Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Ostern Ich bin der Weinstock

             Was ist neu powered by crawl-it
Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit und Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

"Ich bin der Weinstock ..."

(5. Ostersonntag - Lesejahr B - Joh 15, 1 - 8)

 

Der Frühling ist eine schöne Jahreszeit. Die letzten Krusten des Winters fallen ab. Die Bäume schlagen aus. Es sprießt und grünt. Wir erleben die Fülle der Farben und die Pracht der Blüten. Und es tut einfach gut, in dieser Zeit die Schönheit der Natur wahrzunehmen.

Etwas führt uns dabei die Natur auch ganz anschaulich vor Augen, nämlich: der schönste und farbenprächtigste Blütenzweig bringt keine Frucht, wenn er vom Stamm abgerissen wird. Kein einzelner Zweig kann für sich selbst leben. Es ist aussichtslos. Es fehlt ihm die Lebenskraft. Die hat er nicht aus sich selbst, sondern vom Stamm. Nur solange er am Lebensstrom angeschlossen bleibt, der vom Stamm ausgeht, grünt und blüht er.

 

Das gilt auch für den Weinstock, mit dem Jesus sich vergleicht. Keine Rebe trägt Frucht aus eigener Kraft. Der Rebzweig geht aus dem Weinstock hervor. Der gibt ihm Lebenskraft. Und jeder Zweig, der fest am Weinstock verwachsen ist, wird größer, treibt Blüten und Blätter und bringt als Frucht die Trauben.

 

Wie die Zweige, so bringen auch wir Menschen in unserem Leben nicht aus uns selbst , sozusagen automatisch Frucht, sondern nur, wenn wir mit dem Weinstock Christus verbunden bleiben. Von dieser lebendigen Verbundenheit, von einem Kraft- und Lebensstrom, der von ihm ausgeht, spricht Jesus heute.

Wer daran angeschlossen bleibt, wer vom Lebensstrom durchdrungen wird, der bringt Frucht. Ohne diese Verbindung verdor­ren wir. Wir sind wie dürre, tote Zweige.

 

Nicht umsonst, liebe Schwestern und Brüder, spricht Jesus im heutigen Evangelium 8 mal vom „BLEIBEN“. Auffallend häufig kommt es vor. Dieses Bleiben ist offenbar sehr wichtig.

Ich denke, wir spüren auch warum.

Wir kennen die Wankelmütigkeit unseres Herzens, der gute Wille, der alsbald auf der Strecke bleibt, die Grauzone der Unentschlossenheit. Wie leicht erlahmen und erschlaffen wir! Wie oft sind wir auch im religiösen Leben müde und lustlos!

Darum gilt es immer wieder die Mitte zu suchen, die Verbundenheit mit Jesus Christus. Diese lebendige, persönliche Verbunden­heit mit Jesus Christus ist das Wesen des christlichen Glaubens! Nicht irgendwelche Katechismussätze, nicht die Glaubenslehre, auch nicht die Moral, die Liturgie oder sonst etwas steht im Mittelpunkt, sondern eine lebendige Person: Jesus Christus.

Jeder, der Christ sein will, muss bestrebt sein, zu ihm eine innere Beziehung zu finden. Ohne diese Beziehung bleibt alles andere leer und „unfruchtbar“.

Verstehen wir, warum Jesus mehrmals inständig bittet: „Bleibt in mir!“ - Dieses „In-ihm-Bleiben“ ist anscheinend nicht selbstver­ständlich. Und in der Tat: erleben wir es alle nicht immer wieder, wie gefährdet es ist? Wie viele Möglichkeiten gibt es nicht, aus der Lebensverbindung mit ihm herauszufallen oder auch sich herauszumogeln? Unmerklich kann sie einem abhanden kommen wie eine Liebe oder Freundschaft. Sie kann erkalten, versanden wie eine Liebe oder Freundschaft.

Freundschaften aber muss man pflegen. Das wissen wir aus eigener Erfahrung. Sonst gehen sie über kurz oder lang ein.

Auch unsere Beziehung zu Jesus verdorrt, „schläft ein“, kommt abhanden oder geht verloren, wenn sie nicht immer wieder ganz bewusst auch von unserer Seite aus gepflegt und lebendig erhalten wird.

 

„BLEIBT IN MIR!“ - Das kann auf vielfältige Weise geschehen:

Eine Möglichkeit ist das Gebet und die Meditation. Immer wieder seine Nähe suchen; gern in seiner Gegenwart verweilen. Den Tag mit dem Gebet beginnen, nicht mit dem Radio oder mit der Zeitung. Auch zwischendurch immer wieder einmal innehalten. Um 12 Uhr höre ich vielleicht die Angelusglocke. Warum nicht den „Engel des Herrn“ beten? Vor allem auch den Tag im Gebet be­schließen, ihn in Gottes Hände zurücklegen.

 

Ich mache die Erfahrung: wo ich aus der Kraft des Gebetes zu le­ben versuche, da gewinne ich langen Atem, da komme ich auch besser über Misserfolge und Enttäuschungen hinweg.

 

Eine andere Möglichkeit: Hören auf Gottes Wort. Mich davon ansprechen, berühren und betreffen lassen. Auf diese Weise auch vertrauter werden mit Jesus Christus, mit seinen Worten und Ta­ten. Auf diese Weise sein Leben, sein Wesen, sein Tun, sein Schicksal immer mehr kennen und verstehen lernen, so dass er mir immer mehr aufgeht und klar wird, so dass Vertrauen wachsen und eine tiefe Beziehung und Verbundenheit entstehen kann.

 

Ich mache die Erfahrung: Gottes Wort gibt Orientierung, es zeigt den Weg. Und es gibt wirklich, wie es in einem Lied heißt: „es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis Not und Ängsten. Es ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“ Es ändert und heilt, nährt und befreit.

 

Eine dritte Möglichkeit: die Mitfeier des Gottesdienstes. Hier spricht er nicht nur sein Wort zu uns, sondern er begegnet uns in der Feier der Eucharistie im Brot des Lebens. Er lädt uns ein, bei ihm zu sein und mit ihm Mahl zu halten. Er schenkt uns seine Nähe wie es mehr nicht geht. Er selbst gibt sich uns zur Speise. Gibt es eine innigere Verbindung? ER in mir und ich in IHM!


 

Jesus sagt: „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“  - Das klingt wie eine Zusage, fast wie eine Garantie.  Wagen wir es doch, dieser festen Zusage Jesu zu trauen! Und tun wir das unsrige, um in IHM zu bleiben. Dazu lädt er uns ein: „Bleibt in mir!“

„Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ Ein solches Jesuswort darf uns einfach gut tun und Mut machen.

 

   Druckansicht

 

Seitenanfang