Exerzitien mit P. Pius

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Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat

(2. Adventssonntag - Lesejahr A)

2. LESUNG                                                                                Röm 15, 4-9

Christus rettet alle Menschen

 

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

 

Brüder!

4Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben.

5Der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch die Einmütigkeit, die Christus Jesus entspricht,

6damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einträchtig und mit einem Munde preist.

7Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes.

8Denn, das sage ich, Christus ist um der Wahrhaftigkeit Gottes willen Diener der Beschnittenen geworden, damit die Verheißungen an die Väter bestätigt werden.

9Die Heiden aber rühmen Gott um seines Erbarmens willen; es steht ja in der Schrift: Darum will ich dich bekennen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen.

 

Wir sind gewohnt, dass am Sonntag der Prediger auf das Evangelium eingeht und es auslegt.

Mich hat allerdings ein Satz aus der 2. Lesung besonders angesprochen.

Meines Erachtens ist es einer der schönsten und zentralsten Sätze im Neuen Testament.

Und ich meine: Er trifft den Kern unseres Glaubens.

Der Apostel Paulus schreibt da an die Gemeinde in Rom:

„Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat zur Ehre Gottes!“

 

CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN!

Knapp und bündig steht es da. Klar und deutlich sagt es der Apostel. Er sagt nicht: Es könnte sein… Oder: Ich hab’ so ein Gefühl. Ganz fest, ganz sicher sagt der Apostel: „Christus hat uns angenommen.“ Für ihn gibt es da gar keinen Zweifel.

 

CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN!

Das ist Wirklichkeit, Grundwirklichkeit, die seit den Tagen des Damaskusereignisses das Leben des Apostels prägt.

Aber Paulus sagt nicht: Christus hat mich angenommen.

Er spricht im Plural: CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN.

Auch das steht fest. Auch das ist Wirklichkeit.

In der Taufe hat Christus uns geheiligt und uns in seine Gemeinschaft aufgenommen.

 

CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN!

Liebe Mitchristen!

Finden Sie nicht auch, dass hier – wie in einem Brennglas – die ganze Frohe Botschaft enthalten ist?

Leuchtet hier nicht die Mitte unseres Glaubens auf?

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Seit längerer Zeit begleitet und fasziniert mich ein Bild vom barmherzigen Samariter. Es stammt aus dem 6. Jahrhundert.

Das auffallende an dem Bild: Der barmherzige Samariter ist Christus selbst. Das Bild zeigt, wie er sich zu dem unter die Räuber gefallenen, am Boden liegenden Armen, Zerschlagenen herabneigt, wie er seine Wunden pflegt und einen Arm stützend und liebevoll unter den Kopf des halbtoten Mannes legt. Gleich wird er ihn aufheben, auf sein Lasttier setzen und ihn zur Herberge bringen.

Christus hat sich zu uns herabgebeugt in Liebe, zu uns Menschen mit unseren Wunden und Verletzungen. Er hat uns aufgehoben, getröstet, geheilt.

Christus hat uns geliebt und sich für uns hingegeben.

Er hat uns den Weg gezeigt zum Vater.

Er hält und birgt uns in seiner Treue.

Er, Christus, ist der barmherzige Samariter, der Helfer, der Beistand, der Retter.

Er ist unser Heiland und Erlöser.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir sind in jedem Augenblick unseres Lebens vom Herrn geliebt und gehalten, auch und gerade dann, wenn wir einmal gefallen sind und uns wieder neue Wunden zugezogen haben.

Wir sind ganz und vorbehaltlos bejaht, auch und gerade dann, wenn andere uns nicht bejahen.

Wir sind vom Herrn angenommen, auch und gerade dann, wenn es uns schwer fällt, uns selbst anzunehmen.

Ist das nicht oft etwas vom Schwersten sich selbst anzunehmen, zu sich selbst ja zu sagen?

Ist andererseits dieses Angenommensein und Sich-bejaht-Wissen nicht das, was jeder Mensch braucht, fast mehr noch als Essen und Trinken?

 

CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN!

Paulus fügt hinzu: „ZUR EHRE GOTTES“.

Ich verstehe da so, dass Jesu Liebe zu uns, uns mit hinein nimmt zum Vater. Das ist wie ein Garantieschein. Christus wird uns garantiert nie fallen lassen und nichts mag uns zu scheiden von dieser Liebe.

