Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Jahreskreis A Seht das Lamm Gottes...

             Was ist neu powered by crawl-it
Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit und Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

"Seht das Lamm Gottes ..."

(2. Sonntag im Lesejahr A)

Es kommt vor, dass Menschen ihren Mitmenschen Tiernamen geben.

In Freundschaften und Partnerschaften werden Tiernamen gern als Kosenamen verwandt,

z. B. „mein Mäuschen“ oder einfach „Mausi“ oder auch „mein Häschen“, „meine Taube“.

 

Tierische Bezeichnungen haben wir auch, wenn wir jemanden nicht mögen oder wenn jemand uns missfällt oder ärgert.

Dann sagen wir „die blöde Kuh“ oder „so ein Rindvieh“.

„Dummer Esel“, „alter Affe“, „neugierige Ziege“, „armes Schwein“, „sei kein Frosch“ sind weitere solche Ausdrücke.

 

Auch die Bibel benennt dann und wann Menschen mit Tiernamen.

Z. B. „Viele Stiere umgeben mich, Büffel von Baschan umringen mich, reißende, brüllende Löwen.“

Gemeint sind böse Menschen: Übeltäter, Feinde, Frevler, Verfolger.

 

Jesus selbst nennt Herodes einen „Fuchs“ und zur heidnischen Frau sagt er eine jüdische Redewendung aufgreifend:

„Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden“ (d. h. den Heiden) vorzuwerfen.“

 

Für Jesus selbst hat die Hl. Schrift auch einen Tiernamen, nämlich “Lamm“, „Lamm Gottes“.

Johannes der Täufer nennt Jesus so. Er bezeichnet ihn als „das Lamm Gottes, das die Sünder der Welt hinwegnimmt.“

 

Die Liturgie hat das Wort übernommen.

In jeder hl. Messe hat es seinen festen Platz unmittelbar vor dem Kommunionempfang.

Es ist nahe liegend, dass viele Lieder zum Brotbrechen das Motiv und die Bezeichnung aufgreifen.

 

Selbst in die Kunst hat das Lamm Eingang gefunden.

Auf dem berühmten Isenheimer Altar in Colmar ist es abgebildet.

Im Mittelpunkt dieses großartigen Kunstwerkes ist die Kreuzigung Jesu dargestellt.

Zur Rechten des Gekreuzigten steht – historisch unzutreffend, aber sachlich richtig – die Gestalt Johannes des Täufers.

Seine rechte Hand weist mit übergroßem Zeigefinger auf den, der am Kreuz hängt,

auf Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.

Zu Füßen des Täufers befindet sich ein kleines Lamm.

Es trägt einen Kreuzstab und aus seinem Herzen fließt Blut in einen Messkelch,

Herzblut aus der Seitenwunde.

 

Grünewald malt kein Historienbild.

Er malt Heilsgeschichte, Glaubensgeschichte:

Der hier gekreuzigt wird, das Lamm Gottes, er ist der, der sich für uns aus Liebe hingegeben hat

und dessen liebende Lebenshingabe in jeder hl. Messe gegenwärtig wird.

 

Johannes der Täufer hält auf dem Bild des Isenheimer Altares auf seinem linken Arm ein großes, aufgeschlagenes Buch: das Alte Testament.

 

Das Bild des Lammes entstammt dem Propheten Jesaja, genauer gesagt dem 4. Lied vom Gottesknecht.

Ein wesentliches Merkmal dieses Gottesknechtes ist seine Gewaltlosigkeit.

Er schlägt – für viele unverständlich – nicht zurück, er wehrt sich nicht.

Von ihm heißt es:

„Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tut auch er seinen Mund nicht auf.“

 

Sehen Sie:

Wenn Johannes der Täufer Jesus als „Lamm Gottes“ bezeichnet,

dann deutet er schon zu Beginn des öffentlichen Wirkens das Todesschicksal Jesu an.

