Exerzitien mit P. Pius

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Sinnen, was Gott will

(24. Sonntag - Lesejahr B, Mk 8, 27 - 35)

 

Petrus bringt’s auf den Punkt. Er trifft ins Schwarze: „Du bist der Messias.“

Prima! Goldrichtig! Vielleicht haben ihm die anderen anerkennend auf die Schulter geklopft.

 

Doch schon im nächsten Augenblick nennt Jesus diesen Petrus „Satan“, also Widersacher, Feind Gottes.

Welch krasser Gegensatz!

 

„Satan“, das ist alles andere als ein Kosename. das ist ein schlimmes Schimpfwort, eine schroffe Zurechtweisung!

Und statt Lob erhält Petrus einen Maulkorb, ein Redeverbot.

Wie kommt es zu dieser harten und scharfen Reaktion Jesu?

Petrus hat es doch gut gemeint, oder?

 

Sehen Sie: Gleich nach dem großartigen Messiasbekenntnis des Petrus beginnt Jesus aufzuzeigen, wie sein Schicksal aussehen wird.

Er spricht von seinem Leiden und Sterben, das ihn in Jerusalem erwartet. Sein Weg führt in die Erniedrigung und in den Tod.

 

Für Petrus ist dieser Gedanke unerträglich, völlig inakzeptabel, ja eine Zumutung.

So hat er sein Messiasbekenntnis nicht verstanden.

Und darum nimmt er Jesus beiseite und macht ihm Vorwürfe.

 

„Messias“ heißt für Petrus Macht, nicht Ohnmacht; Sieger und nicht Verlierer; Herrschaft und nicht Leiden; Erfolg und nicht Scheitern.

In seinem Bild vom Messias hat das Kreuz keinen Platz.

Dass der Messias leiden muss, das ist für ihn unvorstellbar. Das kann nicht sein, das darf nicht sein!

Petrus hat ganz andere Erwartungen an den Messias.

Ein leidender Messias ist für ihn absolut unfassbar. Der passt nicht in sein Konzept.

 

Doch Jesus hat bereits seine Passion im Blick.

Er sieht: sein Weg führt hinauf nach Jerusalem, jedoch nicht auf die Königsburg auf dem Zion, sondern nach Golgatha.

 

Petrus missversteht die wahre Sendung Jesu. Er liegt sozusagen völlig daneben.

Er hat nicht im Sinn, Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Er denkt ganz in menschlichen Maßstäben und Kategorien.

Und wenn er Jesus von seinem Weg abbringen und ihn daran hindern will, der Passion entgegen zu gehen, dann ist das für Jesus eine teuflische Versuchung, dann tritt Petrus als „Satan“ an ihn heran, als einer, der täuscht und in die Irre führt.

 

Schon einmal hat der Teufel versucht, Jesus von seiner Sendung abzubringen, in der Wüste, nach seinem 40-tägigen Fasten.

Die letzte teuflische Versuchung tritt an Jesus am Kreuz heran, wo die Spötter rufen:

„Wenn du der Messias bist, dann steig herab vom Kreuz.“

Das wäre die Sensation gewesen. Jesus tat es nicht.

Er blieb. Er hielt aus. Er hielt durch bis zum Ende.

Er bewahrte die Gleichförmigkeit mit dem Willen des Vaters.

Auch jetzt widersteht Jesus dem Petrus gegenüber in dieser – für ihn – teuflischen Versuchung.

 

„Ich komme, um deinen Willen zu erfüllen“, so steht es groß über dem Leben Jesu.

Immer war es seine Speise den Willen des Vaters zu tun.

 

Petrus jedoch muss sich sagen lassen, dass er nicht denkt, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Es bleibt ihm nicht erspart umzusinnen, umzudenken, umzuschwenken auf Gottes Gedanken.

Petrus muss den Weg Jesu und seine wahre Sendung erst noch verstehen lernen.

Ein langer, schmerzlicher Weg des Loslassens steht ihm bevor:

des Loslassens der eigenen Gedanken und Vorstellungen, der eigenen Ziele und Pläne.

Ein Lernprozess, der nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist, sondern – auch bei Petrus – Jahre dauert, ja bis zum Lebensende geht.

Noch im Ölberggarten wird er mit dem Schwert dreinschlagen.

Und „Quo vadis, domine?“ fragt er der Legende zufolge den Herrn, als er am Ende seines Lebens dabei ist, aus Rom zu fliehen und noch einmal vor dem Leiden und dem Kreuz auszuweichen.

