Exerzitien mit P. Pius

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Jesus: Das Licht im Dunkeln

(3. Sonntag im Lesejahr A)

Ist das nicht seltsam? Jesus beginnt seine Verkündigung nicht in Jerusalem, der heiligen Stadt seines Volkes, der Hauptstadt, dem Religionszentrum des Landes. Jesus fängt nicht bei der religiösen Elite, den Frommen und Gesetzestreuen in Judäa an. Er beginnt sein öffentliches Auftreten in der Nordwestecke des Landes, in der Provinz Galiläa.

Keine gute Adresse, würden wir heute sagen. Denn Galiläa war nicht nur geographisch Randzone. Die Galiläer galten auch religiös, glaubensmäßig als Randsiedler, als nicht ganz sauber, als halbe Heiden, jüdische Diaspora sozusagen. Sie waren denen in Jerusalem suspekt, wurden von ihnen gering geschätzt, ja sogar verachtet.

 

Wie kommt es zu solchem Argwohn? Das hat mit der wechsel­vollen Geschichte zu tun, die die Menschen in diesem Landstrich erlebt haben:

Im 8. Jahrhundert hatten die Assyrer Galiläa erobert und hielten es besetzt. Viele Bewohner wurden getötet, andere verschleppt.

An ihrer Stelle wurden heidnische Stämme angesiedelt. Die Zurückgebliebenen hatten ein grausames Joch. Sie mussten hohe Steuern und Tribute zahlen.

Dazu kam, dass sie gezwungen wurden, die assyrischen Götter zu verehren. Und es blieb nicht aus, dass sie sich mit den eingedrungenen Heiden vermischten. „Galiläa“ hatte von all dem her für die orthodoxen Juden keinen guten Klang.

Der Prophet Jesaja bezeichnet dieses Land am Nordrand Israels als Land der Finsternis. Er spricht vom „Volk, das im Dunkeln lebt und von Menschen, die im Schattenreich des Todes wohnen“.

 

Sogar Matthäus spricht noch vom „Galiläa der Heiden“.

Sehen Sie: da, in diesem Gebiet, beginnt Jesus seine Tätigkeit, bei diesem Mischvolk, das viele fremde Einflüsse aufgenommen hatte und auf das man von Jerusalem skeptisch und mit Argwohn schaute.

Für dieses Land und seine Menschen erfüllt sich nun die Prophezeiung des Jesaja: Sie dürfen „ein helles Licht“ sehen.

 

Das Licht ist Jesus.

 

Er kommt zu den Verachteten und Verfemten. Ihnen geht ein Licht auf. Bei ihnen wird es hell. Freude und Hoffnung kehren ein.

Der Apostel Paulus bringt es einmal folgendermaßen auf den Punkt: „Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zu beschämen, und das Niedrige in der Welt und das Verachtete in der Welt hat Gott erwählt...“

Wir sehen das auch an Maria. Sie jubelt im Magnifikat, dass Gott auf ihre Niedrigkeit geschaut und Großes an ihr getan hat.

Wir sehen das an Dominikus und Franziskus. Wie oft hat Gott bei den ganz Armen und Kleinen seinen Geist erweckt und in der Kirche einen neuen Anfang gemacht?

Hat nicht auch Jesus aus ganz einfachen und kleinen Leuten in Galiläa seine ersten Jünger berufen? Vielleicht auch deshalb, weil sie im Gegensatz zu den Etablierten, Einflussreichen und Mächtigen ansprechbar waren, ein offenes Herz hatten, Suchende, Hungrige waren, nicht eingebildet und stolz, sondern wirklich „arm im Geist“, demütig, wissend, dass sie sich vor Gott nicht brüsten und auftrumpfen können, dass sie auf keine Leistungen und Verdienste pochen können, um so mehr aber bereit und fähig, auf ihn zu hören, sich auf ihn zu verlassen und ihm zu vertrauen.

 

In Galiläa also beginnt der Herr seine Verkündigung.

Doch, liebe Schwestern und Brüder, das Land der Dunkelheit ist nicht bloß Vergangenheit. Es ist auch Gegenwart. Es ist überall dort, wo z.B. Krieg, Armut, Hunger und Rassismus herrscht. Es ist dort, wo auch heute noch ganze Bevölkerungsschichten ausgebeutet und unterdrückt werden.

Doch nicht nur dort. Denn nicht nur auf der geographischen Landkarte lassen sich dunkle Orte ausmachen, die auf Licht warten. Gibt es diese Orte nicht auch in den Seelenlandschaften der Menschen? Gibt es sie nicht in uns selbst?

