Exerzitien mit P. Pius

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Anders als erwartet

(3. Adventssonntag - Lesejahr A; Mt 11, 2 - 6)

Johannes sitzt im Gefängnis. Er muss mit dem Schlimmsten rechnen.

Zweifel steigen in ihm auf. Fragen setzen ihm zu. Er fühlt sich ratlos und hilflos.

Auf Jesus hat er hingewiesen als den kommenden Erlöser. Und sich selbst sah er als seinen Wegbereiter. Für ihn hat er Zeugnis abgelegt. Alles hat er darangegeben: seine Kraft, sein Wort, seine Jünger... Jesus war die Hoffnung seines Lebens.

 

„Er muss wachsen, ich aber abnehmen!“

So verstand er sich. Darin sah er seine Sendung.

 

Doch jetzt quält ihn die Frage, ob er auf den Falschen gesetzt hat?

Was ist, wenn er sich in Jesus getäuscht hat?

War dann nicht alles umsonst?

Hat sich der ganze Aufwand gelohnt und die Kraft seines Einsatzes?

 

In seinen Bußpredigten am Jordan hat er den angekündigt, der das göttliche Strafgericht vollziehen wird, der die Axt anlegt und die Wurfschaufel nimmt, der die unfruchtbaren Bäume umhaut und die Spreu verbrennt.

Gott lässt nicht mit sich spaßen! - Das war seine Botschaft.

Kein Drumrum-Reden. Eine deutliche Sprache.

Kein Hängen des Fähnchens in den Wind. Unerschrockenes Auftreten und konsequentes Eintreten für die Sache Gottes.

 

Doch hat sich etwas getan, hat sich was geändert? Wo ist etwas zu merken vom großen Umbruch? Von einer Revolution Gottes keine Spur!

Im Gegenteil: Was von Jesus zu ihm dringt, stimmt so gar nicht mit sei­nem Bild und seinen Vorstellungen überein. Jesu Heilsbotschaft und seine Gerichtsbotschaft, wie geht das zusammen?

 

Jesus zeigt sich anders als erwartet:

Nicht als Rächer Gottes, der mit Gewalt für Ordnung sorgt. Nicht als „Feuerrichter“, der hart durchgreift, die Sünder an den Pranger stellt und die Feinde Gottes niederstreckt. Nichts von all dem. Das macht unsicher, weckt Fragen, nährt den Zweifel. Ein Gefühl der Enttäuschung macht sich breit.

 

Johannes hält es nicht länger aus. Zu viel steht auf dem Spiel, sein ganzes Leben! Er weiß sich nicht anders zu helfen als mit Jesus selbst in Kontakt zu treten. Voll Ungeduld schickt er Boten und lässt ihn fragen:

„Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“

 

Das ist die Alternative, klar und deutlich.

 

Doch Jesu Antwort überrascht.

Er hält sich nicht an das vorgegebene „Entweder-Oder“. Er sagt nicht direkt „ja“ oder „nein“. Er lässt sich nicht in die Entscheidung zwischen nur zwei Möglichkeiten drängen.   Er versucht den Blick zu weiten für eine andere, neue Sicht.

 

Es passiert leicht und ist eine Gefahr – nicht nur für einen, der hinter Schloss und Riegel sitzt – , dass das Denken gleichsam hinter Gitter gerät, dass Vorstellungen in engen Bahnen kreisen und Hoffnung sich tot läuft, weil sie sich nur noch in einem ganz bestimmten, engen Rahmen bewegt.

 

Jesus versteht es meisterhaft, Menschen einen neuen Blick zu geben und sie in einen geweiteten offenen Raum hineinzustellen.

Diese Erfahrung versucht er nun nicht nur dem gefangenen Johannes zu vermitteln, sondern auch dessen Anhängern.

Er lässt sie nicht in der Rolle, bloß Überbringer einer Frage und Boten einer Antwort zu sein. Jesus lädt sie ein, die sichere Distanz neutraler Beobachter zu verlassen. Er mutet ihnen zu, Zeugen zu werden.

Sie sollen sich selbst ein Bild machen, sich eine eigene Überzeugung bilden. Und dabei sollen sie weniger achten auf das, was er sagt, als viel mehr sich ansprechen lassen, von dem, was er tut.

 

Und was erfahren die Jünger des Johannes, wo sie sich selber ins Spiel bringen? – Sie sehen, wie Jesus hilft und rettet, heilt und tröstet,

aufrichtet und vergibt, Not wendet und zum Leben erweckt.

 

Jesus tut genau das, was nach Jesaja der Messias beim Anbruch der Heilszeit tun wird:

„Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird die frohe Botschaft verkündet.“

 

Die Boten des Johannes erleben: der Gott, den Jesus in Wort und Tat verkündigt, ist ein Gott, der sich niederbeugt zu denen, die sich nach Heil und Heilung sehnen; ein Gott, der sieht, wo Menschen sich durch Ängste einengen; ein Gott, der sich erbarmt; ein Gott, der ein Herz hat für die Elenden und Schwachen.

 

„Selig ist“, fügt Jesus hinzu, „wer an mir keinen Anstoß nimmt!“

Selig ist, wer sich von vorgefertigten Messiasvorstellungen lösen kann. Selig ist, wer erkennt, dass Gott nicht gefürchtet werden muss, sondern als Vater geliebt werden will. Selig ist, wer im gesandten „Gottesknecht“ nicht einen Kämpfer mit Feuer und Schwert erblickt, sondern einen Bruder der Menschen, der das geknickte Rohr nicht bricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht.

 

Wie mag dieses Zeugnis, das die Boten dem Täufer ins Gefängnis bringen, bei ihm angekommen sein?

Ob Johannes zufrieden war mit der Antwort, die er von Jesus erhielt?

Ob sie seine Zweifel zerstreut hat?

Ob sie ihm half, seine Krise zu meistern und seine Seelennot zu überwinden?

Ob er wieder inneren Frieden gefunden hat?

Ob wieder Freude und Licht in seine Zelle, in sein Eingeschlossen- und Gefangensein, in sein von Fragen verdunkeltes Herz gedrungen ist?

 

„Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird die Frohe Botschaft verkündet.“

 

Das spricht für sich. Und damit wird deutlich:

Ja, Jesus ist der, der kommen soll.

Er erfüllt die Verheißungen des alttestamentlichen Propheten.

Er ist der Messias - wenn auch anders als erwartet.

 

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