Exerzitien mit P. Pius

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Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

(6. Ostersonntag - Lesejahr B)

 

Zwei Brüder wohnten einst auf dem Berg Morija. Der jüngere war verheiratet und hatte Kinder, der ältere war unverheiratet und allein. Die beiden Brüder arbeiteten zusammen, sie pflügten das Feld zusammen und streuten zusammen den Samen aus. Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleich große Stöße, für jeden einen Stoß Garben.

Als es Nacht geworden war, legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben nieder, um zu schlafen. Der ältere aber konnte keine Ruhe finden und sprach in seinem Herzen: Mein Bruder hat eine Familie, ich dagegen bin allein und ohne Kinder und doch habe ich gleich viele Garben genommen wie er. Das ist nicht recht. Er stand auf und nahm von seinen Garben und schichtete sie heimlich und leise zu den Garben seines Bruders. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein.

In der gleichen Nacht nun, geraume Zeit später, erwachte der jüngere. Auch er musste an seinen Bruder denken und sprach in seinem Herzen: Mein Bruder ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen? Und er stand auf, nahm von seinen Garben und trug sie heimlich und leise hinüber zum Stoß des älteren.

Als es Tag wurde, erhoben sich die beiden Brüder, und wie war jeder erstaunt, dass ihre Garbenstöße die gleichen waren wie am Abend zuvor. Aber keiner sagte zum anderen darüber ein Wort.

In der zweiten Nacht wartete jeder ein Weilchen, bis er den anderen schlafend wähnte. Dann erhoben sie sich und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoß des anderen zu tragen. Auf halbem Weg trafen sie plötzlich aufeinander und jeder erkennte, wie gut es der andere mit ihm meinte. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in herzlicher, brüderlicher Liebe.

Gott im Himmel aber schaute auf sie hernieder und sprach: „Heilig, heilig sei mir dieser Ort. Hier will ich bei den Menschen wohnen.“

 

Ich bewundere die beiden Brüder.

Wie viel Einfühlungsvermögen besitzen beide!

Wie einer sich in die Situation des anderen hineinversetzt, das finde ich beeindruckend.

Keiner denkt nur an sich. Jeder will, dass es dem anderen gut geht.

 

Wie ganz anders ist oft unser Verhalten!

Wie ganz anders denken wir oft vom anderen!

 

Wenn er seine Arbeit nicht zu Ende führt, ist er faul.

Wenn ich meine Arbeit nicht abschließe, bin ich beschäftigt und überarbeitet.

Spricht er über andere, ist er ein Klatschmaul.

Tue ich das gleiche, übe ich konstruktive Kritik.

Verteidigt er seine Sache, ist er dickköpfig.

Beharre ich auf meinem Standpunkt, bin ich ein Mann von Charakter.

Redet er nicht mit mir, ist er hochnäsig.

Rede ich nicht mit ihm, war ich halt mit den Gedanken nicht dabei.

Ist er freundlich, führt er was im Schilde.

Bin ich freundlich, ist das so meine nette Art.

 

Der Umgang miteinander, das Zusammenleben überhaupt, erfordert viel Sensibilität und Einfühlungsvermögen.

Wie schnell hat man einem anderen Unrecht getan!

Wie schnell ihn verletzt, gekränkt!

Es fordert aber auch viel Geduld, Verständnis u. Rücksichtnahme!

 

Auf der Suche nach dem richtigen Weg, wenn wir fragen, wie Begegnungen gelingen und wie Zusammenleben glückt, sollten wir nicht vergessen, dass der biblisch-christliche Weg LIEBE heißt.

 

Jesus Christus hat uns in seinem Leben gezeigt, was Liebe ist.

Er hat uns geliebt und sich für uns hingegeben. Er trägt uns auf:

„Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

 

Wie man die Menschen lieben soll, so erzählt ein jüdischer Rabbi, das habe ich von einem Bauern gelernt.

Der saß mit anderen Bauern in einer Schenke und trank.

Lange schwieg er wie die anderen alle. Als aber sein Herz von Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an:

„Sag, liebst du mich oder liebst du mich nicht?“ Jener antwortete: „Ich liebe dich sehr!“ Er aber sprach wieder: „Du sagst, ich liebe dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es wissen.“ Der andere vermochte kein Wort zu erwidern und auch der Bauer, der gefragt hatte, schwieg wieder wie zuvor.

Ich aber verstand, dass es Liebe zum Menschen ist, sein Bedürfen zu spüren und sein Leid zu tragen.

 

Das ist Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfen spüren und ihr Leid tragen!

 

Jeder Mensch sehnt sich danach zu lieben und geliebt zu werden.

Jeder Mensch sehnt sich nach dem „Ja des Seindürfens“.

Der Mensch lebt davon, dass es da jemanden gibt, der ihm sagt und zeigt, wie viel er ihm wert ist.

 

Der tiefste Sinn unseres Lebens ist die Liebe, die Liebe, die man gibt und die man empfängt. Am Ende unseres Lebens wird das einzige, was Bedeutung hatte, die Liebe sein.

 

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