeit, noch Namen genannt werden. Es geht also nicht um „damals“, sondern darum, heute die Hindernisse zu erkennen, die der Nachfolge Jesu im Weg stehen.

 

Wer Jesus nachfolgt – und dazu sind wir alle berufen – dem wird einiges zugemutet, aber auch viel zugetraut.

Jesus verspricht dem, der ihm nachfolgt, kein gemachtes, warmes Nest, sprich Sicherheit und Geborgenheit.

Er verlangt, sich gegebenenfalls aus allen Bindungen herausrufen zu lassen, loslassen zu können, nicht an Vergangenem zu hängen, sondern entschieden nach vorn, in die Zukunft zu schauen.

Da relativiert sich alles. Da verlieren selbst die heiligsten Bindungen und Verpflichtungen, etwa der Familie gegenüber, ihre Bedeutung.

 

Damit gibt Jesus auch uns drei wichtige Kriterien des Christsein in die Hand: Loslassen-Können, Entschiedenheit und radikales Vertrauen.

 

Gewiss ruft uns Gott nicht jeden Tag zu „Großtaten“ der Nachfolge auf. Wohl aber ruft er uns immer wieder auf, nach seinem Willen zu fragen und je nach Situation und so gut wir können, ihn zu erfüllen.

 

So gesehen kann auch Christsein im Alltag, wenn wir es ernst nehmen und auf Gottes Wort wirklich hören und es in der Tat befolgen, wenn wir Jesu Beispiel konsequent nachahmen und seinen Weg entschieden mitgehen, manche Überwindung kosten, manchen Verzicht, manches Opfer.

Wer Jesus nachfolgen will, muss mehr und mehr darauf verzichten, bürgerlich zu denken und zu hoffen. Er muss lernen gegen den Strom zu schwimmen und sein Fähnchen nicht in den Wind zu hängen.

Wer in die Nachfolge Jesu eintreten und Jünger und Jüngerin werden möchte, muss sich klar werden, worauf er und sie sich einlässt, dass es letztlich um alles oder nichts geht.

 

„Ein bisschen Nachfolge“ – gewissermaßen auf Probe – Nachfolge mit tausend Wenn und Aber, mit allen möglichen und unmöglichen Ausflüchten, das geht nicht. Jedenfalls ist das nicht im Sinne Jesu wie ihn das Evangelium uns zeigt.

 

Nachfolge Christi gibt es nicht zum Nulltarif.

Nachfolge Christi ist immer auch mit Prüfungen verbunden. Nachfolge Christi ist immer auch Kreuzesnachfolge, bewusster und entschlossener Weg nach Jerusalem.

Die Frage ist, ob auch wir uns dazu entschließen können?

Wie ernst ist es mir damit, Jesus nachzufolgen?

Wie ernst ist es mir mit dem Hören und Befolgen seines Wortes?

Wie ernst ist es mir mit dem Leben nach seinem Beispiel?

 

Frage ich in allen Entscheidungen nach dem Willen Gottes?

Wo gehe ich doch eher den bequemen Weg, die breite Straße?

Wo bedarf es bei mir der Umkehr aus Gleichgültigkeit und Mittelmäßigkeit, aus Oberflächlichkeit und Halbheit?

Was sollte oder müsste ich im Schauen auf Jesus, im Gehen seines Weges und in der Treue zu seinen Weisungen aufgeben, lassen, loslassen? Wo Prioritäten setzen?

Stehen wir nicht immer wieder in der Gefahr, im Alltag mit all seinen Sorgen und Mühen auf- bzw. unterzugehen und das eine Notwendige hintanzustellen, es zu vernachlässigen oder gar ganz zu vergessen?

 

Das sind Fragen, die täglich neu zu beantworten sind, ein ganzes Leben lang, um in SEINER Spur zu bleiben, um IHM immer ähnlicher zu werden und immer mehr wie ER und mit IHM zu leben.

 

Gott gebe uns Kraft und Mut zu einer großherzigen, vorbehaltlosen und vertrauensvollen Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus, der uns geliebt und sich für uns hingegeben hat. Seine unbegreifliche Liebe und Hingabe feiern wir in jeder hl. Messe.

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