Exerzitien mit P. Pius

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Bilder der Sehnsucht

(3. Adventssonntag - Lesejahr A)

Von einem Beduinen wird erzählt, dass er sich immer wieder der Länge nach auf den Boden legte und sein Ohr in den Wüstensand drückte. Als man ihn fragte, was er da mache, antwortete er: „Ich höre, wie die Wüste weint, sie möchte gern ein Garten sein.“

 

Auch die Bibel ist voller Bilder der Sehnsucht nach Erfüllung. Sie ist voller Visionen von Frieden, Freiheit und Geborgenheit.

 

Wir haben es in der Lesung gehört: Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. Und an anderer Stelle werden Schwerter zu Pflugscharen, Lanzen zu Winzermessern. Schafe weiden bei Wölfen und Kinder spielen am Schlupfloch der Natter. Aus Gestein und Wüstensand brechen Quellen und frische Wasser tränken dürres Land.

 

Die Wüste, die blüht und all die anderen Bilder der Sehnsucht sind adventliche Bilder, Bilder der Erwartung, Bilder der Hoffnung, Sie meinen Leben, wo Tod ist; Frieden, wo Streit ist; Vertrauen, wo Angst herrscht. Diese Bilder meinen Schutz in Bedrohung; Trost in Not; Zuversicht in Ausweglosigkeit.

 

Ursehnsüchte des Menschen drücken sich in diesen Bildern aus, die Sehnsucht nach Heilsein und Angenommensein, die Sehnsucht nach Beheimatung und Geborgenheit.

 

Aber klingen diese Verheißungen und Bilder nicht zu schön, um wahr zu sein? – Die heile Welt: Ist sie nicht ein Wunsch, ein Traum, Utopie? – Freiheit, Glück, Erfüllung: Die Politiker propagieren es. Die Werbung suggeriert es. Aber wo gibt’s das wirklich, in Fülle, dauerhaft?

 

Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden! - Sind wir nicht Jahrhunderte nach diesen biblischen Verheißungen, diesen Trost- und Sehnsuchtsbildern des Propheten Jesaja immer noch weit davon entfernt? Was hat sich verändert?

Können wir angesichts des Bösen in der Welt, angesichts des vielen Unheils noch an Gott, den Retter glauben und an Jesus, den Heiland und Erlöser?

 

Allerdings, eins ist gewiss: was Jesaja angekündigt hat, nämlich: „Gott selbst wird kommen und euch retten.“ Und weiter: Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf.“

Das hat sich in Jesus erfüllt. Menschen haben durch ihn Heil und Heilung erfahren.

 

Und, sehen Sie, liebe Schwestern und Brüder,

das ist auch die Antwort, die Jesus den Gesandten des Johannes gibt, als sie fragen: „Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Die Antwort Jesu ist kein direktes Ja oder Nein. Er verweist vielmehr auf sein Tun, auf das, was alle hören und sehen können: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf. Den Armen und Verachteten wird die Liebe Gottes zugesagt.“

 

Jesus greift die biblischen Bilder der Heilszeit auf. Sie sind Zeichen seiner göttlichen Sendung, Erkennungszeichen.

Schon der Prophet Jesaja hat sie als Merkmale des kommenden Messias verkündet.

 

Bei einem Bibelkreis sprachen wir einmal über das heutige Evangelium. Jemand meinte: Wie schön, dass Jesus Wunder gewirkt hat. Aber warum geschieht das heute nicht mehr?

Schön, dass Jesus Menschen geheilt hat: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören... Aber wo gibt’s denn das heute? Die erlöste Welt! Wo ist sie zu finden?

Wo ist Jesus mit seiner Macht, mit seinem Erbarmen, mit seinem Heil heute? Was hat sich denn seit dem Kommen Jesu in unserer Welt verändert?

 

Wir kamen dann in dem Bibelkreis darauf, dass das letztlich eine Anfrage an uns Christen ist, wie wir seine Botschaft der Liebe aufnehmen, wie wir sein heilendes und rettendes Erbarmen umsetzen, wie wir weiterführen, was in ihm und mit ihm begonnen hat. An uns ist es, sein Heilswerk fortzusetzen.

