Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Jahreskreis A Die ungleichen Söhne

             Was ist neu powered by crawl-it
Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit und Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

Die ungleichen Söhne

(26. Sonntag - Lesejahr A, Mt 21, 28 - 32)

„Richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun aber nicht, was sie sagen.“ – Ein hartes Wort, das Jesus einmal über die Hohenpriester und Ältesten sagt.

Demgegenüber berichtet das Evangelium an einer anderen Stelle, wie Jesus einmal ganz spontan in ein jubelndes Gebet ausbricht:

„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Kleinen aber offenbart hast.“

 

Was für eine eigentümliche Erfahrung muss Jesus gemacht haben, dass er einerseits vor einer ganz bestimmten Menschengruppe warnt und sich andererseits über eine andere Art von Menschen freut!

Jesus hat die Erfahrung gemacht, dass Menschen auf sein Reden und Tun ganz unterschiedlich reagieren.

 

Die „Kleinen“, die Fischer vom See Genesaret, die Hausfrauen von Karfarnaum, die einfachen Leute öffnen sich seinem Wort und folgen seinem Ruf. Selbst die Sünder, die Zöllner und Dirnen, besinnen sich und lassen sich zur Umkehr bewegen. Sie ändern ihr Leben. Sie verwandeln ihr ursprüngliches Nein in ein Ja.

 

Die aber, die von Amts wegen den Willen Gottes aufs genaueste kennen, die Schriftgelehrten und Pharisäer – das ist die andere Erfahrung, die Jesus macht – sie verschließen sich seiner Botschaft. Sie reagieren skeptisch, kritisch, ablehnend.

Warum sollen sie auch umkehren, sie, die meinen, gut zu sein und alles recht zu machen, sie, die überzeugt sind, Gott zu gefal­len? Sie hüten die jüdischen Überlieferungen, sie achten peinlich genau auf die Gebote, sie beobachten alle religiösen Vorschriften. Warum sich ändern? Hat man doch gar nicht nötig. Niemand kann ihnen etwas vorwerfen. Und sie selbst haben sich auch nichts vorzuwerfen. Nichts vermag sie aufzurütteln. Sie verharren unerschütterlich in ihrer Selbstgerechtigkeit.

Und doch ist ihr scheinbar intakter Glaube vielfach nur Fassade; der Gottesdienst äußere Pflichterfüllung, ihre Gebete sind weithin Lippenbekenntnisse und ihren guten Taten stellen sie zur Schau.

 

Zum Herzen dieser Menschen findet Jesus nur schwer oder gar keinen Zugang. Sie selbst machen ihm gegenüber zu, nehmen Anstoß an ihm, ärgern sich über ihn. Vor allem sein Verhalten Dirnen und Zöllnern gegenüber – in ihren Augen ganz schlimme und verwerfliche Sünder – ist ihnen ein Dorn im Auge. Wie kann man sich nur mit solchen Menschen abgeben! Da gilt es, sich abzugrenzen, ganz klar und strikt Distanz zu halten. Aber was tut Jesus? Er isst und trinkt sogar mit ihnen! Mahlgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern! Jesus in schlechter Gesellschaft!

Wer sich mit solchem „Gesindel“ einlässt, kann der ein Prophet sein, kann der von Gott kommen? Unmöglich!

 

Mit dem Gleichnis von den beiden ungleichen Söhnen verteidigt Jesus sein Verhalten den Sündern gegenüber. „Amen, ich sage euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Himmelreich als ihr!“

Nicht lange Reden und Bescheid wissen über die Auslegung der Gebote bis ins Detail hinein ist wichtig und ausschlaggebend, sondern das Tun des Willens Gottes, Umkehr.

„Nicht jeder, der zu mir sagt Herr, Herr kommt in das Himmelreich, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“, sagt Jesu in der Bergpredigt.

Das Ja-Sagen zu Gottes Wort und Gottes Willen genügt nicht. Das Tun ist entscheidend. Die Taten zählen.

Nicht auf gut formulierte Ansichten und Stellungnahmen in religiösen Dingen kommt es an, nicht einmal auf das laute Bekenntnis im Gottesdienst, sondern auf das praktisch und konkret gelebte Christsein im Alltag, auf die Liebe.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir, die wir heute hier sind, haben wohl grundsätzlich „Ja“ zu Gott gesagt. Wir erfüllen unsere religiösen Pflichten, gehen sonntags in die Kirche, gehen zur Kommunion, verrichten unsere täglichen Gebete, halten, wenn möglich, das Freitagsgebot, legen Wert auf den Blasiussegen und das Aschekreuz, machen Wallfahrten, gehen vielleicht auch ab und zu noch zur Beichte usw.

 

Die Frage ist: wie lebendig ist unser Glaube wirklich? Oder ist er – trotz allen äußeren Frömmigkeitsübungen – im Grunde leer und hohl, Gewohnheitsglaube, zur Routine erstarrt?

Gleichen wir jenem Sohn, der zwar „Ja“ sagt, aber den Willen des Vaters dann doch nicht ernst nimmt, der zwar „Ja“ sagt, aber das Ja nicht tut, es nicht umsetzt, es nicht konkret werden lässt?

 

Wir brauchen immer wieder eine Erneuerung, liebe Schwestern und Brüder! Wir brauchen gewissermaßen eine Auffrischung unseres Glaubens.

Jesus ruft uns heute auf, unser müde gewordenes „Ja“ zu Gott wieder lebendig werden zu lassen. Er ruft uns auf, zum ursprünglichen „Ja“ und zur „ersten Liebe“ zurückzukehren.

 

Fragen wir uns zum Beispiel:

  • Ich glaube an Gott. Habe ich auch eine wirklich innere tiefe Verbindung zu ihm? Versuche ich auch tagsüber und bei aller Arbeit in der Gegenwart Gottes zu leben? Kann ich echt und persönlich beten?

  • Ich kenne das Gebot der Nächstenliebe. Liegt mir an meinen Mitmenschen? Kümmere ich mich um sie?

  • Ich bete täglich im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Wie viele Gehässigkeiten und Feindschaften gibt es unter Christen, obwohl sie sonntags nebeneinander in der Kirche sitzen?

  • Meine missionarische Gesinnung. Versuche ich auch in „weltlicher“ Umgebung, z. B. in der Arbeitswelt, den Geist des Evangeliums hineinzutragen?

  • Die Bibel ist für mich Gottes Wort. Lese ich öfter darin? Vor allem: lebe ich auch damit?

Im Gleichnis von den zwei ungleichen Söhnen geht es um Umkehr. Ein Nein zu Gott kann immer wieder umgewandelt werden in ein Ja. Jeder konkrete Schritt, auch der kleinste, durch den wir etwas in unserem Leben zu ändern beginnen, ist wichtiger als lange Reden und Diskussionen.

Doch schieben wir die Umkehr nicht auf die lange Bank. Diese ist bekanntlich des Teufels liebstes Möbelstück.

 

Von Martin Buber ist das Wort überliefert: „Die große Schuld des Menschen, sind nicht die Sünden, die er begeht – die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering –. Die große Schuld des Menschen ist, dass er jederzeit die Umkehr tun kann und nicht tut.“

 

Jeder Tag, liebe Schwestern und Brüder, ist ein neuer Anfang, ein neuer Anfang, unser Nein in ein Ja zu verwandeln, aber nicht nur Ja zu sagen und es dabei zu belassen, sondern das Ja zu tun.

Jeder Tag ist ein neuer Anfang, unser Ja zu leben, es im Alltag aufscheinen und durch konkretes Handeln lebendig werden zu lassen.

   Druckansicht

 

Seitenanfang