Exerzitien mit P. Pius

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Selbst wachsende Saat

(11. Sonntag - Lesejahr B)

 

Da war einer kräftig tätig; fest hat er geschafft, sich arg geplagt:

  • Der Mann hat den Acker gründlich aufgebrochen, umgegraben, gepflügt und geeggt, um dem Samen einen guten Boden zu bereiten

  • Sorgfältig hat er den Samen ausgesucht

  • Vielleicht hat er dann tagelang das Wetter beobachtet, um den richtigen Tag für die Aussaat zu finden

  • Und schließlich ging er über den Acker und warf den Samen in die Erde

Bis der Samen in den Boden fällt ist viel Arbeit getan worden,

Arbeitet, die Kraft und Zeit und Liebe gekostet hat.

 

Das kenne ich. Und wir alle kennen das irgendwoher, nicht wahr?

Ich habe mich angestrengt, habe die Sache gut und gründlich vorbereitet, habe mir beim Tun und Ausführen alle Mühe gege­ben, habe viel Kraft und Zeit investiert, war voll engagiert und ganz konzentriert – von nichts kommt nichts; und es wird einem nichts geschenkt –

  • Sei es, dass es um eine Beziehung geht

  • Um einen Einkehrtag oder Exerzitien

  • Um Predigt, Vortrag, Meditation

  • Arbeit in der Pfarrei, im Verein oder sonst wo

Es hat viel Kraft gekostet. Ich habe mich ganz schön angestrengt.

 

Und dann bin ich gespannt, was daraus wird, wie’s weitergeht.

Ich bin neugierig, was da wohl wachsen mag.

Am liebsten würde ich dann auch noch beim Wachsen helfen. Manchmal täte ich gern ein bisschen nachhelfen, dem anderen auf die Sprünge helfen. Es soll schneller gehen. Ich möchte Erfolg sehen. Es fehlt mir die Ruhe, die Geduld, die Gelassenheit. Ich ertappe mich dabei, wie ich nicht warten kann, wie ich etwas übers Knie brechen möchte.

Oder ich mache mir unnötige Gedanken, Sorgen, kann vielleicht nicht schlafen.

 

Was aber macht der Mann in unserer Geschichte?

Er geht heim und legt sich schlafen. Er lässt Acker Acker sein und die ausgestreute Saat Saat. Er kümmert sich scheinbar nicht mehr darum.

Er konzentriert sich auf das, was ihm gut tut. Und die Nacht bricht herein und es wird wieder Tag, ohne dass der Mann für sein Feld etwas tut.

Und inzwischen keimt und wächst die Saat. Und der Mann weiß nicht, wie das geschieht. „Die Erde bringt von selbst ihre Frucht hervor“, heißt es im Gleichnis Jesu, „zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.“

 

Mir fallen zwei Begriffe ein: „kämpfen“ und „zulassen“

Und ich ahne, dass diese Geschichte, die Jesus da erzählt, nicht nur eine Geschichte von vor 2000 Jahren ist, sondern dass sie ganz aktuell ist, dass sie mit mir und meinem Leben zu tun hat.

Ich kann mich darin wieder finden. Ja noch mehr, ich beginne zu ahnen, dass diese Geschichte wie ein Schlüssel zu gelingendem Leben ist.

„Kämpfen“ und „zulassen“.

Wenn ich andauernd nur kämpfe – um Beziehungen, um Verstan­den-Werden, um Geliebt-Werden, aber nichts und niemandem Zeit lasse, um zu wachsen, dann kann Leben nicht gelingen. Die Saatkörner haben keine Zeit, zu keimen, aufzugehen und zu wachsen.

Ich soll das Meine tun, alles, was möglich ist, mich voll und ganz einsetzen. Aber mein Tun bedarf auch des Ruhen- und Liegen­lassens. Ich darf mich zur Ruhe legen. Und ich kann und darf den anderen Zeit geben, die sie für sich, ihr Wachstum, ihren Prozess brauchen.

Andererseits, nur freundlich an der Seite stehen, die Hände in den Schoß legen, darauf warten, dass sich irgend etwas tut... das geht auch nicht.

Der Boden will umgegraben sein, der Same sorgfältig ausgesucht und ausgesät sein. Es braucht meinen Teil.

Wenn ich aber den getan habe, dann kann ich unbesorgt „in Ruhe lassen“ – mich und die anderen. Und muss es sogar, wenn ich das Zarte, Aufkeimende nicht beim Gedeihen und Wachsen stören will.

Für Jesus ist die selbstwachsende Saat ein Bild für das Reich Gottes, ein Bild für das Kommen und Wachsen der Gottesherr­schaft. Das Reich Gottes kommt nicht ohne das Zutun des Men­schen. Im Bild gesprochen: Irgend jemand muss den Acker umgraben, den Samen aussuchen, das rechte Wetter beachten und vor allem den Samen aussäen. Ohne das geht es nicht.

Andererseits: die Gottesherrschaft ist auch nicht einfach das Produkt unseres Aktionismus und unserer Betriebsamkeit. Sie ist nicht das Ergebnis unserer Mühe und Anstrengung. Sie verdankt sich gerade nicht allein menschlicher Initiative, menschlichem Wollen und Schaffen und Machen und Leisten. Sie ist wesentlich das Werk Gottes, Frucht seiner Gnade und seines Segens.

 

Selbstwachsende Saat: Gibt es die nicht auch in meinem und un­serem Leben, mehr als wir wahrnehmen?

Die Erfahrung des Beschenktwerdens, dass einem etwas unverdient zuteil wird, dass sich einem etwas hinlegt oder dass einem gleichsam etwas „zufällt“, ohne etwas „gemacht“ oder dafür getan zu haben?

  • Wenn z. B. aus einer zufälligen Begegnung eine Beziehung entsteht

  • Wenn uns ein anderer unvermutet seine Freundschaft schenkt

  • Wenn sich zwischen zwei Menschen die Liebe anbahnt

  • Wenn ein Kind gesund zur Welt kommt

Selbstwachsende Saat gibt es im Leben jedes Menschen.

Sie darf nur nicht übersehen und zertreten werden.

 

Ich bewundere und beneide zugleich den Bauer, von dem Jesus erzählt. Ich möchte ihn mir zum Vorbild nehmen, möchte von ihm lernen. Er ist aktiv. Er tut das Seine beim Bereiten des Feldes, beim Säen und Ernten. Das möchte ich auch. Erkennen, was das Meine ist und es engagiert und kraftvoll tun. Dazwischen ist das Leben des Bauern geprägt vom Vertrauen in die Kraft der Erde und des Samens. Und letztlich vertraut er dem Segen des Himmels und dem Wirken und Vollbringen Gottes.

Tu was du kannst, mit dem, was du hast, dort wo du bist.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Vergiss aber nicht: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“

 

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