 

Dort, wo wir es tun, da, wo es geschieht, wird auch heute noch erfahrbar, was Jesaja verheißen hat und was mit Christus begonnen hat. – Und Wunder kann man dann auch heute noch erleben.  Vielleicht so:

 

Blinde sehen:

Er kommt aus Rumänien und ist seit 6 Wochen auf dem Bau. Er wohnt mit 4 Mann auf einem Zimmer in einem abbruchreifen Haus. Als er bei der Arbeit verunglückte, brachte ihn der Polier nach Hause. Als dieser seine Bude sah, gingen ihm die Augen auf. Bald konnten die Vier umziehen. – Blinde sehen!

 

Lahme gehen:

Er war so ein lahmer Typ. Nach Feierabend interessierte ihn nichts, nur noch der Fernseher und sein bequemer Sessel. Dann sprach ihn einer an, er sollte mitmachen bei einer Aktion für geistig behinderte Kinder. Jetzt ist er jeden Abend auf den Beinen. Es macht ihm Spaß, sagt er. – Lahme gehen!

 

Taube hören:

Ich wollte eine alte Frau besuchen. Man warnte mich. Die redet wie ein Wasserfall. Ich nahm mir vor zuzuhören. Nach zwanzig Minuten fragte sie: Warum sagen Sie denn nichts? Wir kamen in ein richtig gutes Gespräch. – Taube  hören!

 

Aussätzige werden rein:

Er ist Student. Eines Tages vermisst er sein Handy.

Er verdächtigt einen Mitstudenten. Je mehr er ihn daraufhin anschaut - die verschlossene Art, die vielen Komplexe - der ist sicher der Dieb! Dann findet er daheim sein Handy wieder.

Doch immer, wenn sie sich begegnen, hält er ihn weiterhin für einen möglichen Dieb. Er pflegt seine Vorurteile und kommt von seinen Verdächtigungen nicht los. Eines Tages sollen sie gemeinsam etwas ausarbeiten. Er lernt ihn näher kennen. Bald sind sie Freunde. – Aussätzige  werden rein!

 

Tote stehen auf:

Sie ist 17 und erwartet ein Kind. Sie macht einen Selbstmordversuch. Im Krankenhaus lernt sie eine Schwester kennen. „Nicht die Ärzte haben mich gerettet“, sagt sie. „Diese Frau ist einfach gut. Man kann ihr vertrauen. Ich freue mich auf mein Kind.“ Tote stehen auf!

 

Ist man ein Träumer, wenn man wünscht, dass so etwas öfter geschieht? - Ist man ein Träumer, wenn man sich eine Welt wünscht, wo man über tiefe Gräben Brücken baut und über Zäune sich die Hände reicht, eine Welt, wo Feinde sich die Hände reichen, Gegner einen Weg zueinander suchen, wo Herren und Knechte sich gemeinsam an einen Tisch setzen, eine Welt, wo die Versöhnung lebt, wo man Arme um verängstigte Schultern legt und von weinenden Augen die Tränen trocknet, eine Welt mit Menschen, die nicht hassen, sondern lieben; nicht vergelten, sondern vergeben; nicht geizen, sondern schenken; nicht strafen, sondern erlösen; nicht verwunden, sondern heilen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wo solches geschieht, da berühren sich Himmel und Erde, da fängt die Wüste an zu blühen, da werden Nächte hell. Da löst sich Erstarrung, da wächst aus Totem neues Leben.

 

Es gibt Dinge, die können ein ganzes Leben verwandeln.

Und oft braucht es gar nicht viel dazu.

Oft genügt schon ein wenig Geduld, ein kleines Entgegenkommen, ein unscheinbares Zeichen der Anteilnahme, ein bisschen mehr Friede und weniger Streit, ein bisschen mehr Güte und weniger Neid, ein bisschen mehr „Wir“ und weniger „Ich“.

 

Wo solches geschieht, da bereiten wir dem Herrn den Weg.

Wo Menschen aus solchem Geist handeln, da ereignet sich auch heute - oft verborgen und ganz alltäglich - Reich Gottes.

Da wohnt Gott schon in unserer Welt. Da schauen wir heute schon sein Angesicht. Da geschieht Epiphanie, Erscheinung des Herrn. Da wird sichtbar, dass Gott da ist.

 

„Wo die Güte und die Liebe, da ist Gott.“

 

Amen

 

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