„Das Volk, das im Dunkeln lebt“, das können Menschen sein, die von Angst geplagt sind, in Depressionen stecken, die Trauer, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung Ungerechtigkeit erleiden. Ihr drückendes Joch kann eine unheilbare Krankheit sein, eine ausweglose Situation, eine schlimme Notlage, ein unlösbarer Konflikt, Mobbing am Arbeitsplatz, burnout, physischer und psychischer Zusammenbruch.

Solche „Schattenreiche des Todes“ spielen in jedes menschliche Leben hinein, mehr oder weniger, länger anhaltend oder vorübergehend. Ich bin sicher: Jeder von uns kennt sie.

 

Genauso gut kennt jeder von uns aber auch die Sehnsucht, dass die Sonne wieder scheint, die Sehnsucht nach dem Licht am Ende des Tunnels, die Sehnsucht nach Wärme, Geborgenheit, Verständnis, Angenommensein, die Sehnsucht nach Boden unter den Füßen, die Sehnsucht nach Sinn und Ziel und Halt, die Sehnsucht nach erwachender Lebensfreude und neuem Lebensmut.

Der Evangelist Matthäus sagt und zitiert dabei Jesaja: Die Sehnsucht der Menschen im Galiläa der Heiden, in diesem Randgebiet, die Sehnsucht dieser Verachteten, Kleingehaltenen und Unterdrückten, ihre Sehnsucht hat sich in und mit Jesu Auftreten erfüllt.

Denn „das Volk, das im Dunkeln lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnen, ist ein Licht erschienen.“

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wie brachte Jesus Licht ins dunkle Land und ins Dunkel der Herzen? - Auf zweifache Weise:

Zum einen durch sein rettendes und befreiendes Wort. Es macht das Leben hell und reich. Es gibt, wie es in einem Lied heißt: Trost und Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten. Es ist wie ein Stern in der Dunkelheit.

Zum anderen: bringt Jesus Licht ins Dunkel des Landes und der Herzen durch seine Taten. Er heilt die Kranken und befreit Menschen aus der Macht des Bösen.

Jesus lehrt nicht nur. Er verkündet nicht nur die Botschaft vom Reich Gottes. Das Heil, das Jesus bringt, die neue Nähe Gottes, die er vermittelt, wird konkret erfahrbar in seinem Tun. Wort und Tat sind wirksame Zeichen der mit ihm und in ihm angekommenen Herrschaft Gottes. Mit ihm, in ihm ist Gott selber zu den Menschen gekommen, sein Licht und sein Heil, sein Erbarmen und sein Trost, seine Gnade und sein Friede. Er ist wirklich der Immanuel: Gott mit uns.

Später wird Jesus von sich sagen: „Ich bin das Licht der Welt!“ Und: „Wer mir nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Gottes Wort will und kann auch heute noch Licht in der Dunkelheit sein, Trost und Halt in Bedrängnis, Not und Angst.

Und seine Gegenwart kann uns Hoffnung und Zuversicht geben.

Am Ende des Matthäusevangeliums sagt Jesus: „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“ Diese Gewissheit seiner Gegenwart kann unser Leben hell und froh machen, sie kann uns helfen, auch trübe Tage und dunkle Stunden zu bestehen, in schwierigen Situationen nicht zu verzagen, sondern mutig und tapfer aus der Kraft des Glaubens das Leben zu wagen.

Allerdings, um zu den Schattenreichen und dunklen Orten heute zu kommen, braucht Gott auch Menschen. Er handelt nicht ohne uns, sondern nur mit uns.

Und so wie Jesus die Jünger in seine Nachfolge rief und später aussandte zwei und zwei in alle Städte und Dörfer, um sein Heilswerk fortzusetzen, das Reich Gottes zu verkünden, den Menschen den frieden zu bringen, Kranke zu heilen, Dämonen auszutreiben, so sind auch wir Christen und Christinnen heute gerufen, Licht zu bringen in dunkle Lande und Seelenlandschaften, Frieden, wo Streit und Zweitracht herrscht, Hoffnung, wo Resignation oder gar Verzweiflung quält.

Christus will durch uns heute zu den Menschen kommen.

Wir können und dürfen heute Boten und Botinnen seiner Liebe sein, Werkzeuge seines Friedens. Wir können durch unsere Nähe die Nähe Gottes, durch unser Erbarmen, das Erbarmen Gottes, durch unseren Trost den Trost Gottes und durch unsere Liebe die Liebe Gottes erfahrbar machen.

Christus hat keine Hände nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Hände aber, die schenken, erzählen von Gott, Augen, die sehen, Lippen, die segnen, Worte, die heilen, sie erzählen von Gott.

Und es erfüllt sich hier und jetzt: „das Volk, das im Dunkeln lebt sieht ein helles Licht; die im Schattenreich des Todes wohnen, geht ein Licht auf.“

Christsein heißt Licht sein. Licht sein ist unsere Berufung.

 

Amen

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