Exerzitien mit P. Pius

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Alles geben

(32. Sonntag - Lesejahr B; Mk 12, 41 - 44)

 

Als Bettler verkleidet ging der König eines Landes von Haus zu Haus.

Da traf er einen Mann unterwegs, der einen schweren Sack voll Weizen auf den Schultern trug. Er streckte ihm die bittenden Hände entgegen.

Der Mann stellte den Sack ab, griff mit spitzen Fingern hinein und gab dem Bettler ein Weizenkorn. – Daheim angekommen schüttete er den Weizen aus und fand ein Korn, das funkelte wie Gold. Und es war aus Gold, aus reinem Gold – Da erinnerte er sich an die Begegnung mit dem Bettler und dass er ihm nur ein einziges Körnlein geschenkt hatte.

Er begann zu zittern und weinte: WARUM HATTE ICH NICHT DAS HERZ, ALLES HINZUGEBEN? (nach Rabindranath Tagore)

 

Ganz anders die Witwe im Evangelium heute: Sie hat nicht viel, nur zwei kleine Münzen. Aber sie gibt sie restlos weg. Es waren zwei Münzen. Sie hätte auch nur eine geben können und die andere für sich behalten. Sie gibt alles. - Handelt so jemand nicht unüberlegt und unvernünftig?

 

Man muss wissen: die Frau ist wirklich arm. Sie lebte buchstäblich von der Hand in den Mund. Es gab damals ja keine Witwenrente, keine Altersversicherung, keine Sozialhilfe.

Eine arme Witwe „die noch nicht einmal das Nötigste zum Leben hat“, opfert im Tempel zwei Münzen. - Jesus sieht es. Und das Geschehene ist ihm so wichtig, dass er seine Jünger darauf aufmerksam macht und die kleine Szene zu einer entscheidenden Unterweisung nutzt. „Amen, ich sage euch...“

Er erklärt ihnen, dass die arme Spenderin mehr gegeben habe als alle anderen. Begründung: „Jene haben nur etwas von ihrem Überfluss gegeben. Diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, gab alles, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“

 

Woher weiß Jesus, was die Frau gegeben hat?

Nun, Jesus lehrte in dem Teil des Tempels, wo 13 posaunenförmige Opferstöcke standen. Jeder war für einen eigenen Zweck bestimmt, für Tempelsteuer z.B., für Armenpflege, einer für die Darbringung von Brandopfern usw. Die Leute konnten das Geld aber nicht selbst in den Opferstock werfen, sondern mussten es einem Priester aushändigen. Dabei haben sie den Geldbetrag genannt und den Verwendungszweck angegeben. Erst dann kam das Geld in den Opferstock.

Diskretion war nicht gewährleistet.

 

So konnte Jesus ohne weiteres mitbekommen, was die Frau gegeben hat und wohin ihre Münzen gewandert sind.

 

Was ihn aber in höchstes Staunen versetzt: die Frau gibt alles!

Sie wagt es, nichts mehr in den Händen zu haben. Sie verzichtet auf die letzte Absicherung.

 

Jesus sagt: „Diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen.“

Wie ist dieses „mehr“ zu verstehen? Objektiv hat die Witwe nicht mehr gegeben. Da haben die anderen viel höhere Beträge gespendet.

Aber der Gesinnung nach. Da ist der wahre Wert ihres Opfers gar nicht zu bemessen.

 

Sehen Sie: Jesus geht es hier, wie auch sonst immer um die innere Haltung, die Einstellung. Er schaut tiefer. Er schaut auf das Herz.

Und die Frau ist hochherzig.

Die einen geben ohne mit der Wimper zu zucken viel. Sie können sich’s leisten. Sie geben von ihrem Überfluss. Es tut ihnen kein bisschen weh. Vielleicht schwingt auch noch mit: gesehen und bewundert zu werden. Aber ihr Herz, sie selbst sind nicht in der Gabe.

Ganz anders die arme Witwe. Sie kann nicht aus dem Vollen schöpfen. Ihr Geben ist auch keine Pflichtübung. Sie gibt ihr Letztes, nicht um gesehen zu werden - äußerlich ist ihr Scherflein ja blamabel.

Und doch kommt in ihrem Tun eine ungeheure Radikalität zum Ausdruck. Aber auch eine große Gelassenheit und Unbekümmertheit, über die man nur staunen können.

 

Diese Frau muss ein ganz großes, ein unbändiges Vertrauen auf Gott gehabt haben, auf seine Vorsehung, auf seine Führung. Sie verlässt sich ganz auf Gott und vertraut ihm die Sorge für ihr Leben an.

Die Witwe schenkt und überlässt mit dem letzten Pfennig, den sie gibt, nicht nur ihr ganzes Hab und Gut, sondern sich selbst. Ohne Vorbehalt und mit grenzenlosem Vertrauen gibt sie sich in die Hände Gottes.

Die anderen spenden nur, sie opfert alles frei und ungeteilt. Sie gibt ihr Letztes, weil sie Gott über alles liebt und felsenfest auf seine Güte baut. In ihrer Gabe schenkt sie ihre ganze Existenz.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Vor Gott entscheidet nicht die Größe der Gabe, sondern die Selbstlosigkeit der Liebe; nicht Ab-gabe, sondern Hin-gabe; nicht krampfhaftes An-sich-selbst-Festhalten, sondern die Übereignung des Herzens.

Wahre Frömmigkeit ist Hingabe, ist Sich-Verschenken an Gott.

