Exerzitien mit P. Pius

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Rufer in der Wüste - Zeuge für das Licht

(3. Adventssonntag - Lesejahr B)

Johannes der Täufer mit dem ausgestreckten überlangen Zeigefinger: Wer kennt nicht das Bild von Matthias Grünewald auf dem weltberühmten Isenheimer Altar?

Doch wer ist er, der mit überlangem Finger auf Jesus am Kreuz zeigt?

 

Seinen Charakter und seine Sendung schildert der Evangelist Johannes folgendermaßen: „Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt, sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.“

Und er fügt hinzu: „Er selbst war nicht das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“

 

Um sich für seinen Auftrag vorzubereiten, ging Johannes in die Wüste. “Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft. Ebnet den Weg für den Herrn!“

 

Als die Leute ihn fragen: „Bist du der Messias?“ da gibt er zur Antwort: „Nein, ich bin es nicht. Aber nach mir kommt einer, der größer ist als ich. Ich bin nicht wert, ihm die Schuhriemen zu lösen.“

 

Johannes war voll durchdrungen vom Bewusstsein, Wegbereiter des Messias zu sein.

Seine ganze Kraft, all sein Reden und Tun lenkte er in diese Richtung.

Und um Jesus, dem lang ersehnten Retter, den Weg zu bereiten, ruft er zur Umkehr auf und spendet die Busstaufe.

 

Unerschrocken und unbestechlich sagt er mit aller Klarheit und Eindeutigkeit, was Sache ist, was die Stunde geschlagen hat. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen arm und reich, hoch und niedrig. Er redet niemandem nach dem Mund. Er verkündet keine Nettigkeiten. Seine Predigt klingt hart in den Ohren.

 

Obwohl dieser Mann nicht bequem war und sein Fähnchen nicht in den Wind hängte, kamen die Menschen in Scharen zu ihm an den Jordan und ließen sich taufen. Sie wussten: Das ist kein Schwärmer, kein voreiliger Schwätzer. Er kommt aus der Wüste. Seine Worte, noch so mahnend, noch so aufrüttelnd, noch so eindringlich, sind durch seine Taten und sein Leben gedeckt.

 

Bei Johannes merkten die Menschen: Es geht ihm nicht um Ankommen, um Applaus. Es geht ihm nicht um sich. Umso mehr leiht er dem Freund die Stimme, dem, der nach ihm kommt und der doch ewig ist. „Er muss wachsen, ich aber kleiner werden.“

 

Später wird Jesus selbst einmal seine Jünger fragen:

„Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen? Was wolltet ihr sehen? Einen Mann in weichlichen Kleidern? Seht, die weichliche Kleider tragen sitzen in den Palästen und in den Häusern der Könige.

Oder was seid ihr hinausgegangen? Was wolltet ihr sehen? Ein Schilfrohr, das der Wind hin und her weht?“

Und dann kommt ein Wort, das aus dem Mund Jesu einmalig ist: „Unter den von einer Frau geborenen ist keiner größer als Johannes der Täufer.“

 

Selbst vor den König des Landes tritt er, als er hört, dass dieser seine Frau verstoßen hat und mit der Frau seines Bruders zusammenlebt. Er tritt vor ihn hin und hält ihm sein ehebrecherisches Verhalten vor. Er tadelt ihn ins Gesicht: „Das ist dir nicht erlaubt!“ Er redet dem König ins Gewissen und riskiert dabei Kopf und Kragen. Und wir wissen: dieser Freimut hat dem unbequemen Mahner tatsächlich den Kopf gekostet.

 

Johannes, der letzte Prophet vor Christus, blieb seiner Sendung und seinem Auftrag treu. Er legte Zeugnis ab von Gott und seinem Willen bis das Schwert des Henkers seinen Mund zum Verstummen brachte.

 

Ob dieser mannhafte Zeuge Christi uns etwas zu sagen hat, uns Christen einer ganz anderen Zeit, die wir oft den leichteren Weg gehen, die wir so oft lustlos in unseren Glauben sind und träg und gleichgültig, uns, denen es so schwer fällt, auch öffentlich für den Glauben einzustehen, uns zu Christus zu bekennen, Mut zu haben, nicht zu tun was „man“ tut und was alle tun? Mit einem Wort: Kontrast zu sein, unterscheidend christlich zu leben?

 

Das muss nichts Spektakuläres sein, nichts Aufsehen erregendes. Dazu braucht man auch nicht gelehrt zu sein oder Theologie studiert haben.

Missionarisch sein, Farbe bekennen, Flagge zeigen im Alltag, das ist jeder Manns und jeder Frau Sache.

Es ist etwas vom Wichtigsten in einer Zeit zunehmender Entchristlichung der Gesellschaft, in einer Zeit wachsenden Neuheidentums, der Gottferne und Gottvergessenheit und auch wachsender Feindseligkeit gegenüber der Kirche.

 

Dass auch wir Zeugnis ablegen vom Licht, das in diese Welt gekommen ist, dass wir es tun im Bekenntnis und durch die Art wie wir leben, dass wir – wie Johannes – der auf Jesus zeigt, Hinweis werden für andere, Christus sichtbar machen und Menschen zu ihm führen, wie Johannes seine Jünger, das ist unser Auftrag.

 

Sagen Sie es selbst, liebe Schwestern und Brüder:

Wie soll das Christentum anders Sauerteig sein? Wie soll es hineinstrahlen und hineinwirken in die Welt, wenn nicht jeder einzelne Getaufte seinen Glauben wirklich ernst nimmt und versucht, ihn glaubwürdig zu leben?

 

Dazu gehört mehr als bloß religiöse Pflichterfüllung, sozusagen Dienst nach Vorschrift.

Dazu gehört, dass Gott wirklich die Mitte meines Lebens ist.

Dazu gehört, dass noch so etwas wie Leidenschaft für Gott in meinem Herzen ist.

Dazu gehört, dass mein ganzes Leben auf Gott ausgerichtet ist, auch in den alltäglichen Dingen.

 

Merken Sie: Johannes der Täufer wühlt auf. Er stellt Fragen.

Und er stellt in Frage. Er macht unruhig, heilsam unruhig.

 

Man kann natürlich sagen, was geht das uns an? Das ist 2000 Jahre her. Aber dann schieben wir das Evangelium elegant beiseite, anstatt uns davon anrühren und betreffen zu lassen.

 

Es geht darum, dass wir immer mehr werden, was wir sein sollen: Salz der Erde, Licht der Welt und Stadt auf dem Berge.

 

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