 

Liebe Mitchristen!

Das Messiasbekenntnis des Petrus ist das eine, das Messiasschicksal annehmen, ist das andere!

Das äußere Bekenntnis zu Jesus kann leicht sein.

Wie oft und schnell sprechen und bekennen wir:

„Du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste, Jesus Christus!“

Aber der Nachvollzug, das Leben dieses Bekenntnisses im Alltag, das Stehen zu Jesus Christus, das Zeugnis geben vom Glauben, auch wenn es schwierig wird, das Gehen-seines-Weges, das Ihm-Folgen auf seinem Weg und auch sein Schicksal teilen. Wie schwer kann das sein!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich meine, wir sind dem Petrus gar nicht so unähnlich.

Meinen wir nicht auch manchmal genau zu wissen, wie Gott zu sein und zu handeln hat, was sein darf und was nicht?

Versuchen wir nicht auch immer wieder, Gott nach unseren eigenen Vorstellungen zurechtzurücken?

Und zimmern wir uns nicht manchmal einen Glauben, der ganz behaglich und vernünftig ist, ein Wohlfühlglaube, möglichst leicht, möglichst angenehm?

Ist es nicht so, dass wir manchmal auch versuchen, den Herrn – wie Petrus – zur Seite zu ziehen, um ihn für unsere Zwecke zu vereinnahmen?

Ist es nicht so, dass auch wir bisweilen – wie Petrus – dem Herrn entgegentreten, um ihm zu sagen, wo der Spaß aufhört und wo es lang zu gehen hat, anstatt ihm nachzufolgen?

 

Nicht wahr, wir sind gar nicht so viel anders als Petrus.

Auch wir sträuben uns gegen das Leid und scheuen vor dem Kreuz zurück.

Auch wir möchten lieber auf bequemen Wegen zum Ziel gelang.

 

Aber, liebe Mitchristen, es gibt keine heile Welt. Es gibt nicht den Himmel auf Erden.

Ich bin sicher: Auch jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen.

Immer wieder erfahren wir, wie uns etwas gegen den Strich geht, uns zusetzt, uns zu schaffen macht.

Immer wieder erfahren wir, wie unser Leben durch-kreuzt wird.

Immer wieder geraten wir in Krisen, Sackgassen und Dunkelheiten.

 

Es gibt kein Leben ohne Leid.

Es gibt kein Leben ohne Verluste, Verwundungen und Enttäuschungen.

Es gibt keine Leben ohne Schuld, Trauer, Einsamkeit, Krankheit und am Schluss den Tod.

Kein Weg führt daran vorbei. Kein Menschenleben bleibt davor bewahrt.

 

Jesus hat das Leiden nicht gesucht.

Wie sehr war seine Seele am Ölberg erschüttert! Wie sehr litt er Todesängste!

Aber er stellt sich der unausweichlichen Realität des Leidens. Er ist nicht davor geflohen.

„Vater, nimm diesen Kelch von mir, aber nicht wie ich will, sondern wie du willst!“

Auch wir brauchen das Kreuz nicht zu suchen. Wir brauchen uns keines zu zimmern. Es ist einfach da in vielfältiger Form.

 

„Weg mit dir, Satan!“ ruft Jesus Petrus zu. Wörtlich: „Hinter mich!“

Mir nach! Wieder in meine Spur, auf meinen Weg!

Doch Nachfolge Christi, ist kein Spaziergang. Enttäuschungen gehören dazu. So manche Täuschung muss von uns genommen und so mancher Widerstand ausgehalten werden, wenn man Jünger, Jüngerin Jesu sein will.

Man wird von den Menschen nicht verstanden, ja für dumm gehalten und ausgelacht. Das ist keine himmlische Schikane, das liegt in der Natur der Sache, denn Jesus selbst ging ja diesen Weg.

Ihm zu folgen, gelingt immer dann, wenn unser Herz brennt und unsere Sehnsucht glüht.

 

„Hinter mich! Mir nach!“ ruft Jesus auch uns zu.

Dort ist auch unser Platz, der Platz des Jüngers und der Jüngerin Jesu, der Platz in seiner Nachfolge.

Von Kardinal Faulhaber stammt das Wort: „Nah beim Kreuz, ist nah bei Gott!“

Wer das Kreuz seines Lebens bewusst annimmt, es tapfer und geduldig trägt, für den wird es zur Brücke des Lebens.

 

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