 

Sehen Sie:

Vor solcher Haltung gerät Jesus ins Staunen:

„Sie opferte alles, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt“

Der Betrag war nicht großartig. Großartig, staunenswert aber der Geist, aus dem heraus das Opfer erwachsen ist. Auf der kleinen Gabe der Witwe liegt der heimliche Glanz einer großen Liebe und eines unendlichen Vertrauens.

Die arme Witwe im Vorhof des Tempels von Jerusalem hat eine Gleichgesinnte, ebenfalls eine Witwe. Die Lesung hat von ihr berichtet: die Witwe von Sarepta. Sie teilte ebenfalls großzügig. Sie gab auch alles her, den letzten Bissen. Und wurde doch nicht im Stich gelassen.

 

Die beiden Witwen sind lebendige Beispiele sorgloser Überlassung und liebenden Gottvertrauens. - So zu vertrauen und so loslassen zu können wie die beiden, so „vertrauens-selig“ (im wahrsten Sinne des Wortes) zu leben, ohne Angst zu kurz zu kommen oder leer auszugehen, das würde unser Leben reich und frei und froh machen mehr als alles gieren und geizen, raffen, neiden und festhalten.

 

Die beiden Witwen erinnern mich an einen Priester, der in die Seelsorge nach Nowosibirsk in Sibirien ging. Auf die Frage, ob denn dort für alles gesorgt sei, antwortete er: „Gott wird sorgen!“

 

Eine andere Geschichte des Vertrauens auf Gott hörte ich von einem Ehepaar: Die Frau erkrankte während der Schwangerschaft an Röteln. Das ungeborene Kind konnte dadurch ernsthaft geschädigt werden. Der Arzt riet zur Abtreibung. Sie jedoch verständigte sich mit ihrem Mann und gemeinsam vertrauten sie sich Gott an. Sie sagten „ja“ zu diesem Kind. Bewusst erklärten sie sich bereit, es auch dann anzunehmen, wenn es behindert sein sollte. Monate bangen Wartens vergingen. Immer wieder rangen sie neu um Vertrauen. Dann kam das Kind gesund zur Welt.

 

Eine Ordensschwester, seit 30 Jahren in der Mission in Brasilien, er­zählte mir bei Exerzitien: Als Studentin in Trier sei sie täglich auch in den Dom gegangen. Immer sei sie an einem Opferstock vorbeigekommen, auf dem stand „Für die Mission“. Geld habe sie keines gehabt. Da hat sie eines Tages auf einen Blatt Papier geschrieben: „Ich komme selbst“, hat das Blatt klein gefaltet und in den Opferstock geworfen.

 

Das ist es: Bei allem, was wir vor Gott tun, müssen wir uns selbst geben, sonst hat alles, was wir tun und sei es noch so viel, keinen Wert.

 

Warum ruht das Augenmerk Jesu auf der armen Witwe? Was entdeckt er an ihr? Wir können noch ein Tiefstes sagen: In ihr trat ihm das Spiegelbild seiner selbst entgegen. Die arme Witwe hat alles gegeben wie er, der Herr, selbst alles gegeben hat aus Liebe. - Der armen Witwe ist jene Ganzhingabe zu eigen, in der Jesus um unserer Erlösung willen sein Leben für uns dahingab. - Bedenken wir: gleich nach dieser kurzen Szene im Tempel beginnt bei Markus die Leidensgeschichte. Die Hingabe der Frau weist hin auf den Jesus der Passion, der sich hingegeben hat für die Vielen und dessen Hingabe wir in jeder Eucharistiefeier gedenken.

 

Im Zusammenhang der Eucharistie sagt Franziskus: „Behaltet nichts von euch für euch selbst zurück, damit euch ganz aufnehme, der sich euch ganz hingibt.!“

„Behaltet nichts von euch für euch selbst zurück!“ Das hat die arme Witwe getan. Sie gab alles. Sie wagte buchstäblich das Letzte und gab sich ganz in die Hand Gottes. Für alle Zeiten ist sie ein Beispiel, eine glaubwürdige Zeugin für jede selbstlose, vertrauensvolle Hingabe an Gott, aber auch eine große Herausforderung, eine Anfrage: Und Du?

 

„In deine Lieb versenken will ich mich ganz hinab, mein Herz will ich dir schenken und alles, was ich habe.“ Singst du das nur so oder meinst du das ernst?

„Gut, Blut und Leben, will ich dir geben, alles, was immer ich hab, was ich bin...“ Ist das dein Ernst? Meinst du das wirklich? Oder sind das nur leere Worte und mit Inbrunst gesungene Versprechungen?

 

Bin Ich bereit, alles loszulassen, um in Sinne des Evangeliums alles von Gott zu erwarten? – Was erwarte ich wirklich von Gott? – Rechne ich überhaupt mit Gott in meinem Alltag? - Glaube ich, dass Gott mich liebt und führt?

  • Möge uns der Herr mir den Glauben der armen Witwe schenkt,

  • der nichts von sich selbst, dafür aber alles von Gott erwartet,

  • Möge uns der Herr die Bereitschaft zur ungeteilten Hingabe schenken, zu wahrer Großmut und echter Großherzigkeit,

  • Möge der Glaube an Gottes Güte und Treue in uns wachsen und unser Vertrauen auf ihn stark und ganz groß werden.

 

Gebet des Nikolaus von Flühe:

Mein Herr und mein Gott,

nimm alles von mir, was mich hindert zu dir!

Mein Herr und mein Gott,

gib alles mir, was mich fördert zu dir!

Mein Herr und mein Gott,

(das folgende sagt sich so leicht, ist aber das allerschwerste)

nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir!

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