Exerzitien mit P. Pius

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Macht über den Tod

(10. Sonntag - Lesejahr C; Lk 7, 11 - 17)

 

„Was ist für Sie das größte Unglück?“ So heißt es in einem Fragebogen, den das Wochenendmagazin einer großen Tageszeitung jeweils von einer prominenten Persönlichkeit ausfüllen lässt.

Eine der beeindruckensten Antworten lautete: „Wenn ich am Grab eines meiner Kinder stehen müsste.“

 

Es kann für liebende Eltern wohl kaum ein größeres Unglück geben, als ein Kind durch den Tod zu verlieren.

Psychologen sagen, dass Eltern dann den ärgsten Verlust, den stärksten Abschiedsschmerz erleiden, den man sich vorstellen kann.

 

Aber immer wieder gehen Eltern hinter dem Sarg eines ihrer Kinder her.

Wie oft hat sich diese Szene im Laufe der Jahrhunderte wiederholt!

 

Vom Tod eines Kindes erzählen heute auch die erste Lesung und das Evangelium. Beide Male handelt es sich um den Sohn einer Witwe. Beide Male wird der junge Mann aber auch von den Toten erweckt.

In der Lesung geschieht dies durch den Propheten Elija. Im Evangelium ist es Jesus, der den verstorbenen Sohn wieder zum Leben ruft.

 

In biblischer Zeit waren Söhne zuständig, sich um ihre Mutter zu kümmern, wenn der Vater verstorben war.

Witwen gehörten zusammen mit den Waisen zu den am meisten benachteiligten und schutzlosen Bevölkerungsschichten.

Wenn der einzige Sohn einer Witwe starb, so bedeutete das für eine Frau in einer Zeit, wo es noch keine Versicherungen, Rente und dergleichen gab, Leben in großer Armut; Leben am Rande der Gesellschaft, Leben ohne Hoffnung auf Versorgung im Alter, geschweige denn auf Nachkommenschaft.

 

Einer Witwe entreißt der Tod ihren einzigen Sohn und stürzt sie ins Elend. Auf eine solche Situation stößt Jesus in Nain.

Dort geleitet man den Toten bereits zum Grab.

Während er aus der Stadt herausgetragen wird, geht Jesus in die Stadt hinein.

Am Stadttor begegnen einander der Zug des Todes und der Zug des Lebens.

Letzterer wird angeführt von Jesus, dem Botschafter des Lebens.

 

Als Jesus die Mutter sieht, bleibt er stehen und tritt näher.

„Er hatte Mitleid mit ihr“, sagt der Evangelist.

Diese Feststellung lässt uns in das Herz Jesu schauen.

Er ist keiner, den das Schicksal anderer kalt lässt. Er ist keiner, der an Unglück und Leid vorbeigeht. Er ist keiner der Hartgesottenen und Abgebrühten, die nichts an sich herankommen lassen und an denen alles abprallt.

Jesus hat Mitleid mit der Witwe. Er erbarmt sich ihrer. Er hilft ihr.

Er erweckt ihren Sohn zum Leben und gibt ihn der trauernden Mutter zurück.

 

Wie viele Väter und Mütter haben wohl schon ersehnt, das möge für sie selbst hier und jetzt Wirklichkeit werden?

Wie viele Mütter haben wohl schon davon geträumt, Jesus käme auch zu ihnen, um ihr Kind wieder zum Leben zu erwecken?

Oder sie haben bitter gefragt: Warum hilfst du mir nicht? Warum machst du mein Kind nicht wieder lebendig?

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn es in der Geschichte von Nain nur um die Erweckung des Toten an dem Stadttor ginge, könnte man sie beiseiteschieben.

Sie wäre „ein Tropfen auf einen heißen Stein“ im Kampf um den Tod. Der junge Mann von Nain musste früher oder später doch wieder sterben, genauso wir die Tochter des Jairus und Jesu Freund Lazarus.

 

Worum geht es eigentlich in diesen Erzählungen?

Mir fällt auf, dass Jesus bei der Totenerweckung des jungen Mannes von Nain kaum redet.

Es sind nur zwei kurze Sätze: „Weine nicht!“ Und: „Steh auf!“

 

„Weine nicht!“ Das ist nicht so sehr ein Befehl und schon gar nicht ein Tadel, sondern echtes Anteilnehmen.

Jesus sieht die Trauer dieser Frau. Er lässt sich von ihrer Not im Innersten treffen.

Er lässt sich von ihrem Kummer berühren. Erbarmen überwältigt ihn.

 

„Weine nicht!“ – Klingt in diesem Wort nicht auf, was im letzten Buch der Bibel steht? „Er (Gott) wird alle Tränen von ihren Augen wischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal…Seht, ich mache alles neu.“

 

Das zweite Wort Jesu gilt direkt dem Toten. Es ist ein Machtwort:

„Steh auf!“ Jesus zeigt seine Macht. Er hat Macht auch über den Tod.

 

Jesus selbst erstand zu neuem, unvergänglichem Leben.

Durch seinen Tod hat er den Tod überwunden.

Christus ist Sieger über Sünde, Grab und Tod.

Wer an ihn glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

Denn ER ist die Auferstehung und das Leben!

ER ist der eigentliche Grund unserer Hoffnung.

 

Der Glaube bleibt uns allerdings nicht erspart.

Aber wir glauben nicht ohne Anhaltspunkte, ohne Hinweise.

 

Die biblischen Totenerweckungen sind Zeichen dafür, dass Gott ein Gott des Mitleids ist, des Erbarmens – und ein Gott des Lebens, ein Gott, der will, dass wir das Leben haben.

 

In der Auferweckung des Gekreuzigten hat Gott sich endgültig als Gott des Lebens offenbart.

Er schenkt uns ein Leben, das größer ist als unser irdisches Leben.

Diesem neuen und ewigen Leben gilt im Credo, das wir gleich beten, das letzte Wort.

 

Lasst uns daraus und aus der Mitfeier der Eucharistie, der Feier des Todes und der Auferstehung Jesu, Kraft und Mut, Hoffnung und Zuversicht schöpfen!

 

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