Exerzitien mit P. Pius

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Nicht weit größer

(6. Sonntag im Lesejahr A; Mt 5, 20 - 26)

„Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“

 

„Nicht weit größer…“

Oh je, mögen jetzt manche denken.

Was will Jesus denn noch?

Waren die Schriftgelehrten und Pharisäer nicht absolut Spitze, was die Gesetze und die Gerechtigkeit angeht? Haben sie sich nicht unsäglich viel Mühe gegeben?

Haben sie sich nicht unwahrscheinlich angestrengt

und sich ganz schwer ins Zeug gelegt?

Ist das überhaupt noch zu überbieten?

 

„Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“

Noch mehr? Noch strenger? Noch genauer? Noch enger?

 

Keine Angst, liebe Schwestern und Brüder!

Nicht noch mehr, auch nicht noch strenger, noch penibler, sondern tiefer, innerlicher, radikaler.

„Radikaler“ im Sinne von den Dingen an die Wurzel gehen.

„Radix“, lateinisch, heißt die Wurzel. An die Wurzel, an den Ursprung gehen, dorthin, wo alles anfängt.

 

Jesus will nicht quantitativ mehr, sondern qualitativ.

Ihm kommt es auf die innere Haltung an, auf die Einstellung, auf das Herz.

 

Dann genügt es nicht, mal gerade so die Gebote zu beobachten, vorschriftsmäßig zu leben. Und wenn etwas in den Geboten nicht vorkommt, dann hat man Glück gehabt u. dann kann man machen, was man will, sondern Jesus schaut tiefer.

Reine Buchstabengerechtigkeit, rein äußeres Tun genügt nicht. Rein formale Erfüllung der Gebote ist zu wenig.

 

Zum Beispiel:

Am Leben eines anderen vergehe ich mich nicht erst,

wenn ich jemanden physisch töte.

Mord und Totschlag fängt schon viel früher an:

im Herzen, in den Gedanken und Worten.

 

Wenn sich böse Gedanken breit machen, wenn sich Zorn, Hass und Wut einnisten und festsetzen, wenn ich andere mit Schimpfworten belege: Dummkopf, Idiot, blöde Kuh, Depp, Rindvieh, wenn sich im tiefsten Inneren so viel Aggression breitmacht, dass man einem anderen mit seinen Worten die Würde nimmt, da fängt es bereits an.

 

Deshalb gilt es, den Anfängen zu wehren,

nicht dem Hass Raum zu geben, sondern dem Frieden,

nicht der Rechthaberei, sondern der Barmherzigkeit,

nicht der Vergeltung, sondern der Vergebung.

Nicht erst die äußere Tat macht schuldig, sondern bereits die hassgeprägte Haltung.

 

Einen anderen tötet nicht erst, wer ihm ein Messer in den Bauch stößt, sondern auch, wer ihn z.B. zum Selbstmord treibt, oder wer ihn durch Arbeit zu Tode schindet, oder wer an ihm durch üble Nachrede, böses Geschwätz, Verleumdung und schlimme Gerüchte Rufmord begeht.

 

Wie Recht Jesus hat, verrät unsere Sprache:

Wir sagen z.B.: „Der oder die ist für mich gestorben.“

„Den oder die kann ich auf den Tod nicht leiden.“

„Den mache ich fertig.“ -„Die würde ich am liebsten zum Mond schießen.“ – Da soll einer sagen, diese Redewendungen hätten nichts mit töten zu tun!

 

Nicht noch mehr, nicht noch strenger, sondern tiefer, innerlicher, radikaler.

Es geht nicht darum noch strenger zu werden, sondern gütig und barmherzig zu sein.

Es geht nicht darum, noch mehr zu machen, noch mehr zu leisten, sondern das, was wir sowieso schon tun, mit mehr Liebe tun, mit mehr Achtsamkeit, mit mehr Respekt vor dem anderen.

 

Und dann, liebe Schwestern und Brüder, kommt im Evangelium noch eine spannende Sache, die Szene vor dem Altar mit den Opfergaben:

„Wenn dir einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann lass deine Gabe vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“

 

Es ist interessant, dass Jesus nicht sagt, wenn du etwas gegen deinen Bruder hast, sondern wenn dein Bruder etwas gegen dich hat, dann ist vor dem Opfer, dann ist vor Gebet und Gottesdienst erst Versöhnung dran.

Es genügt also, wenn mein Bruder etwas gegen mich hat.

Ich muss gar nichts gegen ihn haben.

 

Was machen wir jetzt mit unseren Opfergaben, liebe Schwestern und Brüder? – Sollen wir die Messfeier hier abbrechen?

Sollen wir jetzt alle erst nach Hause gehen, in die Nachbarschaft, an den Arbeitsplatz, ins Vereinshaus und uns versöhnen? – Sollen wir die Opfergaben stehen lassen?

Oder sie doch bringen und die hl. Messe weiterfeiern?

 

Nun, ich denke, wir bringen sie.

Wir bringen sie IHM, der uns Versöhnung schenkt.

Wir bringen sie IHM, der unsere Versöhnung geworden ist,

IHM, der uns zu Hilfe kommt in unserer Schwachheit,

IHM, der ergänzen u. vollenden kann, was bei uns noch fehlt.

IHM, der uns erträgt und annimmt – trotz unserer Schuld.

 

Denn „größer als alle Schuld ist deine Liebe“, haben wir gesungen. Und: „Lass uns glauben an deine Liebe, voll Vertrauen kommen zu dir“, zu IHM, der unser Friede ist, unsere Versöhnung und unser Heil.

 

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