Er, Jesus, ist der verheißene Gottesknecht, von dem Jesaja spricht.

Wie ein Lamm lässt er sich zur Schlachtbank führen.

Wehrlos lässt er sich zum Opfer ungerechter Gewalt machen.

 

Beim Stichwort „Lamm“ denken wir unwillkürlich an „Opferlamm“.

In der Tat spielen Lämmer im jüdischen Opferkult eine wichtige Rolle.

Lämmer wurden regelmäßig im Tempel als Opfergabe dar­gebracht.

Am jüdischen Pessach-Fest schlachtete jede Familie ein Lamm.

 

Beim Auszug aus Ägypten rettete das Blut der geopferten Läm­mer vor dem Todesengel.

Das Blut wurde als Schutzzeichen an die Türpfosten gestrichen.

Das Lamm ist hier Symbol der Befreiung aus Abhängigkeit und Not,

Symbol der Rettung des Gottesvolkes aus bedrückender Herrschaft.

 

Noch etwas ist interessant:

Am Versöhnungstag praktizierten die gläubigen Juden ein großes Sühneritual.

Dabei musste ein Bock stellvertretend für die Sünden des Volkes sein Leben lassen.

Ihm wurden symbolisch alle Sünden aufgeladen.

Dann wurde dieser Sündenbock in die Wüste geschickt,

um dort umzukommen und nie wieder zurückzukehren.

 

Immer war das Opfern von Lämmern ein Zeichen und Mittel für die Befreiung von Schuld.

Sowohl das Alte Testament als auch andere Religionen waren davon überzeugt, dass es solcher Opfer bedürfe,

um Gott gnädig zu stimmen, um seinen Zorn über die Sünden und Verfehlungen der Menschen zu besänftigen,

ja um sich loszukaufen durch eine besondere Gabe.

 

Bedeutsam ist auch, dass Jesus – dem Johannesevangelium zu­folge – genau zu der Stunde starb als im Tempel die Paschalämmer geschlachtet wurden.

Das will sagen: Jesus ist das Zeichen des Heiles.

Er ist der Retter aus der Knechtschaft von Sünde und Tod.

Er ist das Osterlamm des Neuen Bundes.

 

Eine wichtige Erkenntnis u. Einsicht, ja der Glaube der frühen Christen war:

Es braucht keine Lämmer und Opfer mehr, um Vergebung der Sünden zu erwirken. Das alles ist nicht mehr nötig.

Denn Jesus hat uns losgekauft mit seinem Blut. ER nimmt die Sünde hinweg. ER befreit aus aller Schuld.

 

Nicht der Mensch muss sich die Vergebung seiner Schuld mühsam schaffen – Gott bietet sie ihm an.

Gott schenkt sie ihm in Jesus Christus.

 

An die Stelle des eigenen Tuns, tritt das Empfangen.

An die Stelle der eigenen Leistung Gottes Gnade.

An die Stelle der vielen Lämmer das eine Lamm Gottes.

 

Sehen Sie:

Wenn die Urkirche nach Tod und Auferstehung Jesu das Bild vom Lamm prägte,

hat sie auf diese Weise eine echte Frohbotschaft zum Ausdruck gebracht.

 

Vielleicht ist uns das Bild vom Lamm Gottes heute fremd geworden.

Aber in der Hl. Schrift und in der Liturgie kommt es häufig vor.

Und die Aussage, die damit verbunden ist, hat nach wie vor etwas ungeheuerlich Befreiendes an sich:

„Christus hat uns geliebt und sich für uns hingegeben.“

 

Wenn der Priester in der Messe vor der hl. Kommunion die unscheinbare Hostie erhebt, den Leib Christi,

und auf ihn als das Lamm verweist, das die Sünde hinwegnimmt,

dann ist das wirklich die frohmachende Botschaft schlechthin.

 

„Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Wir sind erlöst und befreit.

   Druckansicht

 

Seitenanfang