Exerzitien mit P. Pius

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Ein hoffnungsloser Fall?

(3. Fastensonntag - Lesejahr C; Lk 13, 1 - 9)

Der Baum ist eine Zumutung.

Seit drei Jahren schon geht der Besitzer hinaus und schaut nach den Früchten.

Immer das gleiche: Nichts.

 

Auch diesmal: Keine einzige Frucht.

Das ist bitter. Das ist enttäuschend.

 

Einmal ist Schluss. Der Baum ist ein hoffnungsloser Fall.

Die sauberste und wirtschaftlichste Lösung: Umhauen!

 

Doch der tödliche Schlag findet nicht statt.

„Hau ihn um“, wird zwar gesagt, aber nicht getan.

Wie kommt’s?

 

Da ist der Weingärtner. Der macht sich für den Feigenbaum stark.

Er kämpft für ihn. Obwohl der schon seit drei Jahren nichts bringt und nur den Boden auslaugt, legt er Fürsprache für ihn ein.

Er bittet um eine Gnadenfrist für den Baum:

„Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen.

Ich will den Boden um ihn aufgraben,

die Erde lockern und noch einmal kräftig düngen.

Vielleicht trägt er doch noch Frucht.“

 

Eigentlich hätte er ja die Axt verdient, der unfruchtbare Feigenbaum.

Doch die Axt schlägt nicht zu, weil da einer ist, der für den Baum eintritt.

Einer, der den Baum noch nicht abgeschrieben hat.

Einer, der noch Hoffnung hat, trotz aller enttäuschenden Erfahrungen.

 

Und ganz persönlich will er sich noch einmal um den Baum mühen, sich einsetzen, ihm viel Gutes zukommen lassen, damit er vielleicht doch noch die gesuchten Früchte bringt.

 

Mir kommt vor, der Baum hat einen Freund gefunden, der sich schützend vor ihn stellt, einen Verbündeten, der ihm noch etwas zutraut.

Mir ist, als sei der Gärtner in den Baum verliebt.

Sein Herz hängt an ihm.

 

Im Weinbergsgärtner dürfen wir Jesus selbst erkennen.

Jesus zeichnet in diesem Gleichnis sozusagen ein Selbstportrait.

 

Mir sagt das:

Jesus hat Hoffnung für mich, auch wenn meine Früchtebilanz alles andere als berauschend ist.

Jesus hat Hoffnung für mich, auch wenn ich mich manchmal so wenig umkehrbereit und veränderungsfähig erlebe.

Jesus schreibt mich nicht ab. Er gibt mich nicht auf.

Er ist der, der die Neunundneunzig im Stall zurücklässt und dem einen Verlorenen nachgeht.

Er ist der, der das geknickte Rohr nicht bricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht.

Er ist der Heiland der Armen, der Freund der Sünder.

Er tritt bei Gott für uns ein.

 

Der Apostel Paulus hat im Römerbrief über dieses Thema meditiert und dabei folgende Sätze geschrieben, die ich sehr tröstlich finde:

„Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Wer kann sie verurteilen? Jesus Christus sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein… Nichts kann uns von seiner Liebe scheiden“ (vgl. Röm 8,32-35).

 

Christus hat uns geliebt und sich für uns hingegeben.

Seine ausgespannten Arme am Kreuz sind Zeichen seiner Liebe.

Sein durchbohrtes Herz ist Zeichen seiner Liebe.

 

Wo Menschen sagen: verloren, da sagt er: gefunden!

Wo Menschen sagen: gerichtet, da sagt er: gerettet!

Wo alle nein sagen, sagt er: ja!

 

In einem Lied heißt es:

„Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt, weil ich so vieles falsch gemacht. Wenn Menschen nicht verzeihen können, nimm du mich an trotz aller Schuld.“

Und weiter: „Wenn du ja sagst, kann ich leben, stehst du zu mir, dann kann ich gehen. Dann kann ich neue Lieder singen und selbst ein Lied für andere sein.“

 

Auch wenn ich in mancher Hinsicht dem unfruchtbaren Feigenbaum gleiche,

auch wenn ich vielleicht gar nicht viel Gutes an mir finde und manchmal denke:

 „Wer bin ich schon? Was taug ich schon? Was habe ich schon zu bieten?“

Ich brauche nicht zu resignieren und schon gar nicht zu verzweifeln.

 

Es gibt einen, der zu mir hält, der mich nicht fallen lässt, der für mich eintritt und der mir immer noch Umkehr und Früchte zutraut.

 

Allerdings, es braucht schon auch meine Offenheit, meine Bereitschaft, meinen Willen zum Guten. Es braucht mein Mittun.

 

Der Feigenbaum hat noch ein Jahr bekommen, eine Bewährungsprobe, eine Gnadenfrist.

 

Ob er dem Gärtner sein Wohlwollen, seine Fürsprache, seine Zuwendung und seine Mühen gedankt hat?

Ob er schließlich Früchte gebracht hat?

Wir wissen es nicht.

 

Das Gleichnis hat einen offenen Schluss.

Wir sind gefragt, Sie und ich!

 

 „Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt sind die Tage des Heils! Empfangt nicht vergeblich die göttliche Gabe!“, heißt es in der Liturgie der Kirche in diesen Tagen und Wochen vor Ostern.

 

Gott schenkt uns diese Gnadenzeit zu unserem Heil.

Nutzen wir sie! Richten wir den Blick nach vorne!

Und trauen wir uns Früchte zu! Gott tut es auch.

 

Und vergessen wir nicht:

Jeder Tag, den Gott uns schenkt, ist ein neuer Anfang!

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