 

Ich weiß, liebe Mitchristen, oft zweifeln wir daran, ohne Vorleistung und Bedingung, ja selbst noch im Versagen, angenommen und geliebt zu sein.

Aber Christi Liebe hängt nicht – wie bei uns Menschen oft – von Voraussetzungen und Umständen ab.

Er liebt uns nicht wegen irgendwelcher Qualitäten oder Tätigkeiten oder Tüchtigkeiten.

Er liebt uns nicht, weil wir so brav und solange wir lieb sind.

Er liebt uns so, wie wir sind. Er liebt uns immer und durch alles hindurch und über alles hinaus.

Ich sage es noch einmal: Christi Liebe ist vor allem, was wir bringen, leisten und vorweisen können.

Wir können sie uns nicht verdienen und brauchen es auch nicht.

Diese Liebe kommt nicht aus uns, sie kommt zu uns.

Sie ist reine Gabe. Sie ist Geschenk. Und sie ist größer als alle Schuld.

 

„Ich bin gekommen“, sagt Jesus, „um zu heilen, was verwundet ist und um zu suchen, was verloren war.“ – „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

Gott, nicht Rächer, sondern Retter. Er will nicht unser Verderben, sondern unser Heil.

 

CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN ZUR EHRE GOTTES!

Das ist das Erste. Das steht am Anfang.

Der Apostel lenkt den Blick auf das, was der Herr für uns getan hat.

An einer anderen Stelle sagt er: „Christus hat uns geliebt und sich für uns hingegeben.“

Das erste ist die Liebe Christi. Sie kommt vor allem.

Ganz, ganz weit ist er gegangen in seiner Liebe.

Ganz viel hat er sich diese Liebe kosten lassen.

Im Johannesevangelium heißt es: „Da er die Seinen liebte, liebte er sie bis zur Vollendung.“

 

Sehen Sie, liebe Schwestern und Brüder, die Menschen, die Jesus begegnet sind, haben etwas gespürt von der rettenden, heilenden, Leben spendenden Kraft der Barmherzigkeit und Liebe Jesu: der Zöllner Zachäus z. B., die Sündern, die Ehebrecherin…

Und noch am Kreuz verspricht er dem Schächer Heil und Leben.

 

Im 4. Hochgebet heißt es: „Den Armen verkündete er die Botschaft vom Heil, den Gefangenen Freiheit, den Trauernden Freude.“

Jesu ausgestreckte Arme am Kreuz sind Zeichen seiner Liebe.

Sein durchbohrtes Herz ist Zeichen seiner Liebe.

Jesus selbst sagt: „Eine größere Liebe hat niemand als wer sein Leben hingibt für seine Freunde.“

 

CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN ZUR EHRE GOTTES!

Diesen fundamentalen Satz schickt der Apostel noch etwas vor­aus, nämlich: „Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat!“

CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN!

Das gilt. Das ist irreversibel, unumstößlich.

Aber auch das andere gilt, ja es wächst daraus:

NEHMT EINANDER AN! – Wie Christus uns, so wir einander!

 

„Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes.“

Ist das nicht ein adventlicher Auftrag, liebe Schwestern und Brüder?

Könnte das nicht ein Programm sein für die Zeit bis Weihnachten? Wäre das nicht für jeden von uns eine Möglichkeit, den Umkehrruf Johannes des Täufers zu verwirklichen und in täglichen kleinen Schritten dem Herrn den Weg zu bereiten?

„Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen!“ ruft Johannes seinen Zuhörern zu.

Einander annehmen, wie Christus uns angenommen hat zur Ehre Gottes.

Wäre das nicht eine wunderschöne Frucht dieser Adventstage?

 

CHRISTUS HAT UNS ANGENOMMEN; einen jeden von uns.

Schenken auch wir einander etwas von der Erfahrung dieses Angenommenseins.

Je mehr wir uns jetzt schon darum bemühen und uns darin üben, desto froher und desto glaubwürdiger können wir Weihnachten feiern, das Fest der Liebe, desto echter und inniger können wir dann singen: „In deine Lieb’ versenken, will ich mich ganz hinab.“

Seine Liebe ruft unsere Liebe.

 

NEHMT EINANDER AN; WIE AUCH CHRISTUS UNS ANGENOMMEN HAT ZUR EHRE GOTTES!

 

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