Exerzitien mit P. Pius

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Ostern braucht Zeit

(3. Ostersonntag - Lesejahr B; Lk 24, 35 - 48)

 

Die Ereignisse nach dem Tod Jesu überstürzen sich:

Der Leichnam ist nicht aufzufinden. Die Frauen berichten vom leeren Grab. Dem Petrus erscheint der Lebende. Die Emmausjünger erzählen von der Wanderung mit IHM, dem Gespräch über die Schriften und vom Erkennen beim Brotbrechen.

Mitten im Erzählen tritt Jesus selbst in ihre Mitte.

Die Reaktion: Erschrecken und Angst.

„Was seid ihr so bestürzt?“ fragt Jesus. Und: „Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?“

Dann zeigt er ihnen seine Hände und seine Füße und sagt: „Ich bin es selbst.“

Und von den Jünger heißt es: „Sie staunten, konnten es vor Freude aber immer noch nicht glauben.“

Alles ist zunächst so unerwartet, so schockierend, einfach unglaublich. Von der Verzagtheit zur Freude und vom Zweifel zum Osterglauben ist ein weiter Weg. Ostern braucht Zeit

 

Liebe Mitchristen!

Die Osterberichte sind uns vom häufigen Hören fast selbstverständlich geworden. Das Unerhörte, Unerwartete und Undenkbare erfassen wir nicht mehr so leicht. Die Gewöhnung hat das Aufregende und das an und für sich Unglaubliche mit sanftem Staub bedeckt.

 

Sollen wir aufgeweckt und aufgerüttelt werden durch diese Berichte, dann müssen wir uns einlassen auf das bestürzende Schweigen, auf die Ratlosigkeit und den Unglauben der Jünger am Karfreitag.

Wir müssen uns hineinbegeben in die Dunkelheit des Grabes und müssen die Wüste des Karsamstags aushalten. Es ist die Wüste der Abwesenheit Gottes, das Schweigen des Todes, der Tod der Verlassenheit und Trennung, der Tod als Sackgasse und Ende allen Lebens. Der Tod am Kreuz war auch die Kreuzigung aller irdischen Hoffnungen der Jünger.

 

In dieser Situation war die Kunde – „Er ist erweckt von den Toten!“ – jenseits jeder Erwartung, gegen alle Hoffnung und vor allem auch gegen jedes Denken und jede Erfahrung gerichtet. Denn tot ist tot. „Gekreuzigt, gestorben und begraben“ – und das war‘s dann. Darüber hinaus gibt’s nichts. Pure Hoffnungslosigkeit.

 

„Auferweckt von den Toten“ – das reizte die Athener zum Lachen, die Juden gerieten in Zorn, die Apostel fanden es unglaublich und gespenstisch. Und modernes Empfinden tut es ab als mythologische Sprache und Vorstellung, als Einbildung und Wunschdenken. Wir sind schließlich aufgeklärt.

 

Gewiss: Der Fotoreporter, der Journalist und der Geschichtswissenschaftler stoßen nur auf das leere Grab.

Meinungsumfragen und Statistiken können nur die Abwesenheit Gottes, den „Tod Gottes“, das Schweigen des All konstatieren:

Wir sind allem Anschein nach allein und müssen damit fertig werden. Alles andere gilt als fromme Flucht und unrealistisches Träumen.

 

Ganz anders die biblischen Schriften, ganz anders Jesus bei seinen Erscheinungen vor den Jüngern am Ostertag.

Er holt sie, die in Trauer und Skepsis gefangenen sind da ab, wo sie sich befinden. Er kommt ihnen entgegen. Er wirbt um Glauben und Vertrauen.

Dem so genannten „ungläubigen Thomas“ zeigt er seine Wunden. Im Evangelium heute isst Jesus vor den Augen seiner Jünger gebratenen Fisch.

Lukas macht auf geradezu rührend-plakative Weise deutlich:

Jesu Auferstehung ist handgreifliche Wirklichkeit, real und lebendig erfahrbar. Ostern ist keine gespenstische Erscheinung, keine Sinnestäuschung, kein Wunschtraum.

Aber es ist ein Prozess und es braucht Zeit zu glauben, dass der, der am Kreuz starb – und der, der auferstanden jetzt lebendig in ihrer Mitte steht – ein und derselbe ist.

Es braucht Zeit, Ostern im eigenen Leben ankommen zu lassen.

 

Die Jünger finden zum Osterglauben, als sie in der Begegnung mit dem Auferstandenen langsam begreifen, dass seine Gegenwart der Sinn der Schriften und die Erfüllung aller Verheißungen ist: „So steht es geschrieben… und ihr seid Zeugen dafür!“

Vor dem Geheimnis des Kreuzes und der Auferweckung Jesu kann nur der Glaubende einen Sinn entdecken, nicht, weil er ihn erdenken und aussinnen kann, sondern weil er ihm gesagt und offenbar gemacht wird.

 

Aus der Schrift wird sichtbar und deutlich, dass alles so geschehen musste (vgl. Lk 24, 27), weil es zur Geschichte des Heils gehört.

Die Schrift ist der Schlüssel dafür, dass Jesu Wirken, sein Sterben am Kreuz und seine Auferweckung mitten aus dem Tod ein und dieselbe Handschrift tragen, nämlich diejenige Gottes, der durch alle Brüche und durch alle Leid- und Todeserfahrungen hindurch an seinem Volk, an uns Menschen, festhält. Denn auch wir sind Teil der Heilsgeschichte. Uns gilt der Sieg des Lebens über den Tod.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Die österlichen Erzählungen unterstreichen immer wieder, wie langsam die Apostel die Auferstehungsbotschaft begriffen haben. Sie zeigen damit auch, dass diese Männer keine Phantasten, keine Spekulanten und keine Märchenerzähler waren, keine voreiligen Schwätzer, sondern überzeugte Menschen, die wussten, wovon sie redeten, was und wen sie bekannten und warum sie diese Botschaft in alle Welt trugen.

„Wir können unmöglich schweigen, von dem, was wir gesehen und gehört haben“, begründen die Apostel ihr freimütiges und unerschrockenes Auftreten und Verkünden in der Öffentlichkeit und nehmen dafür immer wieder Verhaftung, Verhöre, Kerkerstrafen und Folter in Kauf. Ihr Zeugnis ist immer auch verbunden mit dem Wagnis des eigenen Blutes.

 

Österliche Zeugenschaft darf sich nicht in der Wortverkündigung erschöpfen. Ostern ruft auch zu Taten des neuen Lebens, zu Versöhnung, zur Friedensstiftung, zu Solidarität, zu Werken der Barmherzigkeit, zu tätiger Nächstenliebe.

 

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