Exerzitien mit P. Pius

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Was bleibt? - ER, der Kommende!

(33. Sonntag - Lesejahr B; Mk 13, 24 - 32)

 

EVANGELIUM                                                                                                   

Er wird die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen

 

+Aus dem heiligen Evangelium nach Markus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

24In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen;

25die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

26Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.

27Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

28Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.

29Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.

30Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft.

31Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

32Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

 

 

Kein leichtes Evangelium!

Worauf es ankommt: den Sinn der Bilder zu ergründen, die Jesus gebraucht, um uns seine Botschaft zu künden, eine Botschaft voll Ernst und Zuversicht zugleich.

 

Eine kleine Anekdote mag uns den Zugang erleichtern:

Von dem französischen Maler Rene Magritte gibt es ein Bild, auf dem eine wunderschön dargestellte Pfeife zu sehen ist. Darunter steht allerdings zu lesen: „Ceci n’est pas un pipe – Das ist keine Pfeife.“

Im ersten Moment ist man als Betrachter verdutzt und denkt: Hoppla, seh‘ ich nicht richtig. Das ist doch eine Pfeife! Doch dann kommt man dahinter und erkennt: Der Text unter dem Bild hat recht. Das ist tatsächlich keine Pfeife. Stimmt! Das ist ja bloß das Bild einer Pfeife.

Was kann man daraus lernen? Das Abbild nicht für die Wirklichkeit zu halten, sondern zwischen Abbild und Wirklichkeit zu unterscheiden.

 

Im Grunde genommen geht Jesus heute im Evangelium ähnlich vor. Er zeichnet ein Bild vom Ende der Welt. Dann streicht er es durch und sagt: „Vorsicht! Bitte das Bild nicht für die Wirklichkeit halten!“

Trotzdem hat es immer wieder Christen gegeben, die die Aussagen Jesu wortwörtlich genommen haben. Und immer wieder gibt es christliche Gruppen, die aus den Aussagen Jesu über das Ende das genaue Datum des Weltuntergangs vorhersagen, aber regelmäßig auch falsch liegen.

 

Jesus spricht in Bildern und Vorstellungen seiner Zeit.

Wie hätte er auch anders sprechen sollen! Die Vorstellungen von Welt und Kosmos haben sich inzwischen gewaltig verändert. Und darum ist es gut, dass Jesus in Bildern gesprochen hat. Bilder beschreiben keine konkreten Vorgänge. Bilder deuten vielmehr, sie weisen hin und künden an.

Und die Botschaft, die sie künden ist überzeitlich. Sie richtet sich an Menschen aller Zeiten in ihren Ängsten und Sorgen, in ihren Fragen: „Was wird einmal werden aus meinem Leben und dieser Welt?“

 

Die Botschaft, die uns Jesus heute in seinen Bildern sagt, ist eine Vierfache:

 

1.   Welt und Leben sind vergänglich.

Unsere Welt in ihrer jetzigen Gestalt ist nicht ewig. Wider allen Fortschritts- und Machbarkeitswahn steht fest: Die Welt ist nur vorläufig und wird einmal vergehen. Das Ende kommt ganz bestimmt. Aber niemand kann sagen wann. Und das ist das zweite:

 

2.   Das Ende ist nicht errechenbar.

Und weil dem so ist, darum fangt nicht an zu spekulieren! Lauft keinen Scharlatanen nach! Lasst euch nicht ins Bockshorn jagen!

„Der Vater allein weiß den Zeitpunkt“, sagt Jesus. Das genügt. Das Wann, Wo und Wie ist letztlich gar nicht wichtig. Wichtig ist, wach zu sein, aufmerksam, bereit und die Zeichen der Zeit zu erkennen. Und das ist das dritte:

 

3.   Wach und sensibel sein für die Zeichen.

Wie am treibenden Feigenbaum der Sommer abzulesen ist, so sollen wir in Welt und Zeit und in unserem Leben die Zeichen Gottes erspüren. Wir sollen aufmerksam, fühlig und spürig sein, für Veränderungen, für Neues, das kommt.

Jesus ermahnt einmal seine Zeitgenossen: „Das Aussehen von Erde und Himmel wisst ihr zu deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen der Zeit nicht deuten?“

Viele Ereignisse erleben wir. Es kommt darauf an, dass wir sie deuten im Blick auf IHN und in allem mit IHM rechnen. Und das ist das vierte:

 

4.   Glauben an ihn, der kommen wird.

„Himmel und Erde werden vergehen“, sagt Jesus, „aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Und weiter: „Man wird den Menschensohn kommen sehen in großer Macht und Herrlichkeit.“

Nicht es, das Ende, wird kommen, nicht Fatum und Schicksal, sondern ER, der Herr, wird kommen. Das ist Botschaft gegen alle Angst.

Der Menschensohn, der gekommen ist, der in seinem Leben, Sterben und Auferstehen Tod und Untergang überwunden hat. Der Menschensohn, für den wir bereit und offen sein sollen, nicht erst, wenn er endgültig kommt und alles vollendet, sondern der, wie er sagt, ständig „vor der Tür steht und anklopft“, um bei uns und in uns immer mehr anzukommen – in den Ereignissen und Begegnungen des alltäglichen Lebens.

 

So ist für uns als gläubige und auf Gott vertrauende Christen die Botschaft vom Ende nicht schrecklich und Angst einjagend, sondern eine frohe Botschaft, die Zuversicht weckt.

Auf der dunklen Folie des Satzes „Himmel und Erde werden vergehen“ strahlt hell das Bild des Menschensohnes auf, der will, das wir dort bei ihm sind, wo auch er ist, des Menschensohnes, der uns seine liebende Fürsorge zuwendet. Und keine Chaosmacht der Welt kann uns dieser Liebe und Fürsorge entreißen.

 

 

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