Exerzitien mit P. Pius

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Das Gleichnis vom Sämann

(15. Sonntag - Lesejahr A, Mt 13, 1 - 9)

„Umsonst! Die ganze Mühe umsonst!“ - Ein Stoßseufzer, den wir alle kennen.

Da ist eine Mutter: Sie hat sich alle Mühe gegeben, ihren Kindern das Beispiel eines christlichen Lebens zu geben. Jetzt ist die Tochter aus der Kirche ausgetreten. Das tut weh, sehr weh. Und alles reden hilft nichts. Es ist wie gegen eine Wand gesprochen. Die Mutter ist ganz geknickt.

Da ist ein Vater: Wir haben uns alle Mühe gegeben, sagt er, dass aus unseren Kindern etwas Rechtes wird. Jetzt hat einer der Söhne, einen Einbruch begangen. „Was haben wir falsch gemacht“, fragt der Vater? Alle Mühe, alle Sorge scheint umsonst.

Eine Religionslehrerin klagt: Sie bereitet ihren Unterricht gründlich vor. Sie versucht ihn mit allen Mitteln und Methoden abwechslungsreich und interessant zu gestalten. Aber an einigen Schülern scheint alles spurlos vorbei zugehen. Nichts bleibt hängen. Sie stören nur. Steinbrucharbeit, sagt sie, sei es und fragt sich, ob sich der Aufwand lohnt und was für einen Sinn diese Schinderei überhaupt noch macht.

Ein Pfarrer: Vor ein paar Monaten hat er sein 50 jähriges Priesterjubiläum gefeiert, gerät in schwere Depressionen. Ich habe mich abgerackert. Und was ist dabei herausgekommen? Wenn ich zurückblicke, dann kommt mir alles so vergeblich vor. Taufgespräche, Sakramentenkatechese, Gottesdienst und Predigtvorbereitung, Erstkommunion, Firmung, Jugendarbeit, Gemeindeseminare. Aber geht nicht alles immer mehr den Bach hinunter? Die Kirche wird von Jahr zu Jahr leerer. Die Weitergabe des Glau­bens funktioniert nicht. Ist nicht aller Einsatz für die Katz, vergebliche Liebesmühe?

 

Und insgesamt, was Glaube und Kirche betrifft?

Wachsender Glaubensverlust, immer stärkere Entchristlichung der Gesellschaft, immer mehr zerrüttete Ehen, immer ungünstigere Bedingungen für die Einpflanzung des Glaubens. Das religiöse Umfeld fehlt.

Wie reagieren auf diese Zeichen der Zeit?

  • durch Resignation?

  • durch Jammern und Lamentieren?

  • durch dauernde negative Kritik an denen da oben?

  • durch Verschanzen hinter alten Strukturen?

  • durch immer neue Flickschusterei?

  • oder dadurch, dass ich meine Schäfchen ins Trockene bringe? Nach mir die Sintflut?

Sehen Sie, liebe Schwestern und Brüder: In eine solche Situation hinein erzählt Jesus das Gleichnis vom Sämann. Und er erzählt es ungeheuer realistisch. Auch er kannte Umsonsterfahrungen. Das Wort Gottes kommt längst nicht immer an. Im Gegenteil: Es drohen ihm viele Gefahren:

Die einen gleichen einem festgetrampelten Weg. Schon morgen ist alles vergessen. Die anderen sind wie steiniger Boden. Sie waren Feuer und Flamme; doch es war nur ein Strohfeuer. Wieder andere sind wie Gestrüpp. Sie hören zwar, aber ihre Sorgen und die Gier nach Reichtum überwuchert alles. Das Wort Gottes hat keine Chancen. Es stößt auf taube Ohren.

Und ich, ich bin ja selber auch keineswegs nur fruchtbarer Ackerboden, oder? Bin ich nicht selbst manchmal festgetreten, verkrustet, verknöchert, versteinert, widerborstig und mit allem möglichen vollgestopft, so dass Gott und Gottes Wort es sehr schwer hat, anzukommen, sein Ziel zu erreichen, nämlich nicht nur meine Ohren, sondern mein Herz?

Das ist das Schicksal des Jesus von Nazareth und seiner Ver­kündigung gewesen und ist es bis heute, dass sie auch auf stumpfe Herzen und taube Ohren stößt, dass das eine Notwendige hintangestellt oder vergessen wird, überwuchert und verdrängt von all dem, was sich so wichtig gebärdet, uns den Atem raubt und uns im Lärm und der Hektik schwerhörig oder gar taub macht für sein Wort, seinen Ruf, seine Winke und Fingerzeige.

 

Einmal weint Jesus angesichts von Jerusalem: „Wenn doch auch du erkannt hättest, was dir zum Frieden (zum shalom) dient.“

Und als nach seiner Brotrede die Massen abwandern und auch viele seine Jünger sich abwenden, da fragt er die Apostel: „Wollt auch ihr gehen?“

So ist es Jesus ergangen. Ja er hat sogar Hass und Ablehnung am eigenen Leib zu spüren bekommen, selbst in seiner Heimatstadt Nazareth.

