Exerzitien mit P. Pius

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"So sehr hat Gott ..."

(6. Ostersonntag - Lesejahr B)

 

Meinem Empfinden und meiner Überzeugung nach haben wir vorhin in der zweiten Lesung und soeben im Evangelium einige der schönsten Sätze der Bibel gehört, Aussagen, die zum Kern unseres Glaubens gehören.

In der Lesung: „Wir wollen einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott“ Und: „Gott ist die Liebe.“ Im Evangelium: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!“

 

Finden Sie nicht auch, dass hier - wie in einem Brennpunkt – die ganze frohe Botschaft enthalten ist? Leuchtet hier nicht wirklich die Mitte unseres Glaubens auf?

 

Und hat sich Gott nicht in der Tat immer wieder den Menschen so gezeigt und so sich ihnen zugewandt?

Ist er ihnen nicht immer wieder entgegengekommen?

Hat er nicht immer wieder seine Hand ausgestreckt?

Hat er dem Volk Israel nicht immer wieder sein Heil angeboten und seinen Bund mit ihm erneuert?

 

Ist das nicht auch das tragende Motiv für die Menschwerdung, ja für das gesamte Christusereignis? Das tragende Motiv: seine Liebe, sein Heilswille, sein Erbarmen?

 

Und das Faszinierende, Großartige dabei: Gottes Liebe ist bedingungslos. Sie hängt nicht - wie bei uns Menschen oft - von Voraussetzungen und Umständen ab. Gott liebt uns nicht wegen irgendwelcher Qualitäten oder Tätigkeiten oder Tüchtigkeiten.

 

Seine Liebe ist vor allem, was wir bringen, leisten und vorweisen können. Sie ist vollkommene Überraschung, reines Geschenk

Niemand kann sie sich verdienen; keiner braucht es auch.

Niemand kann sie machen. Sie kommt nicht aus uns. Sie kommt zu uns. Und Gott hat nicht nur Liebe. Gott ist Liebe. Sein Wesen ist Liebe.

„Nicht darin besteht die Liebe Gottes, daß wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat“, heißt es (heute) im 1. Johannesbrief.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Oft fällt es uns leichter an Gottes Gerechtigkeit und sein Gericht zu glauben, als an seine grenzenlose Liebe, wirklich glauben und sie auch anzunehmen und daraus zu leben. Wie unglaublich scheint uns das. Oft zweifeln wir daran, ohne Vorleistung und Bedingung, ja selbst im Versagen, geliebt zu sein.

Vielfach ist das Gottesbild verzerrt zum Aufpassergott, Gebote- und Verbotegott. Ängste vor Höllenstrafen sind auch heute gar nicht so selten und plagen gerade die Sensiblen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!  „Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat...“

Wir haben es heute wieder gehört: Gott ist bereit, für uns alles hinzugeben, alles für uns einzusetzen. Nichts ist ihm zu viel. Ganz weit ist er gegangen in seiner Liebe. Ganz viel hat er sie sich kosten lassen: seinen eigenen Sohn.

Und von ihm, dem Sohn, heißt es: „Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung“.

 

Die Menschen, die Jesus begegnet sind, haben etwas gespürt von der rettenden, heilenden, Leben spendenden Kraft und Liebe Gottes: der blinde Bartimäus, der Zöllner Zachäus, Maria von Magdala, der reumütige Schächer und viele andere.

Und Franziskus brauchte nur auf die Krippe oder das Kreuz zu schauen, dann sah er die überströmende, überfließende Liebe Gottes, „die alles Begreifen übersteigt...“.

Jesu ausgestreckte Arme am Kreuz sind Zeichen seiner Liebe! Sein durchbohrtes Herz ist Zeichen seiner Liebe!

„Eine größere Liebe hat niemand“, sagt Jesus (heute) im Evangelium, „als wer sein Leben hingibt für seine Freunde.“

 

Das einzige, was Gott von uns will, liebe Mitchristen, ist die Bereitschaft, seine Liebe aufzunehmen, sich ihr zu öffnen, sie hereinzulassen in unser Leben und IHM zu vertrauen.

Doch Gott zwingt sich nicht auf. Er geht nicht mit Gewalt vor.

Der Mensch kann sich verweigern, sich verschließen. Er kann die ausgestreckte Hand Gottes übersehen oder auch zurückweisen. Er kann das Rufen Gottes überhören. Er kann blind und taub sein für Gottes Werben und Einladen. Und er kann es auch ganz bewusst ignorieren und ausschlagen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Auf einem Flurkreuz habe ich gelesen:

„Das tat ich für dich - was tust du für mich?“

Ja, wie weit bin ich - angesichts der großen Liebe Gottes - bereit zu gehen in meiner Liebe? Bin ich mir bewusst, dass Gottes Liebe Gegenliebe will? Höre ich, wie seine Liebe meine Liebe ruft? Erwidere ich seine Liebe? Bin ich bereit, Antwort zu geben?

 

In Portiunkula bei Assisi gibt es die Tränenkapelle. Franziskus war betroffen und überwältigt vom Erbarmen und von der Liebe Gottes. Es wird erzählt: Eines Tages sei er weinend vom Gebet gekommen. Da begegnete ihm ein Bauer und fragte: „Bruder Franz, warum weinst du?“ Franziskus erwiderte: „Die Liebe Gottes wird nicht geliebt.“

Die Geschichte sagt, da habe auch der Bauer angefangen zu weinen.

 

„So sehr hat Gott die Welt geliebt...“

An einer anderen Stelle heißt es:

„Wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.“

 

„Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“

Dazu muss man nicht in die Ferne schweifen.

 

Liebe üben! Damit fängt man am besten dort an, wo man buchstäblich zu Hause ist. Da, im oft zermürbenden Alltag, im täglichen Miteinander, da, wo’s die Reibungen und Spannungen gibt, da, wo die Konflikte entstehen, da, wo’s manchmal knistert und funkt und vielleicht auch mal kracht, da, wo der andere einem aufregt und nervt...

 

Auf dem Blatt eines Abreißkalenders habe ich einmal folgenden Spruch gelesen: „Geduld ist die Alltagsform der Liebe, Verzeihen die Höchstform.“

Wo wir Geduld haben und einander ertragen, wo wir verzeihen und barmherzig sind, da erfüllen wir den Auftrag Jesu: „Liebt einander!“

Wo wir das versuchen und uns täglich darum mühen, da fallen Strahlen der Liebe Gottes in unsere Lebenswelt.

 

„Seien wir ein Fenster, durch das ein unendlich Größerer mit seiner Liebe hindurchschimmert!“ (A. Kner)

 

Vergessen wir es nicht: Es ist Liebe zu Gott, wenn wir die Schwester, den Bruder lieben!

 

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