Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Advent Adventspredigt

             Was ist neu powered by crawl-it
Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit und Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

Adventspredigt

Wieder ist es Advent. Ein neues Kirchenjahr beginnt. Und vier Wochen lang bereiten wir uns auf Weihnachten vor. Advent ist nicht schon Weihnachten, sondern will hinführen zum Weihnachtsfest. Es ist ein Weg dorthin. Daran zu erinnern scheint mir ein Gebot der Stunde.

Ist es nicht so, dass der Advent von Jahr zu Jahr mehr seinen Charakter verliert, immer äußerlicher wird? Gehen wir nicht von Jahr zu Jahr ratloser auf Weihnachten zu?

Der Advent soll eine Zeit der Stille und des Nachdenkens sein. Doch sieht die Wirklichkeit nicht weithin anders aus?

Nimmt der Lärm, das Laute nicht sogar noch zu?

Der Advent soll eine Zeit der Besinnung, der Einkehr, der Ruhe sein. Doch wo ist davon etwas zu spüren? Ist der Rummel und die Betriebsamkeit nicht noch größer als sonst. Dazu die Hektik, der Stress?

Der Advent soll eine Zeit der Umkehr sein. „Metanoeite“, hören wir den Täufer rufen: „Sinnt um, ändert euer Leben, bereitet dem Herrn den Weg!“ Doch wer nimmt davon Notiz? Kehren die Menschen ab vom Bösen? Wer vollzieht die bewusste Hinkehr zu Gott, die in einer guten Beichte ihren Ausdruck finden könnte?

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Advent heißt Ankunft. Adventus domini = Ankunft des Herrn.

Der Advent erinnert an das Kommen Gottes bei uns Menschen. Advent ist nicht nur eine 3 bis 4 wöchige Saison im Kirchenjahr. Lange haben sich die Menschen dem Kommen Gottes entgegengestreckt, haben geharrt, gehofft, Ausschau gehalten nach dem Verheißenen, dem Retter, dem Heiland und Erlöser. Die hunderte, ja tausende von Jahren des Sehnens, der Erwartung sind eine einzige Adventszeit. Wir können diese Zeit vor Christi Geburt den Advent des Alten Testamentes nennen.

Es gibt aber nicht nur diesen vorchristlichen Advent. Es gibt auch den Advent der Kirche. Die Zeit der Kirche ist Adventszeit. Und Kirche, das pilgernde Gottesvolk, ist Adventsgemeinschaft.

 

Im Credo bekennen wir unseren Glauben an das Kommen Christi, seine Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit. Und der Priester betet in der Heiligen Messe vor dem Vaterunser: „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen un­seres Erlösers Jesus Christus erwarten.“

Wir halten uns nicht nur an die erste Ankunft Christi vor nahezu 2000 Jahren. Wir erwarten auch sein Kommen in Herrlichkeit. Maranatha - Komm! „Komm, Herr Jesus, komm!“ Diese letzten Worte der heiligen Schrift sind Adventsrufe der Kirche bis heute.

 

Es gibt noch einen dritten Advent neben dem des Alten Testaments und dem Advent der Kirche. Denn nicht nur die Zeit der Kirche ist Adventszeit, sondern mein ganzes Leben, das Leben eines jeden von uns, mag es 50 oder 80 oder 100 Jahre dauern, ist noch einmal Adventszeit. Mit jedem Tag, mit jeder Stunde wird dieser Advent kürzer. Wir gehen Christus entgegen, bis wir ihn schauen von Angesicht zu Angesicht. Es ist gut, wenn wir um den Adventscharakter unseres Lebens wissen. Ein bewusster Christ ist ein adventlicher Mensch.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Mir ist noch etwas wichtig, wenn es um den Advent geht, das Kommen Gottes in unsere Welt und unser Leben: das ist das „Jetzt“, das „Heute“.

Angelus Silesius fasst das, was ich meine, in die Worte: „Wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du wärst noch ewiglich verloren.“

Jesus will hier und heute bei jedem von uns ankommen, geboren werden, Gestalt annehmen. Er will in unser Leben herein.

Auf einem Gemälde von Holman Hunt steht Christus mit einer Laterne vor einer verschlossenen Tür. Als man dem Maler vorhielt, er habe das Wichtigste vergessen, nämlich die Klinke, da antwortete er: „Es kann außen keine Klinke geben. Die Tür kann nur von innen, von uns geöffnet werden. ER klopft an. Öffnen müssen wir.“

Mir kommt da ein Wort aus der Offenbarung des Johannes in den Sinn: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“

Das ist ein ganz und gar adventliches Wort. Es lässt Jesus zu jedem von uns sagen: Ich bin da vor deiner Tür, vor der Tür deines Herzens, vor deinem Innersten. Ich bin da mit meiner ganzen Liebe und meiner großen Sehnsucht nach dir. Ich bin da mit meiner ungeteilten Aufmerksamkeit und meinem liebenden Interesse an dir. Ich will Begegnung mit dir, Gemeinschaft. Ich will bei dir einkehren, mich mit dir verbinden. Ich will bei dir sein und in dir wohnen. Öffne mir die Tür! Lass mich hinein in dein Leben, in deine Ängste und Sorgen, in deine Einsamkeit und Leere, in deine Fragen und Zweifel, in deine Freuden und Betrübnisse!

 

Natürlich können wir uns taub stellen, können so tun, als hörten wir ihn nicht. Wir können sein Klopfen als Störung empfinden. Wir können uns verschließen. Wir können uns abwenden. „Er kam in sein Eigentum. Aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“

 

Und doch wäre gerade das unser Segen und unser Heil, sein Klopfen wahrzunehmen, seine Stimme zu hören, auf sein leises, werbendes, unablässiges Rufen zu achten. Gott klopft an in den verschiedensten Situationen und Ereignissen, in Menschen, die mir begegnen, in der Stimme des Gewissens, in seinem Wort.

Auf vielerlei Weise kommt er auf uns zu, macht sich bemerkbar, klopft und ruft.

IHM aufmachen, IHN hereinlassen in mein Leben, in meinen Alltag. Das zulassen, das einüben wäre eine Aufgabe für den Advent. “Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.!“

Aber Christus zwingt sich nicht auf. Er drängt sich nicht auf. Er klopft an. Ihm öffnen, ihn einlassen, ihn aufnehmen müssen wir.

 

Ein Rabbi überraschte einige Gelehrte, die seine Gäste waren mit der Frage: „Wo wohnt Gott?“ Sie lachten über ihn: „Wie redet Ihr! Die Welt ist doch voll von seiner Herrlichkeit!“ Er aber beantwortete seine eigene Frage: „Gott wohnt, wo man ihn einlässt!“

 

Können wir schon singen: “Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.?“ Wir können aber bitten: „Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein!“

 

Herr, mein Gott,

ich danke dir für dein Kommen.

Du kommst immer neu zu mir:

In deinem Wort – das du zu mir sprichst

In deinem Brot – das du für mich brichst

In deinem Tod – den du für mich stirbst

In deinem Heile – das du mir erwirbst

In jedem Weg – den ich mit dir geh‘,

in jedem Bruder – in dem ich dich seh‘.

Amen. Komm, Herr Jesus

   Druckansicht

 

Seitenanfang