Trotzdem gibt er nicht auf. Trotzdem hört er nicht auf zu säen. Denn das Entscheidende ist: Ein Teil der Saat fällt auf guten Bo­den, geht auf und bringt zigfach, ja hundertfach Frucht.

 

Das ist für mich frohe Botschaft, ermutigend, trostreich, stärkend.

Mir imponiert der Sämann, der großzügig und zuversichtlich sät. Freilich mag auch er manchmal bekümmert sein, dass so vieles verschüttet und verloren geht. Aber für das Unkraut kann er nichts. Und für die Dornen auch nicht. Und für die Vögel zwei Mal nicht. Und dafür, dass unter so mancher dünner Erde so harter Stein ist, kann er erst recht nichts. All das nimmt er in Kauf wegen des Saatgutes, das auf gute Erde fällt und Frucht bringt 30, 60, 100fach.

Wenn der Sämann nur auf das Negative schauen würde, bräuchte er erst gar nicht anfangen zu säen. Nur das Negative sehen, das Umsonst, die vergebliche Mühe, das Misslingen, das Scheitern; darauf fixiert sein und dann berechnen und knausern beim Ausstreuen; alles Zurückhalten würde 100fältige Frucht im Keim verderben.

Ich finde dieses Gleichnis ungeheuer ermutigend und Vertrauen erweckend. Es lädt mich ein, nicht im Pessimismus stecken zu bleiben. Es hilft mir, bei allen enttäuschenden Erfahrungen den Kopf nicht in den Sand zu stecken und trotz aller Widrigkeiten nicht aufzugeben.

Die Erziehungsbemühungen, die ins Leere gehen, die missglückte Schulstunde, die so mühevolle und doch scheinbar so wirkungslose Firmvorbereitung und vieles andere, das in unseren Augen umsonst ist, vergebliche Liebesmühe: es ist nicht das letzte Wort Gottes.

Gott hat überraschende Möglichkeiten. Er schreibt auch auf krummen Zeilen gerade. Aber es braucht Geduld und Vertrauen,

 

Jesus hat aus diesem Vertrauen gelebt. Dieses Vertrauen hat ihn beseelt, in seinem Leben, in seiner Predigt vom Reich Gottes, sogar im Tod und über den Tod hinaus.

 

Gibt es nicht auch das, dass Kinder über Umwege und Irrwege wieder zurückfinden vielleicht erst nach Jahrzehnten, wenn sie selber schon wieder Kinder oder Enkelkinder haben?

Gibt es nicht auch die Schulstunden, über die sich eine Lehrerin freuen darf.

Und geschieht nicht in der Kirchengemeinde auch so viel Gutes? Ist da nicht auch so viel Leben, Leben im Geist, Leben aus dem Glauben, Treue im Kleinen, Zeichen der Hoffnung?

Wichtig scheint mir: allem scheinbaren „Umsonst“ zum Trotz, allen Bedenken zum Trotz, allem widersprechenden Anschein zum Trotz zuversichtlich und großmütig immer wieder hinauszugehen und zu säen, zu säen und nochmals säen, unverdrossen, ohne berechnende Hintergedanken, ohne dauerndes Schielen auf den Erfolg in der Trotzkraft des Glaubens. Ja so möchte ich das gerne nennen: Trotzkraft des Glaubens, die auch ein Petrus aufgebracht hat, als er nach einer Nacht des Umsonst und der leeren Hände doch noch einmal hinausgefahren ist und auf Jesu Wort hin die Netze noch einmal ausgeworfen hat. - Ja, es braucht Mut und Vertrauen, aber auch Geduld und Gelassenheit.

 

Paulus sagt einmal ein Wort, das von dem Zwang befreit, alles selber machen zu müssen: „Ich habe gepflanzt, Apollo, ein anderer Missionar hat begossen, Gott aber lässt wachsen.“

Wenn wir das Unsrige tun, dürfen wir alles andere getrost der Sorge Gottes überlassen. Gott hat einen langen Atem. Seine Wege sind nicht unsere Wege. Aber bei Gott ist nichts unmöglich. Er ist der Meister des Unmöglichen.

Paulus sagt im Brief an die Philipper, einem Brief aus dem Gefängnis: „Gott ist es, der in uns das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über unseren guten Willen hinaus.“ Und im gleichen Brief: „Ich vertraue darauf: Der das gute Werk begonnen hat, er wird es auch vollenden!“

Trotz allem Verlust, trotz allem Misslingen und Scheitern, trotz aller Tragik im menschlichen Leben: Am Ende wird eine Ernte stehen, die jedes Maß übersteigt.

Das sagt Jesus den Seinen damals und er sagt es uns, jedem einzelnen und seiner Kirche heute. Und er weiß, wovon er spricht.

An uns ist es, ihm Vertrauen zu schenken und uns anstecken zu lassen von seiner gläubigen Zuversicht. An uns ist es, uns seinem Wort immer wieder zu öffnen und auf sein Wort hin - in der Trotzkraft des Glaubens - immer wieder hinauszufahren und die Netze auszuwerfen bzw. hinauszugehen und - im Vertrauen auf Gott - immer wieder zu säen großmütig, freudig und hingebungsvoll. Am Ende werden wir reich beschenkt.

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